Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Brisanter Stoff: "Inside IS" am Grips Theater

Berlin (dpa) Zehn Tage lang war der Publizist Jürgen Todenhöfer im Irak bei der Terrormiliz Islamischer Staat zu Gast. Sein daraus entstandener Reisebericht "Inside IS" sorgte für Aufsehen, aber auch Kritik. Jetzt kommt "Inside IS" auf die Theaterbühne - als Stück für Jugendliche.

Brisanter Stoff: "Inside IS" am Grips Theater

Regisseur Yüksel Yolcu bringt das Stück "Inside IS" auf die Bühne. Foto: Britta Pedersen

Warum schließen sich deutsche Jugendliche der Terrormiliz Islamischer Staat an? Das Berliner Grips Theater bringt am Mittwoch das Stück "Inside IS" nach Motiven von Jürgen Todenhöfers gleichnamigem Reisebericht auf die Bühne.

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Autor gab Grips-Regisseur Yüksel Yolcu (50) die Rechte an seinem Buch "Inside IS - 10 Tage im "Islamischen Staat"" zur Bearbeitung für ein Jugendstück. "Der Fokus meines Stücks liegt nicht auf dem IS, sondern es geht um uns", sagte Yolcu vor der Uraufführung im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Wie sind Sie an die Rechte des Todenhöfer-Buches gekommen?

Antwort: Das war nicht einfach. Ich war mit meiner Frau und meiner Tochter im Urlaub in der Türkei und hatte Todenhöfers Buch als Lektüre dabei. Ich kann keine Romane lesen. Das langweilt mich, ich will immer etwas lernen. Ich saß dann am Swimmingpool und das Buch hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Buch ist eine Art Aufklärungsmaterial. Noch am Swimmingpool sitzend habe ich Todenhöfer dann eine Mail geschrieben mit der Bitte, die Rechte zu bekommen. Er hat mir natürlich nicht geantwortet. Über den Verlag bekam ich dann Kontakt zu Todenhöfer und wir haben inhaltlich viel geredet.

Frage: Wie vermeiden Sie es in Ihrem Theaterstück, der Terrormiliz Islamischer Staat ein Forum für ihre Propaganda zu bieten, wie es Todenhöfer teilweise vorgeworfen wurde?

Antwort: Der Fokus meines Stücks liegt nicht auf dem IS, sondern es geht um uns. Es geht um die Frage, warum 15- oder 16-jährige Jugendliche aus Europa in den Kampf für den IS ziehen. Es gibt keine Diagnose. Aber es gibt Gemeinsamkeiten bei den Jugendlichen: Brüche in der Familie zum Beispiel oder das Gefühl, in der Gesellschaft ein Loser zu sein. Das Stück ist an die Jugend gerichtet und soll aufklären. Im Türkischen sagt man: Der Baum, der noch grün ist, verbiegt sich je nachdem, woher der Wind weht. Junge Menschen sind beeinflussbar, sie wollen Rebellion und Orientierung.

Frage: Wie haben Sie für Ihr Stück recherchiert?

Antwort: Ich habe unter anderem mit dem Imam Mustafa Cimsit gesprochen, der als Seelsorger in der Frankfurter Justizvollzugsanstalt unter anderem IS-Rückkehrer betreut. Ich konnte zum Teil auch mit den Gefangenen reden. Da ging es um die Gesellschaft, den Islam, das Christentum und Rassismus. Cimsit sagte, er wisse ganz genau, wen er noch "kriege" und wen nicht mehr.

Frage: Wie kann man sich Ihre Bearbeitung des Themas für die Theaterbühne vorstellen?

Antwort: Ich habe für das Stück die Figur eines Imam geschaffen. Der Imam begibt sich auf die Spuren des Jugendlichen Fabian, der sich in Syrien in die Luft gesprengt haben soll. Warum?, will der Imam wissen und besucht Fabians Eltern, seine Freundin, seine Lehrer. Die zweite Linie des Stücks folgt Jürgen Todenhöfer und seinem Sohn Frédéric auf ihrer Reise.

Frage: Nach jeder Vorstellung wird es eine Diskussion mit dem Publikum geben ...

Antwort: Ja, das machen Leute vom Verein Ufuq. Bei Ufuq - das bedeutet im Türkischen und Arabischen "Horizont" - arbeiten sehr kluge Köpfe, die unter anderem mit Jugendlichen zu den Themen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus arbeiten.

ZUR PERSON: Yüksel Yolcu wurde 1966 in Igdir in der Türkei geboren. Mit sechs Jahren kam er mit seiner Familie nach Berlin. Yolcu machte eine Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste und studierte Regie in Paris. Er inszenierte am Hans Otto Theater Potsdam und am Theater der Jungen Welt Leipzig. Seit 2007 sind Yolcus Regiearbeiten am Grips Theater zu sehen, darunter "Aussetzer", "Ohne Moos nix los" und "Ein Fest bei Baba Dengiz". Für seine Inszenierung "Fluchtwege" erhielt Yolcu den Brüder-Grimm-Preis.

Infos zum Stück und Aufführungsdaten

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Bühne

"Boybands Forever": Kreischen, Singen, Spaß haben

München (dpa) Die Neunziger sind zurück - und mit ihnen Take That, Backstreet Boys, Caught in the Act und andere Boybands. In München lässt sich gerade in Erinnerungen schwelgen an Zeiten des ohrenzerfetzenden Kreischalarms. "Boybands Forever": reingehen, mitsingen, Spaß haben.mehr...

Bühne

Theater Mainz bringt Thema Terrorismus auf die Bühne

Mainz (dpa) Theater kann den Gedanken eines Menschen nachspüren, seine Emotionen nachgehen - ganz anders als Journalismus das vermag. Deswegen nimmt sich das Mainzer Theater nun eines Themas an, das sonst in den Medien präsent ist: Terror.mehr...

Bühne

Grips-Gründer Ludwig und sein Mutmach-Theater

Berlin (dpa) "Linie 1"-Schöpfer Volker Ludwig wird 80 und gibt die Leitung des von ihm gegründeten Grips Theaters ab. "Ich werde natürlich weiter schreiben", verspricht der Pionier des modernen Kindertheaters.mehr...

Bühne

"Die Gabe der Kinder": Ponifasios subtiles Spiel

Hamburg (dpa) Eine Welturaufführung in Hamburg in einem ehemaligen Kakaospeicher am Hafen hat das Festival "Theater der Welt" eingeleitet. In seiner Musikperformance "Die Gabe der Kinder" würdigt der samoanische Bühnenstar Ponifasio die Kraft junger Menschen in Kriegsgebieten.mehr...

Bühne

Kinder treffen Klassik-Stars in der Elbphilharmonie

Hamburg (dpa) Jedes Kind soll während seiner Schulzeit einmal ein Konzert in der Elbphilharmonie besuchen. Das versprach Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz bereits vor Jahren. Ein Musikvermittlungsprogramm soll's möglich machen.mehr...

Bühne

Grips Theater zeigt Stücke mit Brisanz

Berlin (dpa) Warum schließen sich deutsche Jugendliche der Terrormiliz Islamischer Staat an? Und wie erlebt ein junger muslimischer Berliner sein schwules Coming-out? Das Grips Theater bringt unter seinem neuen Künstlerischen Leiter brisante Themen auf die Bühne.mehr...