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Ein verschwundenes Handy wird zum unlösbaren Gerichtsfall

Ebay-Geschäft

Bei einem Ebay-Handel ging irgendwo und irgendwie ein iPhone verloren. Der Fall beschäftigte jetzt das Castrop-Rauxeler Amtsgericht. Ohne großen Erfolg allerdings.

Castrop-Rauxel

, 29.08.2018
Ein verschwundenes Handy wird zum unlösbaren Gerichtsfall

Das iPhone 5 ist nicht mehr ganz taufrisch. Aber wegen eines verschwundenen Exemplars musste sich nun das Castrop-Rauxeler Amtsgericht damit befassen. © picture alliance / dpa

Anstelle eines langen Plädoyers zitierte der Staatsanwalt im Amtsgericht einen Vers. Der lautete: „Einer lügt, ich weiß nicht wer, im Notfall muss ein Freispruch her.“ Ein Vers, der hundertprozentig zur Situation passte. Denn Klärung oder Erkenntnisgewinn waren nicht in Sicht. Was war passiert?

Angeklagt wegen Betruges war ein 47-jähriger arbeitsloser Mann. Der hatte im Frühling 2017 über die Internet-Plattform Ebay ein Handy der Marke iPhone 5 erworben. Defekt, mit zersplittertem Display und einem Speicher von 64 Gigabyte. 50 Euro zahlte er der Verkäuferin, einer 17-jährigen Schülerin.

„Ich kaufe häufiger defekte Handys oder Tablets“

„Ich kaufe häufiger defekte Handys oder Tablets“, sagte er vor Gericht. Er habe ja Zeit zum Tüfteln, die Geräte wieder ans Laufen zu bekommen. So habe es auch beim fraglichen Handy funktioniert. Mit einem anderen Akku konnte er starten, hätte aber festgestellt, dass statt der versprochenen 64 Gigabyte nur ein 16 Gigabyte- Speicher vorhanden war.

Deshalb habe er eine Rückabwicklung gefordert, habe sein Geld auch wieder erhalten und das Handy nebst zwei Displays wieder zurückgesandt. Dieses Prozedere hatte er sogar mit diversen Fotos dokumentiert und festgehalten, in welchen Umschlag er alles gesteckt hatte.

Doch bei der Verkäuferin kamen nur zwei Displays an. Das Handy selbst fehlte, was auch ein Zeuge bestätigte, der beim Auspacken der Rücksendung dabei war. Der Umschlag sei zerknittert und mit einem Klebestreifen geschlossen gewesen, so die beiden Zeugen.

Päckchen kam zwar an, aber ohne Handy

Anzeige erstattete die junge Frau, als rund ein Vierteljahr später bei Ebay ein Handy angeboten wurde. Nicht nur, dass das iPhone 5 auch weiß-gold war, es hatte zudem eine markante Delle an der Rückseite. Angeboten wurde es vom 47-Jährigen, der jetzt auf der Anklagebank saß. Allerdings konnte die Geschädigte keine Fotos ihres alten Handys mehr vorlegen. Die habe sie aus Versehen gelöscht. Und auch der Angeklagte hatte zwar jede Menge Bilder, aber keins von der Rückseite des Handys.

Dass er regelmäßig Handys bei Ebay anbietet, leugnete er auch nicht. Auch dieses bestimmte Geschäft nicht. Schließlich versuche er, seine durch die Arbeitslosigkeit aufgezwungene Freizeit sinnvoll mit Reparaturen zu füllen und mit den instand gesetzten Dingen einen kleinen Zugewinn zu erwirtschaften. Wo das Handy letztlich abgeblieben ist, konnte nicht geklärt werden. Also zitierte der Staatsanwalt den oben erwähnten Vers und das Urteil konnte nur Freispruch lauten.

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