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Chef-Archäologin des LWL geht in den Ruhestand

WITTEN Den wohl schönsten Augenblick im Leben einer Archäologin, den erlebte Dr. Gabriele Isenberg bei ihrer Grabungstätigkeit am Haus Herbede in Witten. Jetzt trat die 65-jährige Chef-Archäologin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in den Ruhestand.

von Von Lisa Timm

, 30.07.2008

Als ein Mitarbeiter der Direktorin mitteilte, man sei auf einen Blecheimer gestoßen, „da ahnte ich schon so was“, erinnert sich die gebürtige Hattingerin noch lebhaft an die Grabungen, die von 1985 bis 1989 in dem einstigen Herbeder Herrensitz stattfanden.

Gabriele Isenberg schwärmt noch heute davon: „Was dann zutage trat, war ein so außergewöhnlicher Fund, wie er selten gemacht wird.“ Für die Archäologin öffnete sich ein wahres Schatzkästchen, denn die Stücke, die dann ans Licht befördert wurden, waren äußerst selten und legten Zeugnis ab von der kriegerischen Lebensweise der Bewohner des im 13. Jahrhundert erbauten Hauses. Der Blecheimer entpuppte sich als durchlöcherter Brustpanzer und nach und nach stellte sich heraus, dass es sich um das Inventar einer Rüstkammer handelte. „Das war sehr ungewöhnlich, da Waffen unter den Bodenfunden sehr selten sind“, weiß Gabriele Isenberg. Diesen Umstand verdankten die Archäologen einem katastrophalen Brand, der um 1500 im Haus Herbede gewütet haben musste.

Dadurch warf man beim Wiederaufbau offenbar viele Gegenstände, die angekokelt waren – wie Werkzeuge, Hausrat, Geräte und Waffen – in die Kellereinfüllung. „So war die Katastrophe von damals für uns ein Glücksfall“, freut sich Dr. Isenberg. Die Funde sind heute alle im LWL-Museum für Archäologie in Herne ausgestellt. Bemerkenswert darunter ist auch der Fund von wenigstens zehn Schlössern mit zum Teil sehr verschiedenen Schließmechanismen. Weitere Fundstücke lassen den Rückschluss zu, dass sich einst eine Zugbrücke am Haus Herbede befunden haben muss.

Gabriele Isenberg erinnert sich noch an das Entfernen der groß gemusterten Tapeten aus den 60er Jahren im Haus Herbede, wo plötzlich ein Tür-Mal nach dem nächsten zum Vorschein kam. „Das zeugte von einer regen Umbautätigkeit im Laufe der Jahrhunderte“, weiß die Archäologin, die sich besonders über die eingemeißelten Jahreszahlen in der Türrahmung freute. Was die Datierung natürlich vereinfachte.

„Aber meistens waren es Türen ins Nirgendwo“, erinnert sich Dr. Isenberg, für die sich auch eine weitere Grabung in Witten eingeprägt hat. „Das war die Außenstelle des KZ Buchenwald in Annen, wo hochqualifizierte Fremdarbeiter zur Herstellung des in Witten gefertigten Rüstungsstahls unter menschenunwürdigen Verhältnissen untergebracht waren.“ Das war die erste Grabung in einem KZ überhaupt“, sagt Dr. Gabriele Isenberg.