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Tag der Bibliotheken

Büchereien der Region: Jede könnte die beste sein

NRW Bibliotheken waren vor zehn Jahren in der Krise, inzwischen verzeichnen sie steigende Besucherzahlen und haben sich auf den Medienwandel eingestellt. Zum heutigen "Tag der Bibliothek" haben wir einen Blick auf die Bibliotheken der Region geworfen - und schauen ein bisschen in ihre Zukunft.

Büchereien der Region: Jede könnte die beste sein

Wie steht es um die Bibliotheken in NRW? Die Stadtbibliothek in Hilden ist gerade Bibliothek des Jahres geworden.

Sie liegt in einer mittelgroßen Stadt in NRW, der demografische Wandel ist für sie kein Fremdwort. Und trotzdem ist die Stadtbibliothek Hilden vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) am Sonntag zur "Bibliothek des Jahres 2016" gekürt worden. Klar, sie ist bei Facebook, Twitter und Instagram und man kann bei ihr auch E-Book-Reader kostenlos ausprobieren. Aber: Das ist es nicht allein.

"Die Bibliothek hat gewonnen, weil sie einen Plan hat", sagt Barbara Schleihagen, Bundesgeschäftsführerin des dbv. Kontinuierlich habe sie Befragungen durchgeführt, Qualitätsmanagement betrieben und sei auch messbar besser geworden- dafür gab es bis 2015 ein Messinstrument des Verbandes. Mit anderen Worten: Die Bibliothek hat viel Arbeit investiert und wird dafür ausgezeichnet.

Jede Bibliothek könnte das schaffen - wenn man sie lässt

Könnte also jede Bibliothek das schaffen? "Ich denke schon, wenn man sie lässt", sagt Schleihagen. Denn wie gut eine Bibliothek sei, hänge auch immer von den finanziellen Mitteln ab, die sie erhalte. "Wenn Kommunen knapsen und weniger Geld für ihre Bibliotheken haben, dann merkt man das sofort, die Öffnungszeiten und Angebote gehen zurück, das hängt zusammen", sagt Barbara Schleihagen.

Bibliothek des Jahres




Die Bücherei als solches hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Nach Verbandsangaben stieg die Zahl der Bibliotheksbesucher seit 2000 deutschlandweit um sechs und NRW-weit um zehn Prozent, während die entliehenen Medien weniger werden. Die Bibliothek musste, um aus ihrer Krise zu kommen, vielfältiger werden. 

Die Besucher kommen zurück

Es gibt nicht nur Bücher, sondern auch E-Books, DVDs und Computerspiele sowie Datenbanken, Ecken für Videospielkonsolen wie Wii und Playstation. „Wir haben insgesamt nicht mehr Geld zur Verfügung, aber geben mehr Geld für elektronische Medien aus“, erklärt Hans-Christian Wirtz, stellvertretender Leiter der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Das heißt im Umkehrschluss, dass weniger gedruckte Bücher angeschafft werden.

Allerdings wird das digitale Angebot auch immer stärker genutzt: "Durch dieses Angebot konnten wir viele Kunden zurückgewinnen“, sagt Gerlinde Stückmann, Leiterin der Stadtbibliothek in Werne. „Die haben vorher gesagt 'ich komm nicht mehr, ich les jetzt nur noch auf dem E-Book-Reader und nehme keine Buch mehr in die Hand“, durch die digitalen Bücher seien sie aber zurückgekommen.“ Es gibt Kunden, die kommen einmal, bezahlen ihre Jahresgebühr und dann sehen wir sie ein Jahr lang nicht in der Bibliothek", sagt Bibliothekarin Elisabeth Langohr aus der Stadtbibliothek in Castrop-Rauxel. Seit die Bibliothek im Jahr 2008 ihr digitales Angebot eingeführt hat, steigen auch hier die Downloadzahlen stetig.

Soziale Netzwerke - inzwischen unverzichtbar

Neben den neuen Medien in den Regalen und auf den Rechnern, spielen auch soziale Medien eine immer größere Rolle. „Ich glaube schon, dass die sozialen Netzwerke wichtig sind“, sagt Langohr. Einen eigenen Facebook-Account hat die Bibliothek in Castrop-Rauxel aber nicht. Nur den der Stadt, über den man zwar theoretisch posten könnte, aber das sei personell gar nicht zu bewerkstelligen.

In der Stadtbibliothek in Werne wird Facebook hingegen genutzt, "und das lohnt sich für uns, darüber teilen wir zum Beispiel Veranstaltungen und Neuigkeiten aus der Bibliothek", sagt Gerlinde Schürkmann. Auch in Dortmund wird seit Jahren Facebook genutzt, auch einen eigenen Bibliotheks-Blog gibt es. Aktuell denkt man sogar über einen Informations-Service via Whatsapp nach, verrät Hans-Christian Wirtz. Fragt man Barbara Schleihagen vom Deutschen Bibliotheksverband, ob es wirklich nötig sei, einen Twitter oder Facebook-Account zu haben, antwortet sie ohne nachzudenken: „Auf jeden Fall. Nur so kann man dahin gehen, wo die Nutzer sind und seine Angebote mitteilen.“

Denn die Bibliothek als Ort der reinen Ausleihe, der staubigen Bücher und der Bibliotheksmitarbeiter, die mit dem Finger an den Lippen "Psst" ruft, ist lange vorbei. Heute ist die Bibliothek ein Ort, in dem Geflüchtete Sprachunterricht bekommen, in dem Kinder mehr über Mediennutzung lernen, wo Lesungen oder Konzerte stattfinden, wo gearbeitet und gestöbert wird. Sie ist ein Ort des Lernens, des Wissens und ganz besonders: ein Treffpunkt. Und zwar einer ohne große finanzielle Barrieren.

