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Mittleres Beben in Zwillingstürmen

Chefs der Deutschen Bank treten zurück

Frankfurt/Main Libor-Skandal, umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA, Untersuchungen wegen Geldwäscheverdachts in Russland, maue Erträge, Aktionärsschelte und ein Strafprozess: Die Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, haben keinen leichten Stand. Jetzt kündigten sie überraschend ihren Rücktritt an. Ein Paukenschlag.

Chefs der Deutschen Bank treten zurück

Verzerrt spiegelt sich in Frankfurt das Logo der Deutschen Bank in einer Glasfassade. Foto: Frank Rumpenhorst

Die beiden Topbanker, die seit Juni 2012 Deutschlands größtes Geldhaus gemeinsam führen, treten überraschend ihren Rückzug an. Jain tritt bereits Ende des Monats zurück. Fitschen nach der Hauptversammlung im Mai 2016. Neuer starker Mann wird der Brite und frühere UBS-Manager John Cryan.

Über die genauen Gründe für den Paukenschlag lässt sich nur mutmaßen. Jain selber erklärt: «Mit der Strategie 2020, die die Bank auf einen erfolgreichen Weg bringt, ist es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren». Dabei hatte 52-Jährige beim jüngsten Vorstandsumbau noch mehr Macht erhalten.

"Niemand ist unersetzbar"

Noch vor wenigen Wochen hatte Jain Fragen nach persönlichen Konsequenzen angesichts der nicht endenden Rechtsstreitigkeiten gekontert: «Das Beste, was ich tun kann, ist, die Probleme der Bank zu lösen, sie neu aufzustellen und ihre Leistung zu optimieren.» Zuvor hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner betont, dass niemand unersetzbar sei: «Wer ist das schon? Es geht um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen.»

Nach Informationen der «Financial Times» soll für Jain auch das verheerende Votum der Aktionäre auf der Hauptversammlung Ende Mai eine Rolle gespielt haben. Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mit mindestens 90 Prozent erheblich mehr.

Straf-Zahlungen von 2,5 Milliarden Dollar

Jain war über Jahre Leiter des Kapitalmarktgeschäfts und damit der Sparte, in der die meisten teuren Altlasten der Bank ihren Ursprung haben. Erst kürzlich hatten britische und amerikanische Behörden die Bank wegen ihrer Verwicklungen in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze zu einer Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert.

Zuletzt sorgten Ermittlungen wegen zweifelhafter Finanztransaktionen in Russland für Aufregung. Medienberichten zufolge durchleuchtet das Geldhaus Transaktionen über möglicherweise rund 6 Milliarden Dollar. Dabei steht der Verdacht der Geldwäsche im Raum.

Hinzu kommt: Statt Applaus für die neue Strategie kassierten Jain und Fitschen Kritik von allen Seiten. Nach der Vorstellung der Pläne, die einen Verkauf der Postbank und die Schließung von bis zu 200 eigenen Filialen vorsehen, stürzte der Aktienkurs ab. Auf der Hauptversammlung machten auch Profi-Investoren ihrem Unmut Luft.

Verfahren wegen Prozessbetrug

Fitschen muss sich zudem derzeit in München vor dem Landgericht wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren verantworten. Das kostet viel Zeit und Kraft und ist nicht gerade gut für das angekratzte Image der Bank.

Der neue Co-Chef und künftige starke Mann in den Zwillingstürmen, der Brite John Cryan, betont: «Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren». Branchenkenner bescheinigen dem 54-Jährigen, in seiner Zeit als Manager bei der Schweizer Großbank UBS erfolgreich Strategien umgesetzt zu haben.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist sich sicher, den Richtigen gefunden zu haben, um die Bank wieder auf Kurs zu bringen: «Cryan verfügt nicht nur über große Erfahrung im Bank- und Finanzgeschäft, sondern steht persönlich und beruflich für die Werte, die nötig sind, die Deutsche Bank voranzubringen und die Strategie 2020 erfolgreich umzusetzen».

Aktionärsschützer reagieren jedenfalls positiv: «Die Investoren haben kein Vertrauen mehr zu Anshu Jain und Jürgen Fitschen gehabt», sagte Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem «Tagesspiegel». Es sei daher nur konsequent, dass es jetzt einen Wechsel an der Spitze gebe.

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