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Was ist dran an diesen Demo-Plänen für Karfreitag?

Protest gegen Tanzverbot angekündigt

„Die Partei“ will wohl für die Trennung von Staat und Kirche protestieren: Am anstehenden Karfreitag will eine Gruppe von Castrop-Rauxelern offenbar eine eiserne Regel brechen und das Tanzverbot brechen. Erwartungsgemäß machen ihr die Behörden einen Strich durch die Rechnung. War das kalkuliert?

Castrop-Rauxel

, 29.03.2018
Was ist dran an diesen Demo-Plänen für Karfreitag?

Der Hauptbahnhof in Rauxel: Ob hier am Freitag um 18 Uhr eine Tanz-Demo startet, ist offen. © Foto Thomas Schroeter

Karfreitag ist einer der vier „Stillen Feiertage“ im Jahr. Das regelt das Gesetz des Landes NRW über die Sonn- und Feiertage. Der Karfreitag ist der strengste, Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag sind die anderen drei.

Marcus Liedschulte, der im Ortsverband der „Partei“ mitmischt, hat die Initiative im Internet-Netzwerk Facebook ergriffen und oft geteilt. Etwas über 100 Personen haben dort ihr Interesse an einer Teilnahme angekündigt - aber was das heißt, ist vollkommen offen.

Von 18 bis 22 Uhr sollte unter dem Motto „Jesus is a dancer!“ ein Zeichen für die Trennung von Staat und Kirche gesetzt werden. „Karfreitag lässt sich das Land sakral sedieren“, heißt es. Man wolle sich um 18 Uhr am Bahnhof treffen und die „Abschlusskundgebung“ am Leoplatz machen.

„In diesem Fall wäre sie auch nicht genehmigungsfähig“

Eine öffentliche Kundgebung, die ein Veranstalter bei der Stadt bzw. der Polizei anmelden müsste. Geschehen war das anfangs nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte Sprecherin Nicole Fulgenzi vergangene Woche mit: „In diesem Fall wäre sie auch nicht genehmigungsfähig.“ Die Veranstaltung sei nach Paragraf 6, Absatz 3 des Gesetzes verboten. Darin sind alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz sowie musikalische und unterhaltende Darbietungen in Gaststätten genannt. Sie gelten für Karfreitag bis zum nächsten Morgen, 6 Uhr.

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An Karfreitag sind auch nicht öffentliche unterhaltende Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen untersagt – und die Vorführung von Filmen, die das Kultusministerium nicht eigens freigegeben hat.

Die Diskussion um diese Kundgebung bei Facebook ist intensiv und lang. Von Respekt vor der christlich-abendländischen Kultur und dem Treten dieser Werte mit Füßen ist auf der einen Seite die Rede; von einer Forderung, dass Christen Toleranz gegenüber Nichtchristen zeigen müssten, auf der anderen. Ob die Kundgebung wirklich stattfindet: offen.

Polizei hat Veranstaltung verboten - nun Klärung vor Gericht?

Am Gründonnerstag nun berichteten die Ruhrbarone in ihrem Blog, dass die Polizei die Veranstaltung verboten habe. Auch Nachfrage unserer Redaktion bei der Leitstelle am Donnerstagnachmittag bestätigte ein Sprecher diese Meldung, ergänzte aber, dass der Veranstalter inzwischen eine neue Versammlung angemeldet habe - mit etwas weniger Lautstärke und weniger Tanz, hieß es vonseiten der Polizei. „Über diese Anmeldung muss jetzt neu entschieden werden“, erklärte ein Polizeisprecher. Dazu gebe es eine eigene Stelle in der Kreispolizeibehörde.

Ob die Tanz-Demo am Karfreitag stattfindet? Es ist offen. Ganz sicher aber wird die Polizei ein Auge darauf haben. Organisator Marcus Liedschulte teilte via Facebook mit, dass man am Donnerstag einen Anwalt beauftragt habe, um die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Veranstaltung vor dem Verwaltungsgericht zu klären. In anderen Städten, unter anderem Köln und Stuttgart, seien Tanzdemos erlaubt worden.

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Dazu ein Kommentar von unserem Redakteur Thomas Schroeter:

Reine Provokation

Provokation. Das ist der einzig erkennbare Sinn hinter dem Tanz-Theater. Satire, der sich die „Partei“ verschrieben haben will, kann ich darin nicht erkennen. Einen Nutzen auch nicht. Denn die Diskussion um das Tanzverbot ist alt, hat schon lange einen Bart. Langweilig. Und bis heute nicht mit Sinn gefüllt. Am Bahnhof oder am Leo kann man jeden Tag tanzen. Es tut aber niemand. Warum dann am Karfreitag? Reine Provokation von Christen. Denn am Volkstrauertag will offenbar niemand tanzen.

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