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Feuerteufel steht jetzt vor Gericht

Brandserie

Erst legte er Feuer. Dann kam er selbst vorbei, um den Brand zu löschen. Seit gestern muss sich ein 22-jähriger Feuerwehrmann vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten. „Ich wollte doch nur einen Einsatz kriegen“, sagte der Arbeitslose.

CASTROP-RAUXEL

von Von Anne Petersohn

, 30.08.2010
Feuerteufel steht jetzt vor Gericht

In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar hatte eine Scheune auf dem Hof Kremeskothen gebrannt.

Leise, mit manchmal kaum hörbarer Stimme schilderte der Castrop-Rauxeler, wie er bei nächtlichen Streifzügen im Januar auf immer neue Ziele für seine Brandstiftung gestoßen war. „Wenn mir langweilig war, habe ich mich ins Auto gesetzt und etwas angesteckt“, erklärte der Angeklagte, der die letzten Monate in einer psychiatrischen Anstalt verbracht hat.

Gleich neun Mal soll der junge Mann innerhalb von zwölf Tagen in Castrop-Rauxel und Dortmund gezündelt haben – zuerst in Gartenlauben, dann auch in den Kellern von vier Mehrfamilienhäusern. Zahlreiche Bewohner, die im Schlaf vom Feuer überrascht wurden, mussten anschließend mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Mal war es ein Bügelbrett, mal ein Sofa, das der 22-Jährige mit Feuerzeug oder Zigarette in Brand setzte. Um sich in der Dunkelheit zurecht zufinden, habe er stets sein Handy-Display als Lichtquelle genutzt, berichtete der Angeklagte. Und auch den Melder der Freiwilligen Feuerwehr habe er immer in der Tasche gehabt. „Bei jedem Brand habe ich gehofft, alarmiert zu werden.“ Vor allem der Einsatz in einer Gartenlaube an der Wittener Straße sei ihm in Erinnerung geblieben. „Ich stand mit dem Atemschutzgerät in der ersten Reihe – das war etwas Besonderes.“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte wegen seiner schweren Persönlichkeitsstörung vermindert schuldfähig ist. „Er ist für die Allgemeinheit gefährlich“, erklärte der Staatsanwalt. Die Mutter des Angeklagten quittierte diese Aussage im Zuschauerraum mit einem verächtlichen Schnauben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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