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18-jährige Zeugin spricht über Flucht, von Vergewaltigungen und Lügengeschichten

Voodoo-Prozess

Mit neuen Details über die Afrika-Flucht ist am Montag der „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Zwangsprostitution in Bordellen in Castrop-Rauxel und Umgebung fortgesetzt worden.

Castrop-Rauxel

, 20.08.2018

„Die Nächte in den Flüchtlingscamps waren das Schlimmste, was ich je durchgemacht habe“, sagte die 18-jährige Zeugin aus Nigeria am Bochumer Landgericht. Sie und andere Frauen, die Ende 2016 aus Benin-City (Nigeria) über Niger und Libyen in Richtung Mittelmeer geflohen seien, hätten auf teils wochenlangen Zwischenstopps in den Wüsten-Camps eng aneinander gepfercht und nur auf dünnen Bastmatten geschlafen. „Es war so voll, dass man sich nachts nicht bewegen und nur auf einer Seite liegen konnte.“ Nach Weiterfahrten durch die Wüste sei es vor allem an den Grenzstellen immer wieder zu Übergriffen und Vergewaltigungen durch Grenzposten gekommen.

Nachdem die 18-Jährige auf Sizilien erstmals europäischen Boden betreten hatte, führte ihre Flucht weiter bis ins Ruhrgebiet. Dort war sie nach eigenen Angaben vom Hauptangeklagten und dessen Frau aufgenommen, praktisch sofort als Prostituierte eingekleidet und an verschiedene Bordelle vermittelt worden.

Zeugin sollte dem Freier eine Lügengeschichte auftischen

Auf Nachfrage des Gerichts gab die 18-Jährige zu nach einigen Monaten in Rotlicht-Clubs die ersten Angebote von Freiern erhalten zu haben. „Einer hat auch mal von Hochzeit gesprochen und versucht, mich zu überreden, als Prostituierte aufzuhören.“ Nachdem sie das einem der Angeklagten erzählt habe, habe dieser ihr aufgegeben, dem Freier eine Lügengeschichte aufzutischen. „Er hat gesagt, ich sollte dem Mann erzählen, dass meine Mutter in Nigeria sterbenskrank ist und ich unbedingt 18.000 Euro für die lebensrettende Nierentransplantation benötige“ so die Zeugin. Das habe sie auch getan.

Der Freier habe beim nächsten Besuch zunächst gesagt, er werde über eine solche Finanzspritze nachdenken, sei dann aber nie wieder zu ihr gekommen.

Die sechs Angeklagten sind teilweise geständig. Die zwei Frauen und vier Männer sollen zwischen 2015 und 2017 mehr als zehn Frauen aus ihrer Heimat illegal nach Europa eingeschleust und anschließend gegen ihren Willen an Bordelle, auch einen Rotlicht-Club in Castrop-Rauxel, vermittelt haben. In Nigeria mussten die Frauen einen Voodoo-Schwur vor einem Juju-Priester ablegen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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