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Katastrophale Zustände in der Obersten Vöhde

RAUXEL Meik Horsthemke lässt sich vom Taxifahrer nie bis vor die Haustür bringen. "Ich schäme mich dafür, wo ich wohne", sagt der 24-Jährige. Er lebt in Nummer 108 der Wohnanlage Oberste Vöhde.

von Von Christoph Witte

, 23.07.2008

Anfang des Jahres wurde die Anlage mit ihren 150 Sozialwohnungen an die Hanseatic Group in Hildesheim verkauft. Der neue Eigentümer versprach damals, die 1992 errichtete Oberste Vöhde zu modernisieren. Ein halbes Jahr später ist davon nichts zu sehen. Im Gegenteil: "Das sieht hier schlimmer aus als je zuvor", schimpft Meik Horsthemke und bittet zum Rundgang.

Wasser dringt ein

Viele Wintergärten, der Stolz der Wohnanlage, sind marode. Die Holzverkleidungen verfaulen, Wasser dringt ein. "Erst gestern hatte ich den Regen fast bei mir im Wohnzimmer stehen", ärgert sich Horsthemke und zeigt auf die undichte Stelle in Fußbodennähe. "Repariert wird hier aber so gut wie nix. Erst nach wochenlangen Anrufen kommt überhaupt jemand raus und nimmt die Schäden auf." So auch den Schimmelbefall in seinem Badezimmer. "400 Euro habe ich schon für Antischimmelmittel ausgegeben. Was macht die Hausverwaltung? Die schicken einen Maler. Als ob das was brächte." Viele Reparaturarbeiten macht Horsthemke notgedrungen selbst, hat das Wissen, war schließlich mal als Hausmeister dort angestellt. Doch mit dem Eigentümerwechsel von der Bochumer UHB-Wohnungsgesellschaft zur Hanseatic wurde ihm gekündigt. "Weil ich angeblich nichts tun würde und Kinder belästigt hätte, dabei haben wir nur draußen gespielt."

Spielplatz ist größtes Sorgenkind

 Der Spielplatz ist das größte Sorgenkind. Seit Monaten sperrt ein Bauzaun das Klettergerüst ab. Der Holzturm steht schief. Einsturzgefahr. Besorgniserregender sei aber der Zustand des Sandes. "Einige Kinder haben schon Würmer vom Sand bekommen, weil er durch Tierkot verunreinigt ist", berichtet Meik Horsthemke. Gestern war eine Gartenbaufirma vor Ort, schüttete neuen Sand obenauf. "Das ist sicher nicht die richtige, aber die günstigste Lösung. Doch wenn der Kunde das so wünscht...", gesteht ein Arbeiter und zuckt mit den Schultern. Ein paar Meter weiter spielt Saskia (13) mit der kleinen Diana (1) bereits im neuen Sand. Die Kinder wissen um das Problem. "Aber wo sollen wir denn sonst hingehen?", fragt Saskia. "Hier ist sonst nichts in der Nähe."

Anwältin eingeschaltet

Auch Horsthemkes Bruder Walter wohnt seit Dezember in der Obersten Vöhde. Wohnung Nummer 84 sieht katastrophal aus. Der Vormieter hat so ziemlich jede Tür zerstört, einige fehlen ganz. Die Brüder haben inzwischen eine Anwältin eingeschaltet. "Im Fall Walter Horsthemke werden wir ab August die Miete kürzen", kündigt Rechtsanwältin Jutta Diekhues die nächsten Schritte an. Von der Hanseatic Group bekommt Meik Horsthemke nur Beschwichtigungen zu hören. Er wünscht sich alte Zeiten zurück: "Mit der UHB war es ganz anders. Da kam noch am selben Tag jemand raus." 

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