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"Cannabis nicht verharmlosen"

WITTEN „Die Zeit der Verharmlosung des Cannabis-Konsums ist vorbei“, glaubt die Psychiaterin Dr. Rita Wietfeld.

von Von Susanne Linka

, 21.10.2007
"Cannabis nicht verharmlosen"

Dr. Rita Wietfeld: Kannabis-Konsum nicht verharmlosen.

Denn aktuelle Untersuchungen scheinen zu bestätigen, dass so manche psychische Krankheit bei jungen Menschen durch das Rauchen von Haschisch-Zigaretten zum Ausbruch kommt.

Das betrifft z. B. die Psychosen, also schwere psychische Störungen, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergehen. „Die Behandlung ist schwierig“, weiß die Fachärztin, denn wenn eine echte Sucht dahinter steht, untergräbt der weitere Drogenkonsum den Erfolg der Therapie.

„Viele Patienten sehen das Haschischrauchen dann als eine Art Selbstbehandlung mit dem Zweck der Entspannung an“, beschreibt Wietfeld ihre Erfahrungen. Doch die tritt eben nicht wirklich ein. So landeten die Betroffenen geradezu in einem Teufelskreis.

Krankheit bewältigen

Dabei sei es grundsätzlich möglich, Psychosen in den Griff zu bekommen. Von „heilen“ möchte die Psychiaterin lieber nicht reden: „Man kann es schaffen, dass die Patienten sich wieder dem Leben zur Verfügung stellen können.“

Neben der Behandlung mit Medikamenten sei die Flankierung mit Gesprächstherapien und Krankheitsbewältigungsstrategien von Bedeutung. Diese sollte sich der Patient dauerhaft zu Herzen nehmen: „Sie helfen zu erkennen: Was kann mich destabilisieren? Wie gehe ich am besten mit dem Stress um?“

Leider, so weiß Dr. Rita Wietfeld, sei es heute bei vielen Jugendlichen ab 16 Jahren üblich, Cannabis zu probieren: „Sie haben kein Problembewusstsein und möchten dazu gehören.“

Dass sich für einige große Gesundheitsrisiken für die Psyche damit verbinden, blenden die Jugendlichen aus. „Das Problembewusstsein fehlt.“

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse hat jeder dritte Jugendliche die Droge mindestens einmal konsumiert. Das entspricht 3600 Wittener Teenagern.

Die Warnsignale für eine psychische Erkrankung, auf die Eltern achten sollten, können vielfältig sein. „Ängste sind eigentlich immer dabei“, betont Wietfeld.

Rückzug, Wesensveränderungen, eine zunehmende Gereiztheit, ungeordnetes Reden und Denken sowie eine Abnahme der Fähigkeit, Absprachen zu treffen und einzuhalten – das können Zeichen sein, die das Aufsuchen einer Spezialpraxis geboten erscheinen lassen.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse ist in ganz NRW die Zahl der Betroffenen, die nach Cannabis-Konsum mit psychischen Problemen im Krankenhaus landen, in den letzten fünf Jahren um über 60 Prozent auf 760 gestiegen.