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Charly Wagner war 25 Jahre lang die Stimme des BVH

Das Sportporträt

Fußball hat viele Facetten. Und es gibt Sportanlagen, die besucht man mit einem ganz besonders guten Gefühl.

HOLSTERHAUSEN

von Von Klaus Rosenkranz

, 18.06.2012

Das kann daran liegen, dass persönliche Sympathie für die Mannschaft eine wesentliche Rolle spielt, dass das Team einen ganz besonders flotten Kick auf die Wiese zaubert, dass ein Spieler ausgesprochen elegant mit dem Leder umzugehen weiß oder aber, dass beispielsweise die Würstchen ganz besonders gut schmecken. Wenn man in den letzten 25 Jahren den Waldsportplatz in Holsterhausen besucht hat, um den BVH Dorsten zu beobachten, dann hatte man schon vor dem Kassenhäuschen ein positives Gefühl, denn die unverkennbare Stimme von Stadionsprecher Charly Wagner beschallt nicht nur den Platz, sie vermittelt auch etwas Warmes, Freundliches, für manch einen schaffte sie gar Identität mit dem Verein. BVH Dorsten und Charly Wagner – das war für ein Vierteljahrhundert einen Einheit. Am Sonntag „sprach“ Wagner sein letztes Spiel.

Das kleine Sprecherhäuschen war viele Jahre so was wie ein angesagter Treffpunkt. Wer Neuigkeiten über den BVH erfahren wollte, der schaute bei Charly Wagner vorbei. Der hatte nicht nur die aktuelle Aufstellung, er wusste auch um aktuelle Entwicklungen („Wir kriegen jetzt doch eine Tribüne“), kannte die Wehwehchen der Spieler („ ... der hat sich beim Kohlenholen im Keller verletzt“) und war natürlich immer auf dem Laufenden, wenn es um die Gesamt-Dorstener Wechselbörse ging. Nun ist für Charly Wagner Schicht am längst geschlossenen Schacht. Und er geht mit ein wenig Wehmut. Die es übrigens auch bisweilen in seiner Musik gab, denn die CD’s, die für Kurzweil sorgten, brannte er selbst. „Ich habe immer meine eigene Musik zusammengestellt“, erzählt er. Charly, das bedurfte keiner speziellen Erwähnung.

Besondere Erlebnisse am Mikrofon? „Ach“, sagt er, „am schönsten war es immer, wenn ein Spiel in der Schlussphase noch mal kippte. Ich kann mich an eine Partie erinnern, da ging die Hardt mal in der 89. Minute in Führung. Und im Gegenzug haben wir den Ausgleich gemacht. So was hat Spaß gemacht.“ Und dann hatte Wagner auch so etwas wie Pathos oder Stolz bei der Ansage in der Stimme. Er hat ein paar Spielergenerationen erlebt, BVH-Mythen wie die Nabrotzki-Brüder auf den Platz geleitet, hat Vater und Sohn Keiner begrüßt, hatte Bundesligisten vor dem Mikro, aber eben auch A-Ligisten. Und hat sie alle mit der gleichen, durchaus fröhlichen Sachlichkeit empfangen. Dass der gelernte Chemie-Meister dabei natürlich jede Menge Fußball-Fachwissen transportierte, versteht sich von selbst. Und sein soziales Engagement dokumentierte er mit seinen Hobby-Fußballern der Flotten Hirsche, mit denen er alljährlich ein Turnier zugunsten der Haldenwang-Schule ausrichtete. Jetzt, mit fast 65 Jahren, hängt er das Mikrofon an den Haken. Trotzdem, die „Stimme des BVH“ wird Charly Wagner bleiben. 

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