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Refugium - die Zuflucht für Esel und andere Tiere

Neu in CAS - Folge 13

Redakteur Tobias Weckenbrock ist der Neue in der Stadt und möchte Castrop-Rauxel kennenlernen. Er besucht Castrop-Rauxeler an den Orten, die ihnen am wichtigsten sind. Zum Abschluss hat er die Einladung von Elke Balz angenommen - in das Refugium für Tiere in Not.

CASTROP

, 28.01.2017

Drei Esel, neun Hunde, fünf Katzen, zwei Laufenten, einige Hühner, eine Frau, ein Mieter: Das ist das Refugium für Tiere in Not. Elke Balz ist die „Mutter“ des kleinen Tierparks, nur ein paar Dutzend steile Meter Fußweg von der Altstadt entfernt. Hochstraße 39a am Rande des Goldschmieding-Parks: Ich drücke am Tor auf die quietschgrüne Hupe. Ich bin unterwegs zu meiner letzten Einladung zu einem der 13 „wichtigsten Orte“ in Castrop-Rauxel.

Refugium, sagt Elke Balz, die in diesem ehrwürdigen Haus am Hang aufgewachsen ist, stehe für sie für Zuflucht. Genau das biete der kleine Verein, der in diesem Jahr zehn Jahre alt wird und dem sie selbst vorsitzt. Und zwar vor allem für alte und schwache, sie sagt „behinderte“ Tiere, die sonst keiner haben will. Mehr als 10.000 Euro an Tierarztkosten habe sie deswegen in einem Jahr – finanziert aus Spenden, von Sponsoren und den etwa 30 Mitgliedern des Vereins.

Schon früher hatte die Familie Stallungen

Tiere, die niemand haben will? Ich kann mir das kaum vorstellen beim Anblick dieser prächtigen Esel, die im unteren Teil des Gartens im Gehege rund um einen Stall herum Platz haben: Elfi, Emil und Balou. Eine alte Eselstute, erzählt Elke Balz, legte vor rund 30 Jahren den Grundstein für die Vereinsgründung 20 Jahre später.

Als Kind habe die Familie schon die Stallungen gehabt, in denen sie Nutztiere hielt – nach dem Krieg zur Verpflegung. Später hatte Balz noch Ziegen und Schafe, die aber alle an Altersschwäche starben. Als sie tot waren, sei sie ins Überlegen geraten: Den Garten zum Ziergarten umbauen, wie man das in der Nachbarschaft hat, mit langen Rhododendron-Büschen und langer Auto-Auffahrt? Nein, das war nicht ihrs.

Bekannter wollte Esel "vorübergehend" bei ihr abstellen

Da kam es ihr gelegen, dass „ein Bekannter eines Bekannten“ bei ihr „vorübergehend“ einen Esel aus seiner Herde abstellen wolle. Sie sagte zu, die Person habe nie wieder nach dem Esel gefragt, das Tier hingegen brachte ihr ein Fohlen.

So ging es los, damals, in den 80er-Jahren. Elke Balz war noch berufstätig. Als sie aber in Rente ging, da entschied sie sich, diesen Verein zu gründen. Heute lebt sie mit den Tieren zusammen, kümmert sich mit anderen Helferinnen und Helfern aus dem Verein. Der Mieter geht mit den Hunden raus, ein anderer füttert die Esel. „Wir haben auch nichts gegen Ratten und Mäuse“, erzählt Elke Balz. „Wir pflegen sie nicht, aber wir verfolgen und töten sie auch nicht. Durch die Katzen bei uns reguliert sich das von selbst.“

"Wir fordern ein Recht für das Leben aller Tiere"

Dieser Satz steht sinnbildlich für dieses Refugium, wo das Leben aller zählt. Viele Mitglieder des Vereins seien beim veganen Stammtisch dabei, der sich jeden letzten Freitag im Monat in der Agora in Ickern trifft – da, wo ich in Teil 3 dieser Serie war. Sie werteten das Leben von Tieren genauso hoch wie das eigene. Darum ist ihr Verein auch ein Tierrechts-, kein Tierschutzverein.

„Wir fordern ein Recht für das Leben aller Tiere – in erster Linie für die, die in unserer Gesellschaft zum Schlachten gezüchtet werden“, sagt Elke Balz. „Und ein Recht auf artgerechte Tierhaltung.“

Nach meinen Besuch im Refugium für Tiere in Not würde ich sagen: Hier geschieht genau das. Die Tiere sind frei, sie werden umsorgt; auch die schwachen.

Über die Serie
Als Neuer lerne ich diese Stadt kennen. Dabei habe ich die Leser gebeten: Helfen Sie mir: Nennen Sie mir Ihren wichtigsten Ort der Stadt. Dies ist der letzte Teil.

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