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Mutter startet Online-Petition

Bundesjugendspiele erhitzen die Gemüter

KONSTANZ Alles beginnt mit einer Teilnehmerurkunde: Dieser Trostpreis - der eher das Versagen, denn das Hervorstechen bei den Bundesjugendspielen beurkundet - brachte den Sohn einer dreifachen Mutter und Bloggerin aus Konstanz zum Weinen. Die Mutter geriet in Rage - und sorgte mit einem Online-Prostest für eine bundesweite Debatte.

Bundesjugendspiele erhitzen die Gemüter

Bei den Bundesjugendspielen messen sich die Schüler in Weitsprung, Weitwurf sowie in Schnell- und Ausdauerlauf. Nicht für jeden ist das Ergebnis erfreulich. Foto: Frank Rumpenhorst

Die dreifache Mutter und Bloggerin Christine Finke aus Baden-Württemberg hat mit einem Onlineprotest gegen die Bundesjugendspiele eine hitzige Debatte ausgelöst. Als ihr Sohn weinend von den Spielen nach Hause kommt, weil er nur eine Teilnehmerurkunde erhalten hatte, setzt die Bloggerin einen Tweet auf in dem sozialen Netzwerk Twitter ab. 

Heulender Sohn kommt mit "Teilnehmerurkunde" von den Bundesjugendspielen heim. Erwäge Petition zur Abschaffung selbiger. Ernsthaft.

— Mama arbeitet (@Mama_arbeitet)

 

Nach zahlreichen Reaktionen vieler Eltern hat Finke ihr Vorhaben in die Tat umgesetzt und online eine Petition zur Abschaffung der Spiele eingerichtet. In den Sozialen Netzwerken wird seit Tagen über dieses Thema debattiert. 

#bundesjugendspieleweg Das ist eine Petition, die unterstuetzen mein Sohn und ich voll und ganz!! Er sagt: Demuetigung fuer Kinder! Yes!

— Augstein (@Augstein)

 

Sorry, ich kann euch hinter meinem Stapel Ehrenurkunden nicht hören! #bundesjugendspieleweg

— Sebastian (@Spekkar)

Inzwischen beharrt sie aber nicht mehr auf ihrer Maximalforderung. „Ich fände es schön, wenn am Ende wenigstens die Freiwilligkeit herauskäme“, sagte Christine Finke aus Konstanz am Freitag.

Die 49-Jährige verlangt in ihrer Online-Petition die Abschaffung der vor fast 65 Jahren eingeführten Bundesjugendspiele, weil eine schwächere Forderung „niemand hinterm Sofa hervorlockt“. „Ich wollte es unter die Leute bringen und nicht in den Bundestag.“ Die am Sonntag veröffentlichte Petition hatte am Freitag bereits mehr als 13.000 Unterstützer.

Die Journalistin hält die für Schüler zwingende Sportveranstaltung für nicht mehr zeitgemäß, weil sich vor allem Kinder, die in den gefragten Disziplinen bei Leichtathletik und Co. schwach abschnitten, gedemütigt fühlten. 

Reaktionen auf die Debatte

Auf die Diskussion reagierte inzwischen die unter anderem die Kultusministerkonferenz (KMK). Diese sieht angesichts der aktuellen Debatte über die Bundesjugendspiele keinen Anlass, diese Schulwettbewerbe abzuschaffen oder die Teilnahme auf Freiwilligkeit umzustellen.

Schon seit 15 Jahren könnten die Bundesjugendspiele „nicht mehr nur als „Wettkampf“, sondern auch als spielerischer „Wettbewerb“ und als vielseitiger „Mehrkampf“ durchgeführt werden“, erklärte ein KMK-Sprecher am Freitag. 

Auch die Deutsche Sportjugend bezog Stellung: „Durch ein Training im Sportunterricht lernen Schülerinnen und Schüler, dass man die eigene sportliche Leistung verbessern kann und gewinnen Erfolgserlebnisse. Der faire Umgang miteinander kann hier ebenso trainiert werden."

Anfeindungen gegen Finke

Da sie mittlerweile aber auch von Fans der Spiele verbal angegriffen und ihr sogar Gewalt angedroht werde, überlege sie, die Polizei einzuschalten und sich aus der Debatte zunächst zurückzuziehen, sagte Initiatorin Finke.

Für besonders weite Sprünge, schnelle Sprints und andere sportliche Bestleistungen bekommen die Schüler eine Ehrenurkunde mit der Unterschrift des Bundespräsidenten, schwächere Mädchen und Jungen eine Teilnehmerurkunde. 

Leo/dpa

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