Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Das sagen Castrop-Rauxels Gymnasien zu G8

Umfrage zu Schulpolitik

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann hat am Dienstag am „Runden Tisch“ in Düsseldorf klar gestellt, dass es vor den Landtagswahlen keine Grundsatzentscheidung mehr zum „Turbo-Abi“ (G8) geben wird. Wir haben an Castrop-Rauxels Gymnasien nachgefragt, was Schulleiter und Eltern davon halten - und was sie sich wünschen.

CASTROP-RAUXEL

, 26.10.2016
Das sagen Castrop-Rauxels Gymnasien zu G8

Auch in Castrop-Rauxels Gymnasien wurde über das Turbo-Abi diskutiert.

Friedrich Mayer, seit 2014 Schulleiter am Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG), ist persönlich kein Fan von G8, von 12 statt 13 Schuljahren, sagt er. Wenn es nach ihm ginge, würden alle Schulen in NRW möglichst rasch zu G9 zurückkehren, würde es wieder so werden wie vor 2005.

Er vermutet, dass es ab dem Schuljahr 2018/19 eine Wahlmöglichkeit für die Schulen geben wird. Aber das wäre nur die zweitbeste Option – „denn dann werden viele Familien vor Problemen stehen, wenn sie umziehen“. Es sei schon kompliziert genug, dass jedes Bundesland für sich entscheide – „da sollte es wenigstens auf Landesebene Einheitlichkeit geben.“

Schulaufgaben statt Hausaufgaben

Hans-Rudi Tillmanns, Mayers Stellvertreter, betont, dass es die richtige Entscheidung war, sich 2009 für das Ganztagsgymnasium zu entscheiden. „G8 war damals politischer Wille und nur so vernünftig zu gestalten“, sagt er. Seitdem heißt es am EBG Schulaufgaben statt Hausaufgaben, an drei Tagen pro Woche Schule bis 15/16 Uhr. Dass Schulministerin Sylvia Löhrmann vor den Landtagswahlen im Mai 2017 keine grundsätzlichen Änderungen mehr einleiten will, hält Friedrich Mayer für richtig: „Es wäre falsch, jetzt schnell irgendwas zu stricken.“

Das sieht auch Theo Albers, Schulleiter am Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG), so. „Würde die Regierung jetzt eine Grundsatzentscheidung fällen und es käme dann zu einem Regierungswechsel, würde doch wieder alles auf den Kopf gestellt und abgeändert.“ Die Mehrheit der Lehrer an seiner Schule, so Albers, habe beim Wechsel von G9 zu G8 gedacht, dass es keine vernünftige Maßnahme ist. Und G8 zu optimieren und konsequent zu entschlacken, so wie geplant, habe nicht funktioniert, weil „jeder Lehrer sein Fach besonders wichtig findet und immer mehr von den Lehrern verlangt wird – sie müssen heute vieles vermitteln, was einst die Eltern taten.“ Die Idee, zu G9 zurückzukehren, hält Albers für „keine schlechte“. Optimal wäre gewesen, G8 erst gar nicht einzuführen. Aber das sei nun mal geschehen. Jetzt heiße es: Schadensbegrenzung.

Entscheiden wir alle fünf Jahre neu?

Wenn den Schulen in NRW künftig die Wahl zwischen G8 und G9 gelassen werde, wäre das „fatal“, sagt Albers. „Wer soll dann entscheiden? Und entscheiden wir das alle fünf Jahre neu?“ Diesen Fragen will er sich nicht stellen. „Die Politiker sollen Farbe bekennen.“ Und Albers ist nach dem Runden Tisch gestern optimistisch, dass sie es tun. Fragt man Mayer nach den Vorteilen von G8, antwortet er, dass so gut wie gar nichts dafür spreche. Nach zwölf Schuljahren seien viele Schüler nicht volljährig, nicht geschäftsfähig – und nicht reif genug, um die Schule zu verlassen. „Man hat ja oft noch kleine Kinder in der Oberstufe sitzen.“ Er setze voll und ganz auf G9 für alle.  

Drei Fragen an Dr. Silke Mreyen, Vorsitzende der Schulpflegschaft des ASG

Was wünscht sich die Schulpflegschaft von der Politik? Dass NRW zu G9 zurückkehrt – auch wenn das schon wieder eine große Veränderung des Schulwesens wäre. Und dass die Politiker endlich aufhören, innovative Ideen durchzuringen, die sie nicht bis zu Ende gedacht haben: wie G8.

Was spricht gegen G8?  Es mangelte von Anfang an an einem guten Konzept. Der Stress in der Schule ist zu hoch. Die Lehrer haben zu wenig Zeit für individuelle Förderung. Und mit der zweiten Fremdsprache in Klasse 6 statt in 7 zu beginnen, ist viel zu früh.

Sind Sie optimistisch, dass G9 zurückkehrt? Eigentlich schon – denn G8 hat Probleme mit sich gebracht, die zu groß sind, um kleingeredet werden zu können.