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Bundeswehr schickt 8000 Soldaten in gewaltiges Nato-Manöver

Die einen nennen es Säbelrasseln, die anderen militärische Abschreckung: Die Manöver der Nato und Russlands haben seit Beginn der Ukraine-Krise deutlich zugenommen. Im Oktober dürfte eine besonders große Übung für Aufsehen sorgen.

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Berlin

, 17.08.2018

Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten, etwa 100 Panzer und insgesamt mehr als 2000 Fahrzeuge in das vielleicht größte Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges.

Damit zählt Deutschland zu den größten Truppenstellern bei der Übung „Trident Juncture“ mit insgesamt mehr als 40.000 Soldaten aus etwa 30 Nato- und Partnerstaaten. Die Übung soll vom 25. Oktober bis 7. November in Norwegen stattfinden. Beim letzten vergleichbaren Großmanöver der Nato war die Bundeswehr 2015 nur mit etwa 3000 Soldaten vertreten.

Wegen „Trident Juncture“ (Dreizackiger Verbindungspunkt) steigt die deutsche Beteiligung an internationalen Übungen in diesem Jahr auf die Rekordzahl von 12.000 Soldaten - das sind drei Mal so viel wie im vergangenen Jahr. Die Kosten für die Übungen liegen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums bei 90 Millionen Euro.

Anfang September beteiligt sich die Bundeswehr auch wieder an einem von den US-Streitkräften geführten Manöver, das auf besonders viel Kritik aus Moskau stößt: „Rapid Trident“ (schneller Dreizack) in der Ukraine. Dort werden allerdings nur maximal fünf deutsche Soldaten für die Leitung und Auswertung der Übung eingesetzt, die ganz im Westen der Ukraine in der Nähe von Lemberg stattfindet. Insgesamt sind 14 Länder mit rund 2300 Soldaten beteiligt.

Die Nato hat ihre Übungen seit Beginn der Ukraine-Krise 2014 massiv ausgebaut. Sie dienen auch der Abschreckung Russlands, durch das sich vor allem die östlichen Nato-Mitgliedstaaten Polen, Estland, Litauen und Lettland bedroht fühlen.

Mit Norwegen findet die diesjährige Nato-Großübung „Trident Juncture“ in einem der fünf Mitgliedstaaten statt, die an Russland grenzen. Ob es die größte Nato-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges werden wird, ist noch nicht klar. 2002 fand mit „Strong Resolve“ (Starke Entschlossenheit) ein Manöver in derselben Größenordnung statt.

Scharfe Kritik an der starken Manöverbeteiligung der Bundeswehr kam von Politikern der Linken und auch der SPD. Der frühere SPD-Chef Matthias Platzeck sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag), das sei „kein glückliches Signal“. „Solche Manöver tragen aus meiner Sicht nicht zur Deeskalation bei, im Gegenteil: Auf der russischen wie auf der Nato-Seite sollte das Säbelrasseln eingestellt werden“, sagte der Vorsitzende des deutsch-russischen Forums. „Wir müssen alles tun, damit diese Spirale gestoppt wird. Ich hoffe, dass die Gespräche in Meseberg dazu beitragen, Druck herauszunehmen.“ Auf Schloss Meseberg treffen sich am Samstag Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin.

Linken-Chef Bernd Riexinger nannte die Entsendung von 8000 deutschen Soldaten „beschämend und furchterregend“. „Wie erklärt die Bundesregierung eigentlich dieses schamlose Verballern von Finanzmitteln der Berliner Rentnerin, die Flaschen sammelt? Oder der Pflegerin in Apolda, die bei unterdurchschnittlicher Bezahlung permanent Überstunden machen muss?“, fragte Riexinger. „Die Linke fordert keine Aufrüstung des Wehretats, sondern die Aufrüstung des Sozialsystems.“

Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, verteidigte die Manöver-Beteiligung dagegen. „Die Bundeswehr muss ihre Aufgaben erfüllen. Dazu gehört neben den Auslandseinsätzen auch die kollektive Verteidigung. Dafür muss man üben“, sagte Bartels der PNP.

Moskau hat seine Übungen in der Nähe zum Nato-Bündnisgebiet seit 2014 ebenfalls verstärkt. Für Aufsehen sorgte vor einem Jahr das Manöver „Sapad“ in Weißrussland, das an die Nato-Staaten Litauen, Lettland und Polen grenzt. Nach russischen Angaben waren 12 700 Soldaten beteiligt, nach westlichen Zählungen waren es 60 000 bis 80 000.

Bei „Trident Juncture“ erwartet die Nato derzeit mehr als 40.000 Soldaten, etwa 120 Flugzeuge, 70 Schiffe und bis zu 10.000 Fahrzeuge. Die Planungen laufen bereits seit Januar 2017. Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist liegt daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato (Very High Readiness Joint Task Force - VJTF) übernehmen soll.

Deswegen sind allein mehrere tausend Soldaten der Panzerlehrbrigade 9 aus dem niedersächsischen Munster dabei. Sie wollen nach jetzigem Stand 30 „Leopard 2“-Kampfpanzer, etwa 75 Schützenpanzer der Typen „Marder“ und „Boxer“ sowie zehn Panzerhaubitzen 2000 mitnehmen. Die Bundeswehr stellt aber auch 1000 Gebirgsjäger aus dem bayerischen Bischofswiesen, die in dem Manöver die feindlichen Streitkräfte darstellen sollen.