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Vom Glück der Finder

CASTROP-RAUXEL Sie sind auf der Jagd, greifen begierig nach dem, was andere aussortieren. Alte Dinge machen sie glücklich. Je mehr, umso besser. Sie nennen sich „Club der glücklichen Finder“, und wenn man mit ihnen spricht, merkt man, wie treffend ihr Vereinsname ist.

von Von Gabriele Regener

, 28.12.2007

Historische Grubenlampen aus dem Bergbau, alte Ansichtskarten vom Hebewerk, Blechspielzeug, Bücher oder Porzellan-Dackel, die Interessen sind unterschiedlich, doch bei der Suche sind sie unermüdlich. „Was liegt da näher als sich zusammen zu tun“, fragt Ralf Wibberg. Der 42-Jährige sammelt seit 30 Jahren. Zuerst alles, was mit dem Militär zusammenhing und alte Röhrenradios, später fast alles, was mindestens 30 Jahre alt war. Sein Laden „Trödellitäten“ an der Oberen Münsterstraße zeugt davon. Vor 15 Jahren hat er den Club gegründet und einige der rund 15 aktiven Sammler, die sich einmal monatlich zum Plausch und Tausch treffen, sind ebenso lange dabei.

Tauschen gehört dazu

Wie Walter Zbrozek, der ehemalige Bergmann von Zeche Victor 3/4. Obwohl er wegen einer Erkrankung vorzeitig in den Ruhestand ging, gehört sein Herz dem Bergbau. Genauer gesagt den Instrumenten, die Licht in die dunklen Stollen brachten. Zbrozek sammelt historische Grubenlampen. Rund 150 Exemplare hat er in seinem Haus verteilt. Eine Reihe schöner Lampen im Wohnzimmer, ein Großteil in Vitrinen in der Etage darüber. Schlichte Lampen von einfachen Bergleuten, noble Modelle, die den Steigern vorbehalten waren. Lampen, die mit einem Dynamo zum Leuchten gebracht wurden, Öllampen, Elektrolampen.

Vereint findet man mehr

Was doppelt ist, tauscht er. Zum Beispiel mit dem Clubkameraden Rudi Collet, der ebenfalls Grubenlampen sammelt. Und das macht die Philosophie des Vereins aus. Man „findet“ mehr, weil die anderen mitsuchen. Wer über einen Trödelmarkt schlendert, hat die Sammelgebiete der Clubmitglieder im Hinterkopf. Das Buch könnte Paul Reding interessieren, die alte Ansichtskarte wäre was für Bernd Weichhaus und der Dackel ergänzt die Sammlung von Monika Zbrozek. Denn die – eine von zwei Frauen im Club – ist im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hund gekommen. Den Dackel. Scharenweise bevölkert das Tier, angefangen bei winzigen Miniaturen aus Glas bis hin zum dicken Tondackel, Vitrinen und Regale. Und es werden immer mehr.

Trödelladen für alte Dinge

Am weitesten hat Ralf Wibberg seine Sammelleidenschaft getrieben. Schon seit Jahren betreibt der Trödler und hauptberufliche Koch einen Laden für liebenswerte alte Dinge. Zugleich ist das Geschäft Treffpunkt für Gleichgesinnte, Infobörse und Umschlagplatz für alte Schätzchen. Ein paar Schätzchen bringen die Clubmitglieder zu den regelmäßigen Treffen in der Henrichenburger Gaststätte mit. Da wird dann eine Art „Gabentisch“ aufgebaut, da kann getauscht und gefeilscht werden.

Clubabzeichen sind Unikate

Aber an eins sollten alle Mitglieder denken, sonst wird es teuer, erzählt Ralf Wibberg. An das Clubabzeichen. Diese Anhänger aus echtem Silber hat Clubmitglied Roger Schmidt in Ägypten eigens für die glücklichen Finder anfertigen lassen. Der Schriftzug des Vereinsnamens, darunter das Wappen der Europastadt und eine Nummer (gibt es von 1 bis 25) machen die Stücke zu Unikaten. Kann man es nicht vorzeigen, wandert ein Euro in die Clubkasse. Mit regelmäßigen Beiträgen sorgen die Sammler dafür, dass alle zwei Jahre genug Geld für einen Ausflug vorhanden ist. Wie im letzten Sommer. Da fuhren die glücklichen Finder nach Leipzig, um auf dem dortigen Riesen-Trödelmarkt zu stöbern. Und auch im Harz waren die Trödlerläden vor ihnen nicht sicher. Ein Ende der Sammelleidenschaft ist nicht in Sicht. 

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