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"Co-Starring": Eine ganze Pubertät an einem Tag

Schauspielhaus

"Co-Starring" im Schauspielhaus ist vielleicht nicht das Allheilmittel gegen Pubertätsleiden. Dennoch kann die Inszenierung durch ihre deutlichen Worte, ihre rasante Erzählweise und ihre Unmittelbarkeit möglicherweise bei der Zielgruppe etwas bewirken.

BOCHUM

, 04.12.2015
"Co-Starring": Eine ganze Pubertät an einem Tag

Tim-Fabian Hoffmann und ein pubertärer Tag, der aus dem Ruder läuft.

Wie soll es einem schon gehen, wenn man von einem Tag auf den anderen in die Wirren der Pubertät katapultiert wird? Mit „Co-Starring“ stellt Regisseurin Martina van Boxen schonungslos dar, wie ein Jugendlicher plötzlich die Kontrolle über den eigenen Körper, die Gefühle und vor allem die Handlungen verliert.

Damit hatte Co nicht gerechnet: Morgens wacht er auf, hat riesige Pickel, spürt seinen Körper auf neue Weise und mitten im Stimmbruch ist er auch noch. Die Geschichte von Co scheint nur eine von vielen Geschichten zu sein, die vom Erwachsenwerden erzählen. Man sollte meinen, darüber sei bereits genug geschrieben worden. Doch der niederländische Autor Theo Fransz macht alles anders. Der Tag, den der Zuschauer mit Co erlebt, ist der erste und zugleich der letzte Tag seiner Pubertät. So absolut komprimiert auf eine so kurze Zeitspanne erscheint die Pubertät plötzlich in einer ganz anderen Dimension. Was einem Teenager sonst über mehrere Monate oder Jahre hinweg passiert, muss die Figur des Co alles an einem Tag meistern.

Mitten im Leben

Im Theater Unten sitzen die Zuschauer mitten auf der Bühne. Kleine Hocker verteilen sich über den ganzen Raum. Alle starren den Erzähler (Tim-Fabian Hoffmann) an, der wild umherspringt und nicht selten buchstäblich zwischen den Stühlen sitzt. Hoffmann berichtet so eindringlich von dem einen Tag im Leben von Co, dass der Zuschauer gar nicht umhin kommt, anzunehmen, er stelle auch gleichzeitig die Figur da. Dabei hätte eigentlich schon ein Blick auf die Besetzungsliste gereicht, um zu vermuten, dass Hoffmann nicht Co, sondern nur Freund, Zeuge und Begleiter ist. Co scheitert an seiner Pubertät – und zwar so sehr, dass es ihn aus dem Leben katapultiert. Wie jeder Teil dieser Geschichte ist auch das Ende dieses Tages maßlos überspitzt dargestellt. Zumindest mag das für den nicht-pubertierenden Zuschauer so erscheinen. Denn dass Co spontan die Liebe seines Lebens im Bus erscheint, mag für Teenager mit Hang zur Theatralik durchaus gerechtfertigt sein.

Heikle Themen

Schonungslos spricht die Inszenierung all das an, worüber Teenager zwar nachdenken, aber ungern reden wollen: Erektionen, Selbsttötung und Liebe. Das alles bringt Hoffmann auf so verschmitzt-sympathische Art und Weise rüber, dass ihm bei den Schulvorstellungen die Mädchenherzen zufliegen dürften. „Co-Starring“ ist definitiv eine starke Inszenierung, die in ihrer Deutlichkeit und Drastik Seltenheitswert hat. Ob sie durch die Pubertät helfen kann, werden die kommenden Vorstellungen zeigen. 

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