Ein Ort ohne Konsum - wenn man nicht will

„Wir möchten auch denjenigen, die nicht das Geld haben, mal eben eine Statistik zu kaufen, Zugang dazu geben“, sagt Hans-Christian Wirtz aus Dortmund. Maria zu Klampen, die Leiterin der Stadtbibliothek in Ahaus, nennt einen weiteren Punkt: "Die Bibliothek ist der einzige Ort, wo man sich aufhalten kann, ohne, dass man etwas konsumieren muss. Das gibt es sonst nirgends." 

Bibliotheken in NRW





In Ahaus bereitet man sich gerade auf einen Umzug vor, im Dezember soll die neue Bibliothek fertig sein, genau so groß, aber mit Seminarraum, Playstation-Standort und gemütlichen Sitzecken. Außerdem näher an der Innenstadt gelegen, direkt neben VHS, Musikschule und Stadthalle. Die Besucherzahlen sind hier, wie auch im Rest von Deutschland, steigend, vielleicht steigen sie noch mehr, hofft zu Klampen. 

Zumindest hat die Bibliothek in Ahaus eine interessante Entdeckung gemacht. Seit sie in einem Supermarkt als Übergangsquartier untergebracht ist, kommen wieder mehr ältere Menschen.  "Weil wir jetzt ebenerdig sind und näher am Zentrum." Die älteren Besucher würden außerdem das E-Book-Angebot schätzen, weil man die Schrift vergrößern kann und sie leicht im Urlaubsgepäck zu verstauen sind. Laut Barbara Schleihagen vom dbv ist diese Gruppe verhältnismäßig klein, im Vergleich zu etwa einem Drittel Kindern und Jugendlichen und dem großen Teil der Berufstätigen und Eltern.

Ein Partner für die Schulen

Aber auch in der Stadtbücherei  in Haltern am See sind ältere Menschen keine Seltenheit, meint Bibliotheksleiter Bernhard Köster. "Es ist ein Ort, um nicht ganz so alleine zu sein. Und ich glaube, es gibt viele alte Menschen, die einsam sind." In Haltern gibt es einen Bistrobereich, wo gerade Ältere sich gerne hinsetzen, sich informieren, Zeitschriften und Tageszeitungen lesen und Kontakt bekommen. Aber, sie nutzen auch gerne das Internet an den Computern, so der Bibliotheksleiter. 

Diese Bibliotheken gibt es in unserem Verbreitungsgebiet:

 

In Haltern steigen die Besucherzahlen nicht, "aber sie bleiben stabil, mit leichten Schwankungen", sagt Köster. Die Bibliothek hat eine Kooperation mit den Städten Marl, und Recklinghausen. So kann jeder, der einen Ausweis von einer der drei Bibliotheken hat, auch in den anderen ausleihen. Das sei vor allen Dingen für Schüler interessant. Ohnehin hofft Köster, "dass sie ein starker Partner der Schulen bleiben, Bibliotheken könnten mehr leisten in Bezug auf die Ganztagsschule und für Studierende." Auch Schleihagen betont, wie wichtig der Aspekt der Vermittlung ist. Deshalb sei auch finanzielle Unterstützung für die Büchereien wichtig, nur dann könne das Personal richtig ausgebildet werden.

Und die Zukunft?

Und die Bibliothek der Zukunft? Wie könnte die aussehen? Dass der Bestand an gedruckten Büchern weniger wird, da sind sich alle befragten Bibliotheken einig. Aber eine Bibliothek ohne Bücher, dass kann sich niemand vorstellen. „Nein, schließlich haben wir Bücher aus 500 Jahren“, sagt Bernhard Köster.

„Vielleicht wird es eine Art Rückbesinnung auf das gedruckte Buch geben, dass man die Ästhetik und Schönheit des Buches wertschätzt. Zum Beispiel bei Bildbänden“, vermutet Elisabeth Langohr. „Ich glaube, es werden weniger Bücher und mehr Platz sein“, erklärt die Expertin vom Deutschen Bibliotheksverband, Barabara Schleihagen. Der Trend gehe hin zu flexibel nutzbaren Räumen. Das kann sich auch Maria zu Klampen vorstellen. Dass die Bibliothek noch mehr zum Ort der Interaktion wird. Früher, vor dem Internet, sei sie ein Ort gewesen, wo man Informationen bekommen konnte, die man sonst nicht erhalten habe. Heute seien andere Dinge wichtig. Sie sagt: „Die Bibliothek ist eben auch ein Spiegel der Gesellschaft.“

 

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