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Bundesweite Razzia gegen Rockergruppe „Osmanen Germania“

Berlin/Düsseldorf. Die Bundesregierung hat zum Schlag gegen die türkischstämmige Rockergruppe „Osmanen Germania“ ausgeholt. Es bestehe der Verdacht, dass der „Boxclub“ in Deutschland illegale Aktivitäten entfalte.

Bundesweite Razzia gegen Rockergruppe „Osmanen Germania“

Die „Osmanen Germania“ stehen nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP. Foto: Rene Ruprecht/Archiv

Mit einer länderübergreifenden Razzia ist die Polizei gegen die türkischstämmige Rockergruppe „Osmanen Germania“ vorgegangen. Es waren mehr als 1000 Polizisten in drei Bundesländern im Einsatz: in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen.

Sie durchsuchten knapp 60 Objekte und stellten Beweismaterial sowie vereinzelt Waffen und Betäubungsmittel sicher, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Hinter der Aktion steckt die Bundesregierung. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums besteht der dringende Verdacht, dass der offiziell als Boxclub firmierende Verein in Deutschland illegale Aktivitäten entfalten könnte. Die „Osmanen“ haben aktuell im gesamten Bundesgebiet 22 Ortsgruppen mit insgesamt rund 300 Mitgliedern.

Der erst 2015 in Hessen gegründete Club galt zeitweise als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Gruppierung in Deutschland. „Bund und Länder zeigen mit den heutigen Maßnahmen, dass wir kriminelle Aktivitäten egal vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund nicht dulden“, erklärte der geschäftsführende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Der Verein behaupte, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich falle der Club durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe auf. In der Vergangenheit sei es mehrfach zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten gekommen. Die Durchsuchungen sollten der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Aktivitäten dienen. Um die Durchsetzung eines Vereinsverbots gehe es nicht.

Der Schwerpunkt der Razzia lag in Nordrhein-Westfalen, wo die Gruppe nach jüngsten Zahlen die Mehrheit ihrer Mitglieder hat. Dort durchsuchten 800 Polizisten mehr als 40 Wohnungen und Geschäftsräume in 20 Städten. Dabei wurden zahlreiche Kutten, Datenträger, Schriftstücke, aber auch Waffen und Drogen sichergestellt. Einsätze gab es unter anderem in Duisburg, Essen, Köln, Recklinghausen und Wuppertal. „Wir beobachten die Szene sehr genau und lassen uns von diesen Organisationen nicht blenden“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

In Baden-Württemberg wurden acht Objekte von mehr als 100 Polizisten durchsucht. „Wir begegnen allen kriminellen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen mit einer Null-Toleranz-Strategie“, betonte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). In Hessen wurden zehn Objekte von 120 Beamten durchsucht.

In NRW war es vor einem Monat bei einem Einsatz gegen die Gruppierung zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Der 43-jährige frühere „Präsident“ der „Osmanen Germania“ in Wuppertal war von einem SEK-Beamten erschossen worden. Gegen den Polizisten wird ermittelt.

Vom 26. März an müssen sich in Stuttgart acht mutmaßliche „Osmanen“ - darunter drei aus der weltweit höchsten Führungsebene - vor Gericht verantworten. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

Die Rockergruppe hat nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen.

NRW-Innenminister Reul hatte dem Düsseldorfer Landtag berichtet, die Aktivitäten der Osmanen richteten sich gegen die PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung - und würden von türkischen Behörden als „Terrorbekämpfung“ befürwortet. Belegt seien Kontakte von Osmanen-Führern zu Beratern von Präsident Erdogan.

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