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Gebrauchtwagen entpuppte sich als "Möhrchen"

CASTROP-RAUXEL Uwe Kammer wittert Betrug, wittert Gefälligkeitsgutachten, ist außer sich: „Ich hätte einen tot fahren können.“ Was ihn auf die Palme bringt? Ein gebrauchter Ford Mondeo, den er im vermeintlichen Topzustand bei einem Autohändler in Dortmund-Eving im Tausch erstanden hat. Ein paar Tage später entpuppte dieser sich als schrottreif.

von Von Christoph Witte

, 14.08.2008
Gebrauchtwagen entpuppte sich als "Möhrchen"

Uwe Kammer und Ingrid Domrös lesen die beiden so unterschiedlichen Gutachten.

So die eine Seite der Medaille. Auf der anderen muss sich der 50-jährige Habinghorster selbst heftige Vorwürfe gefallen lassen. Und zwar vorsätzliche Beschädigung des Wagens. Aussage gegen Aussage bzw. Gutachten gegen Gutachten. Im Clinch liegen Uwe Kammer und die DEKRA mit dem Autohändler und der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ)*. Die Familie Kammer tauschte 2007 bei dem ihnen bekannten Autohändler erstmals Auto gegen Auto. Schon damals gab es Probleme. Aus Misstrauen holte Uwe Kammer daher beim zweiten Autotausch, beim Ford Mondeo, Baujahr 1996, ein zweites Gutachten ein. Der vom Autohändler mitgelieferte GTÜ-Prüfbericht vom 3. März wies außer einer ausgeblichenen Glühlampe keine Mängel auf. Fünf Tage später bei der DEKRA dann ein erschütterndes anders Ergebnis: u.a. geplatzte Bremsleitung, Risse im Reifen, Steinschlag in der Windschutzscheibe. Uwe Kammer ging zur Polizei, erstattete Anzeige wegen Betrugs. „Die Sache stinkt zum Himmel.“

Fragt man beim Autohändler und beim GTÜ-Gutachter nach, stellt sich die Lage konträr dar. „Die wollen doch Geld aus der Sache ziehen“, regt sich der Evinger Händler auf. „Es ist nichts Krummes gelaufen. Ich habe ein ruhiges Gewissen. Das Auto war einwandfrei.“ Dies bestätigt auch der GTÜ-Prüfer. Angesprochen auf die Mängelliste der DEKRA sagt er: „Alles Quatsch. Ich wollte das Auto eigentlich sogar für meinen Sohn kaufen.“ Er schiebt den Schwarzen Peter zur Konkurrenz weiter, vermutet, die DEKRA habe extra ein zu schlechtes Gutachten erstellt. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Bremsleitung tatsächlich defekt war. „Das ist unser Berufsrisiko und kann auch in den paar Tagen nach der Untersuchung passiert sein.“ Die Risse in den Reifen seien zum Zeitpunkt seiner Inaugenscheinnahme nicht dagewesen. Der GTÜ-Prüfer: „Das sieht aus, als ob jemand mit einem Tapeziermesser nachgeholfen hat.“ Anders mutmaßt sein Kollege von der DEKRA. „Kungelei gibt es immer mal wieder, vielleicht sind die Mängel aber auch einfach übersehen worden.“

Der Autohändler will mehrmals das Gespräch mit den Kammers gesucht haben: „Aber da ist nichts zu machen.“ Eine Einigung im Auto- und Gutachterstreit ist nicht in Sicht. Uwe Kammer und Ingrid Domrös fahren seit März nur noch Bus. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren vorerst eingestellt. Kein öffentliches Verfolgungsinteresse.  

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