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Agamendon und ihr spezielles Mobster-Konzept

CAS-Sounds - Folge 18

In unserer 18. Folge von CAS-Sounds stellen wir heute die Band Agamendon vor, die mit Melodic-Deathmetal unterwegs ist. Dabei überraschen sie allerdings mit ihrem feinen Aussehen. Dahinter steckt ein Konzept.

Castrop-Rauxel

, 31.03.2018
Agamendon und ihr spezielles Mobster-Konzept

Agamendon im eigenen Tonstudio. Dort entsteht zurzeit das neue Album: Julian „Dugi“ Hollesch (im Vordergrund) mit Daniel Stöckner (v.l.), Kai Overkamp, Justin Cimati und Sascha Schiller. © Christian Püls

Krimi-Geschichten erfreuen sich spätestens seit dem 19. Jahrhundert in Europa großer Popularität. Die Castrop-Rauxeler Band Agamendon hat dieses Thema für sich entdeckt – sozusagen als Marktlücke – und will diesem Sujet nun ein weiteres Album widmen.

Wer an Gangsta-Rap denkt, ist auf einer völlig falschen Fährte: Agamendon spielen Melodic-Deathmetal. Bereits 2011 hatte sich die Band mit dem Album Charleston City der Prohibitionszeit in den USA angenommen. „Dieses Thema ist noch nicht so verbraucht, wie andere Themen unserer Musikrichtung“, erklärt Agamendon-Bassist und Gründungsmitglied Kai Overkamp. Von 1920 bis 1933 herrschte in den USA ein striktes Alkoholverbot, was den Schwarzhandel schnell Blüten treiben ließ – der seinerseits ebenfalls eine Marktlücke schloss. Der berühmteste Kopf hinter solchen Unternehmungen war wohl Al Capone. Dieser Name ist ein beliebtes Synonym für einen Gangsterboss; streng genommen war er jedoch ein Mobster, was bedeutet, dass er nicht nur einer Bande zugehörte, sondern organisierter Kriminalität, ähnlich der Mafia.

„Die Reaktionen sind durchaus interessant“

Mit den Klischees jener Tage spielen die fünf Musiker von Agamendon bewusst auf der Bühne. „Die Reaktionen sind durchaus interessant“, so Schlagzeuger Sascha Schiller, „da wirst Du als Death-Metalband angekündigt, als Intro läuft der Pate, dann kommst Du in dunklen Anzügen auf die Bühne und musikalisch gibt es dann erst mal drei Minuten ins Gesicht.“ Und der 39-jährige Overkamp ergänzt: „Die Leute wollen entertaint werden, da gehört die Optik dazu.“

Und so ackern sich Agamendon auch beim kommenden Album an dieser speziellen US-Epoche ab mit Mobster-Geschichten und Gangster-Balladen. „In unseren Songs finden sich zwar sowohl historische Fakten als auch Unterweltnamen, aber was damals exakt abgelaufen ist, wissen wir natürlich nicht“, sagt Overkamp, „wir spielen durchaus mit Klischees, aber das darf Kunst auch.“ Mit Kriminellen gemein machen wolle man sich aber keineswegs. „Wäre das ein neuer Hollywood-Film, käme diese Frage vielleicht gar nicht auf“, so Overkamp.

In früheren Alben hatten sich Agamendon mit anderen Themen beschäftigt, etwa mit Science-Fiction. „Dugis (Spitzname von Sänger Julian Hollesch; Anm. d. Red) Gesang ist der rote Faden der Bandgeschichte“, erklärt Schlagzeuger Sascha Schiller, „er klingt wie der Teufel.“ Schiller ist erst seit 2016 festes Mitglied der Band, die 2000 gegründet wurde.

„Verdammt hartes Brot, mit Metal sein Geld zu verdienen“

Alle fünf Musiker – inklusive der beiden Gitarristen Justin Cimati und Daniel Stöckner – stehen fest im Berufsleben, als Informatiker oder Versicherungsexperten. Ihre Tourneen, die sie mittlerweile durch ganz Europa geführt haben, müssen daher sorgfältig geplant werden. Den Schritt zum Berufsmusikertum wollen Agamendon jedoch nicht gehen – auch wenn sie das Zeug dazu haben. „Ein Konzert oder eine Tournee, das sind großartige Abenteuer, die man gemeinsam erlebt“, sagt Overkamp, „das gehört für mich zu den Kernpunkten, was es bedeutet, Musiker zu sein.“ Als Beruf kommt es jedoch nicht in Frage, wie der 39-Jährige am Beispiel einer Band aus Rumänien deutlich macht.

„Negura Bunget, zu denen über die Jahre eine Freundschaft entstanden ist, spielen so 250 Gigs pro Jahr“ erklärt Overkamp, „wir haben dadurch begriffen, dass es verdammt hartes Brot ist, mit Metal-Musik sein Geld zu verdienen.“ Am 21. März 2017 verstarb Negura-Bunget-Gründer Gabriel „Negru“ Mafa mit 42 Jahren. „Das Herz“, sagt Overkamp und schlägt dabei seine sonst stets leuchtenden Augen nieder.

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