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CAS erteilt FIFA und Blatter eine Ohrfeige

Peking (dpa) Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die Rechte der Fußball-Vereine gestärkt, dennoch dürfen sich die Brasilianer Diego (Werder Bremen), Rafinha (Schalke 04) und auch Argentiniens Star Lionel Messi (FC Barcelona) ihren Olympia-Traum erfüllen.

CAS erteilt FIFA und Blatter eine Ohrfeige

Diego war in den letzten Wochen viel auf Reisen.

24 Stunden vor dem Turnierstart der Männer entschied der CAS in der Berufungsverhandlung gegen die Entscheidung des Fußball-Weltverbandes FIFA und im Sinne der klagenden Bundesliga-Clubs: Spieler unter 23 Jahren müssen von den Vereinen nicht für eine Olympia-Teilnahme freigestellt werden, weil sich keine Abstellungspflicht aus den FIFA-Statuten ergebe und auch kein entsprechendes Gewohnheitsrecht existiere. Zudem sei das Turnier nicht im internationalen Kalender der FIFA verzeichnet.

Bei Werder und Schalke hat das Urteil Genugtuung ausgelöst. Beide Vereine sehen sich in ihrer Rechtsauffassung bestärkt. «Die FIFA ist mit dem Versuch gescheitert, bestehende Paragrafen auszuhebeln und neues Recht zu schaffen. Es war unsere Pflicht, uns gegen diese Willkür zur Wehr zu setzen», sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs. In Jubel brach jedoch keiner der Betroffenen aus. «Wir fühlen uns nicht als der große Sieger. Denn es ist durch den Zeitverzug eine unmögliche Situation entstanden: Wir müssen nunmehr fünf Minuten vor Anpfiff des olympischen Fußballturniers entscheiden, ob wir den Spieler zurückrufen oder nicht», sagte Schalkes Manager Andreas Müller.

Der Berufung von Werder und Schalke gegen das von der FIFA vor einer Woche gesprochene Urteil wurde in vollem Umfang stattgegeben. Das Sportgericht folgte der Argumentation von Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der die Vereine in dem wegweisenden Rechtsstreit vertrat. Werder und Schalke kündigten unisono an, trotz des Erfolges vor dem CAS auf eine nun nicht mehr sinnvolle Rückholaktion ihrer Leistungsträger zu verzichten, knüpften deren Verbleib aber an Bedingungen, die sie nicht eingehend definierten. Die Clubs führten als Detail lediglich die Absicherung der Spieler im Verletzungsfall an. Ein entsprechendes Angebot haben Werder und Schalke dem brasilianischen Verband über Anwalt Paeffgen inzwischen per Fax zukommen lassen.

Wie der Manager von Hertha BSC, Dieter Hoeneß, sagte, sollen die Verbände vor dem ersten Spiel bestimmte Bedingungen erfüllen: Sie müssten das Gehalt des Spielers für den Zeitraum der Abstellung übernehmen, eine Abstellungsgebühr zahlen und eine Versicherung abschließen. «Wie sich die FIFA verhalten hat, ist ein Unding», schimpfte Hoeneß. Die Berliner hatten Gojko Kacar (Serbien) und Solomon Okoronkwo (Nigeria) abgestellt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) habe die Entscheidung «aufgrund der Sach- und Rechtslage erwartet», sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus. «Die FIFA hat es leichtfertig verpasst, frühzeitig die geltende Rechtslage anzuerkennen.»

Der brasilianische Verband bestätigte, dass Diego und Rafinha beim Team bleiben. «Sie bleiben Teil des Teams und werden gegen Belgien spielen», betonte Verbandssprecher Rodrigo Paiva. Auch der FC Barcelona - derzeit auf US-Tour - fühlt sich als Sieger, will Messi aber nicht zurückholen, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Argentiniens Trainer Sergio Batista ließ kurz nach dem Urteil verkünden, dass der Mittelfeldspieler bleibt. «Messi will das ganze olympische Turnier spielen. Er ist für die Startelf vorgesehen.»

Für die FIFA und insbesondere Präsident Joseph Blatter, der sich vehement für die Teilnahme der Profis eingesetzt hatte, ist das CAS- Urteil eine schallende Ohrfeige. Es profitieren nicht nur die drei klagenden Vereine, sondern alle Clubs weltweit. Entsprechend kleinlaut reagierte Blatter. «Die FIFA ist überrascht und enttäuscht über die Entscheidung, aber wir respektieren sie. Dennoch, ich appelliere an die Vereine: Lasst eure Spieler teilnehmen. Es wäre ein Akt der Solidarität in Übereinstimmung mit dem olympischen Geist.»

Letztlich stellt das CAS-Urteil die Zukunft des olympischen Fußball-Turniers in der jetzigen Form komplett infrage. Profis über 23 Jahre (z.B. Ronaldinho) unterlagen noch nie einer Abstellungspflicht, die Clubs konnten sie aber freiwillig zu den Olympischen Spielen ziehen lassen. Die Regelung mit Akteuren unter 23 Jahren war ein wachsweicher, zwischen FIFA und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geschmiedeter Kompromiss und war ursprünglich als Schutz für die ohnehin belasteten Spieler gedacht. Der mächtige Weltverband will seinen eigenen Turnieren wie der Weltmeisterschaft und der U 20-WM mit einer völligen Öffnung keine Konkurrenz machen.

Die beiden größten Sport-Organisationen der Welt sind jetzt aufgefordert, mit einer Reform des Reglements künftig für Klarheit und Rechtssicherheit zu sorgen. «Nun muss man sich zusammenzusetzen und praktikable Lösungen suchen», sagte CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb.

Klar ist: In der bisherigen Form wird das Olympia-Turnier künftig keinen Bestand haben, weil die Clubs keine Streitigkeiten und Sanktionen mehr fürchten müssen, wenn sie die von ihnen bezahlten Profis nicht freigeben. Den «Schwarzen Peter» haben vorerst die Spieler, die auf das «Goodwill» der Arbeitgeber angewiesen sind. FIFA und IOC kündigten an, sich nach den Peking-Spielen treffen und beraten zu wollen.

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