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Büro oder Werkstatt?

WERNE Carinas Lippen sind aufeinander gepresst. Angestrengt bewegt sie die Säge vor und zurück, bis sich das Holzstück endlich teilt. "Das Handwerkliche ist nicht wirklich mein Ding", sagt die 15-Jährige entschuldigend. Mathe und Kunst, das mache sie viel lieber.

von von Nina Vogt

, 13.08.2008
Büro oder Werkstatt?

Auch Thomas (14) hat sein Talent entdeckt. Er schreibt Rechnungen, vergleicht Preise. ?Das liegt mir, das kann ich gut?, sagt er. Rudolf Enkhaus kontrolliert seine Arbeit.

Es ist ja auch noch keine Meisterin vom Himmel gefallen. Trotzdem ist genau das, was Carina hier festgestellt hat, das Ziel ihres Aufenthalts in den Räumen des Erich-Brühmann-Hauses. "Schüler lernen fürs Berufsleben" heißt das Projekt des Kolping Bildungswerks Essen. Carina und ihre 22 Mitschülerinnen und Mitschüler der neunten Jahrgangsstufe der Willy-Brandt-Gesamtschule probieren sich hier bereits den zweiten Tag in verschiedenen Berufssparten.

Vielfältige Aufgaben

Vier Stationen durchlaufen sie: Elektro/Mechanik, Bauhandwerk, Büro/Kaufmann und Kreativität/Logik. Vom Stecken einer Elektroschaltung über den Bau eines Bilderrahmens und das Verfassen eines Beschwerdebriefs bis hin zum Erstellen von Rechnungen und der Gestaltung einer Einladungskarte - die Aufgaben sind vielfältig. "Die Schüler müssen hier richtig ran", sagt Rudolf Enkhaus. Der pensionierte Lehrer aus Wattenscheid ist heute leitender Betreuer.

Von fehlender Motivation, wie sie Jugendlichen allzu oft nachgesagt wird, merkt er nichts: "Die Schüler nehmen das hier sehr ernst, arbeiten toll mit", erzählt er. "Wenn man Jugendliche erst einmal "entschult", praktisch arbeiten lässt, dann entdeckt man in ihnen Talente, von denen man nie geahnt hätte."

Nach dem Durchlaufen der einzelnen Stationen sollen die Schüler ein Profil erstellen, in dem sie ihre Stärken und Schwächen auflisten. Das soll ihnen bei der späteren Berufswahl, aber auch bei der Auswahl eines Praktikumsplatzes helfen. "Dafür führen wir mit ihnen auch ein Telefontraining durch", so Enkhaus. "Da kommen sie ganz schön ins Schwitzen."

Kreativ gestalten

So wie auch Kevin - allerdings nicht aufgrund von körperlicher Anstrengung. Er gestaltet eine Einladungskarte. "Passt die in den Umschlag", fragt er seinen Nebenmann. Kevin mag es lieber handwerklich als kreativ: "Mit dem Künstlerischen tue ich mich schwer. Ich dachte, Holzarbeiten würden mir leicht fallen. Aber da musste ich drei oder viermal nachsägen. Elektrotechnik liegt mir. Das macht mir Spaß!"