Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kinder werden Eltern häufiger entzogen

Jugendamt Castrop-Rauxel

CASTROP-RAUXEL Auch in der Europastadt wurden in jüngster Vergangenheit tendenziell mehr Kinder ihren Eltern entzogen. Im Gespräch mit dem Chef der städtischen Kinder- und Jugendförderung, Volker Hilgenstock, haben wir die Gründe erfragt.

von Von Michael Fritsch

, 03.08.2010
Kinder werden Eltern häufiger entzogen

Volker Hilgenstock, Leiter des Jugendamts, mit Mitarbeiterinnen.

Verzeichnete die Statistik für die Jahre 2005 und 2006 jeweils nur einen Fall in Castrop-Rauxel, schnellte die Zahl der Inobhutnahmen gegen den Willen der Eltern zum Wohl des Kindes 2007 auf elf hoch. 2009 waren es neun Fälle, in diesem Jahr bis zum gestrigen Tag fünf. "Das sind Fälle, wo nichts mehr geht: Wo man mit den Eltern nicht mehr sprechen kann, sie keine Vereinbarungen einhalten und eine objektive Gefahr für das Kind droht," formuliert Hilgenstock diesen Extremfall. Die letzte Entscheidung über den Sorgerechtsentzug treffe dann das Familiengericht.

Den Anstieg der Zahlen führt Hilgenstock auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen sei durch die spektakulären in den Medien aufbereitete Fälle die Sensibilität in der Bevölkerung gestiegen. Zum anderen gebe es objektiv häufiger soziale Problemlagen: Die Veränderung der Arbeitswelt habe dazu geführt, dass bestimmte Schichten keinen normalen Tagesablauf mehr hätten. Das übertrage sich auf die Kinder.

Dass die Leute viel genauer hinschauen als früher, ist eine These, die sich durchaus auch aus den Meldungen über angebliche oder vermeintliche Fälle von Kindesvernachlässigung oder -missbrauch an das Jugendamt ablesen lässt: Gingen 2007 45 Hinweise ein, so waren es 2008 bereits 66 und 2009 gar 88. In diesem Jahr verzeichnete das Jugendamt bereits 58 Anrufe. "Wir gehen dann sofort mit jeweils zwei Mitarbeitern raus und kontrollieren vor Ort", beschreibt Hilgenstock das weitere Vorgehen. Als besonders problematisch gelten Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund und Kinderreiche. Als besondere "Problemzonen" gelten Teile von Merklinde und Obercastrop sowie Deininghausen.

Lesen Sie jetzt