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Brüssel will mehr Transparenz bei Zahlungskosten

Brüssel. Euro oder Landeswährung? Vor allem auf Reisen haben Verbraucher in Europa oft die Wahl zwischen der heimischen oder der Gemeinschaftswährung. Dabei entstehen oft versteckte Zusatzkosten. Die EU-Kommission will das ändern.

Brüssel will mehr Transparenz bei Zahlungskosten

Derzeit berechnen Banken und Kreditunternehmen bei Euro-Zahlungen in EU-Ländern, die die Gemeinschaftswährung nicht eingeführt haben, teilweise hohe Zusatzgebühren. Foto: Daniel Karmann

Verbraucher und Reisende in Europa sollen künftig besser über die Kosten von Zahlungen aufgeklärt werden, bei denen mehrere EU-Währungen im Spiel sind.

Die EU-Kommission präsentierte in Brüssel einen Vorschlag, wonach verdeckte Zusatzkosten unterbunden würden. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssten diesem noch zustimmen. Verbraucherschützer zeigten sich jedoch bereits sehr angetan.

Bislang können Kunden auf Auslandsreisen in Europa oder bei Online-Käufen mit Kartenzahlungen oft zwischen der lokalen Währung und ihrer Heimatwährung wählen. Entscheiden sie sich für die lokale Währung - in Polen etwa Zloty - rechnet die Bank den zu zahlenden Betrag um, und Verbraucher erfahren einige Tage später aus ihrem Kontoauszug, wie viel sie letztlich bezahlt haben.

Wählen sie jedoch ihre Heimatwährung - etwa Euro - rechnet der Zahlungsdienstleister den Betrag sofort um und berechnet dafür Zusatzgebühren. Dadurch sind Zahlungen in Euro in Nicht-Euroländern oft kostspieliger.

„Die Währungsumrechnung muss völlig transparent sein, wenn Verbraucher in einem Land, in dem nicht dieselbe Währung gilt wie in ihrem Herkunftsland, mit ihrer Bankkarte bezahlen“, forderte EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis nun. Die jeweils mit verschiedenen Währungsoptionen verbundenen Kosten müssten klar ersichtlich sein. Dies solle auch für Online-Zahlungen gelten.

Verbraucherschützer bemängeln, dass die Kosten hier bislang undurchschaubar seien. Nach Schätzungen des europäischen Verbraucherschutzverbandes Beuc zahlen Kunden jährlich mehr als eine Milliarde Euro oben drauf.

Die EU-Kommission hat zudem noch einen weiteren Vorschlag für günstigere Euro-Zahlungen in Europa parat. Demnach solle es keinen Unterschied mehr machen, ob eine Überweisung zwischen zwei Euro-Staaten oder außerhalb des gemeinsamen Währungsgebiets vorgenommen werde, erklärte Dombrovskis.

Derzeit berechnen Banken und Kreditunternehmen bei Euro-Zahlungen in EU-Ländern, die die Gemeinschaftswährung nicht eingeführt haben, teilweise hohe Zusatzgebühren. Bei 10-Euro-Überweisungen aus Bulgarien in einen Euro-Staat können etwa bis zu 24 Euro oben drauf fällig werden. In Großbritannien sind es rund 11 Euro, in Polen 1,90 Euro.

Künftig soll hier auch außerhalb des Euroraums derselbe Preis wie für Inlandszahlungen in der lokalen Währung gelten - je nach Land sind dies geringe oder gar keine Zusatzkosten. Für die Banken wären damit laut EU-Kommission keine Belastungen, sondern lediglich geringere Einnahmen verbunden. Unternehmen und Verbraucher könnten rund eine Milliarde Euro pro Jahr sparen.

Die Vorschläge stießen bei Verbraucherschützern und im Europaparlament auf Zustimmung. „Es ist höchste Zeit, dass der Nebel rund um diese Praxis gelüftet wird“, teilten die Verbraucherschützer von Beuc mit Blick auf die Währungsumrechnungen mit. „Kunden zahlen lieber in der Währung, an die sie gewöhnt sind, sind sich jedoch nicht bewusst, dass sie dabei mehr bezahlen.“

„Das ist eine gute Nachricht für die Verbraucher in Europa. Die EU-Kommission schränkt Gebührenwucher damit ein“, sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. „Gerade auf Urlaubsreisen ist es gut, dass man sich gewisser Mindeststandards hinsichtlich der Gebühren für das Geldabheben sicher sein kann“, meinte der CSU-Finanzexperte Markus Ferber.

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