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Iranische Familie weiter in Angst vor Abschiebung

Nach Kirchenasyl

Muss die junge iranische Familie, der die Freie Evangelische Kirchengemeinde in Deininghausen Kirchenasyl an der Weimarer Straße gewährte, Castrop-Rauxel doch verlassen? Beim Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen heißt es wohl: Das Kirchenasyl werde nicht anerkannt. Damit könnte die Abschiebung drohen.

CASTROP-RAUXEL

, 02.11.2014
Iranische Familie weiter in Angst vor Abschiebung

Das Ehepaar vor dem Gotteshaus, das im Sommer dieses Jahres über drei Monate ihr Zuhause war. Die iranische Familie hofft auf eine Zukunft in Castrop-Rauxel, muss aber weiter auf eine verlässliche Antwort warten.

Werner Hanschmann, der neue Pastor der Gemeinde, der Hamid, Maryam und ihren kleinen Sohn Ende August in einem Gottesdienst aus dem Kirchenasyl verabschiedete, weiß nicht so recht, warum nicht längst Klartext gesprochen wurde. "Was wir wissen", sagt er, "ist die unglaubliche Geschichte, dass es beim Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen heißt, das Kirchenasyl werde nicht anerkannt, sondern die Familie sei quasi mit diesem Asyl untergetaucht. Das macht uns betroffen, unsicher und traurig."

Seit die Familie das Gotteshaus an der Weimarer Straße verlassen hat, wohnt sie wieder bei Freunden aus der Gemeinde. Und wartet sehnsüchtig auf eine verlässliche Antwort, in Castrop-Rauxel bleiben zu dürfen. Für das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen scheint die Sache klar zu sein. Die Akten-Vorgänge, so heißt es im Amtsdeutsch, stagnieren mit einer Klage gegen die Abschiebung vom 21. Juli dieses Jahres. Die so entschieden worden sei, dass keine humanitären Gründe dagegen sprächen, die Familie nach Italien zu schicken. In jenes Land, das das Visum der Iraner bei ihrer verzweifelten Flucht aus ihrem Heimatland abgestempelt hatte. Und von dem Familienvater Hamid, der es teuer erkauft hat, selbst im Traum nicht angenommen hätte, es könne ein K.O.-Kriterium für die Bleibe in Deutschland sein. "Bei uns ist nichts mehr anhängig", betont der Vorsitzende Richter und Pressestaatsanwalt Karsten Herfort. Die staatlichen Verfahren seien durchlaufen.

Für den Anwalt der Familie, Karim Popal aus Bremen, bekannt geworden als Vertreter der Opfer des Bundeswehr-Übergriffs im Kundus, ist das Maß voll. "Wir haben einen Folgeantrag beim Bundesamt für Flüchtlinge und Migration gestellt", erklärt er. Mit Gewährung des Kirchenasyls und dem Ablauf der geltenden Frist sei klar, dass jetzt die deutschen Behörden zuständig seien. "Wenn da nichts kommt, werden wir eine Untätigkeitsklage auf den Weg bringen", verdeutlicht er. Und betont: "Es ist schlimm, dass die Menschen so lange in Ungewissheit leben müssen." Hamid und Maryam lernen weiter Deutsch. Und beten mit der Gemeinde, dass der christliche Glaube, zu dem sie konvertiert sind, seine Menschlichkeit zeigt.

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