Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Cellist Jan Vogler macht in Amerika Karriere

New York (dpa) Wie viele Flugmeilen der Cellist Jan Vogler (44) in den letzten Jahren zurücklegte, lässt sich kaum ermitteln.

Cellist Jan Vogler macht in Amerika Karriere

Cellist Jan Vogler in Dresden im Büro der Musikfestspiele vor eine Plakat.

Seit 1998 pendelt er auf den 6480 Kilometern zwischen Dresden und New York, wo er in der Upper Westside - dem Viertel mit der höchsten Dichte an «klassischen» Musikern - einen Zweitwohnsitz hat. Der gebürtige Berliner ist eine Art Global Player auf dem Cello. Die Auftrittsorte heißen Tokio, Singapur oder Eisenhüttenstadt. Auch für Konzerte abseits großer Bühnen ist er sich nicht zu schade.

Vogler verkörpert den Interpreten und Musikmanager der Neuzeit: erstklassig ausgebildet, gut vernetzt, offen für neue Trends, charmant und selbstbewusst. Auch in der neuen Welt ging es steil nach oben. Schon im ersten New Yorker Jahr spielte Vogler in der Carnegie Hall Beethoven-Sonaten. 2004 debütierte er bei den Philharmonikern: «Wenn man instinktiv eine Entscheidung trifft, folgt oft die richtige Energie», sagt der Künstler. In New York gebe sich die Musikszene die Klinke in die Hand, ohne dass viel Aufhebens davon gemacht werde.

Als Sprössling einer Musikerfamilie hat Vogler eine Bilderbuch- Karriere hingelegt. Noch während des Studiums an der Musikhochschule Berlin trat er die begehrteste Stelle an, die ein Mann seines Fachs zu DDR-Zeiten bekommen konnte. Vogler wurde Solo-Cellist der Staatskapelle Dresden. «In dieser Zeit habe ich meine musikalischen Ressourcen aufgebaut. Alles, was mir in Dresden zu Füßen lag, die Gemäldegalerie, das Repertoire der Semperoper, die Klangkultur der Staatskapelle - das alles konnte ich aufsaugen wie ein Schwamm.»

Einen ähnlichen Schub brachte der Umzug nach New York. Die USA hatte Vogler schon bei Tourneen der Staatskapelle und ab 1988 als Gast des berühmten Marlboro-Festivals kennengelernt. Im vierten Marlboro-Sommer lernte er seine Frau Mira Wang kennen, eine aus China stammende Geigerin. Zwei Töchter - inzwischen 8 und 5 Jahre alt - komplettieren das Familienglück. Die Mädchen wachsen dreisprachig auf. «Die Ältere geht davon aus, dass alle Menschen ein Instrument spielen, weil uns so viele Musiker zu Hause besuchen», erzählt Vogler.

Das Aufwachsen in einer musikalischen Familie, die Dresdner Jahre und den Sprung nach New York empfindet Vogler als Dreiklang. Zwischen dem Reiz neuer Aufgaben und dem Wunsch nach Kontinuität gibt es für ihn keinen Widerspruch. Deshalb verwundert es nicht, dass 2009 wieder ein neues Amt in der alten Heimat folgt. Als Intendant der Dresdner Musikfestspiele sieht er die Chance, «ein Stück Musikgeschichte mitzuschreiben». Das spielte schon 1993 eine Rolle, als Vogler das heute renommierte Moritzburg Festival für Kammermusik mitbegründete.

Bei seinen ersten Musikfestspielen in Dresden (20. Mai bis 7. Juni) spannt Vogler nun einen Brücke zwischen Elbe und Hudson. Unter dem Titel «Neue Welt» sind viele Künstler aus New York zu Gast, darunter das in Deutschland noch kaum bekannte Ensemble «The Knights». Die «Ritter» hat Vogler im früheren Jazzclub Village Gate ausfindig gemacht. Harmonie stellte sich schnell ein. Unlängst spielten sie gemeinsam Schostakowitschs Cello-Konzert, genauso wie den Antikriegssong «Machine Gun» von Jimi Hendrix.

«Die Klassik verändert sich sehr stark, die Suche des Publikums geht nach Authentizität, nach dem Live-Gefühl», sagt Vogler. Dass die Klassik in der Krise sein soll, sei «großer Quatsch». «Die Zahlen sagen etwas anderes. Da kommen immer mehr Leute.» Allerdings sei ein Musiker nun anders gefordert. Er müsse sich um das Publikum kümmern, vor allem um das junge. «Der Interpret von heute ist kein Künstler, dem man nur zeigt, wo die Bühne ist und der nach dem Konzert wieder im Hotel vor dem Fernseher hockt. Das ist heute out.»

An den «Knights» hat Vogler Stilbewusstsein ausgemacht. Sie würden eine Aufführungspraxis für verschiedene Stile pflegen und könnten Bach nach alter Tradition genauso spielen wie ein Hendrix-Stück, «das auch nach Jimi Hendrix klingt». Eine solche Vielfalt sieht Vogler als neues Element der Musikszene. Es gehe nicht darum, Authentisches zu vermischen. «Viele junge Künstler kennen heute die Stilistik des 18. Jahrhunderts. Sie wissen aber auch, wie man Weltmusik oder Jazz spielt. Das ist vielleicht der Interpret des 21. Jahrhunderts.»

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Bühne

Katarzyna Kozielska fühlt sich oft nackt bei Bühnenarbeit

Stuttgart (dpa) Frauen gibt es unter den Ballettchoreographen vergleichsweise wenige. Am Stuttgarter Ballett hat die Tänzerin Katarzyna Kozielska eine mögliche Erklärung dafür. An diesem Freitag zeigt sie ihr neues Stück.mehr...

Bühne

Wolfgang Wagner lenkt im Nachfolgestreit ein

Bayreuth (dpa) Mit der Lösung hatten Viele am wenigsten gerechnet - nun scheint sie die wahrscheinlichste: Die Geschicke der Bayreuther Festspiele lenkt schon bald möglicherweise ein Damen-Duo.mehr...

Bühne

Simone Young setzt den «Ring» fort

Hamburg (dpa) Nach dem erfolgreichen Start mit dem «Rheingold» setzt Hamburgs Opernintendantin Simone Young Wagners «Ring»-Zyklus in der kommenden Saison mit der «Walküre» fort.mehr...

Bühne

Wagner lenkt im Nachfolgestreit ein

Bayreuth (dpa) Mit der Lösung hatten Viele am wenigsten gerechnet - nun scheint sie die wahrscheinlichste: Die Geschicke der Bayreuther Festspiele lenkt schon bald möglicherweise ein Damen-Duo.mehr...

Bühne

Kraftvolle Rockoper um Liebe, Hass und späte Reue

München (dpa) Liebe und Hass, Habgier und Herrschsucht, Rache und Mord, späte Reue und Suche nach Erlösung: Die neue Rockoper «ChristO» mit der deutschen Rockband Vanden Plas zeigt die ganze Palette theatraler Gefühle.mehr...