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Teilnehmer haften für Unfälle

"Cold Water Challenge" endet mit tödlichem Unfall

Isselburg Im Münsterland hat eine "Cold Water Challenge" ein tödliches Ende genommen. Ein Bagger kippte unter der Last von 2000 Litern Wasser um, ein Familienvater wurde von der Schaufel erschlagen. Feuerwehren warnen inzwischen vor dem Wasserwettbewerb, denn für Schäden haften die Teilnehmer selbst.

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Feuerwehrleute versuchen einen Radlader zu bergen, der am Dienstagabend auf einem Feld in Isselburg liegt. Ein Mann ist bei der Feier eines Kegelclubs im Münsterland von einer mit 2000 Liter Wasser gefüllten Baggerschaufel erschlagen worden. Fünf Menschen wurden teils schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Ein Radlader liegt auf einem Feld in Isselburg.

Auf dieser Bank saßen die Männer, dann kippte der Bagger.

Wenn Feuerwehrleute zur Kamera greifen, um sich gegenseitig in Unterhosen, Schwimmflügeln, Planschbecken oder Waschstraßen zu filmen, steckt häufig ein ziemlich skurriler Wettkampf dahinter. Als „ColdWaterChallenge“ (dt. ungefähr: Herausforderung mit kaltem Wasser) erfasst der Trend in diesem Sommer nicht nur Feuerwehren. Immer mehr Feuerwehren, Kegelklubs, Spielmannszügen oder Schützenvereine in der Region entdecken den Wettkampf für sich. Ganze Mannschaften und Klubs springen gleichzeitig in kaltes Wasser, lassen sich damit übergießen oder denken sich andere Arten des "Nassmachens" aus.

So entstehen teils absurde Videoclips, die im Internet Tausende Male geklickt werden: Feuerwehrmänner „retten“ einen Gummiwal aus einem Baggersee, sie „fahren“ im Schlauchboot durch eine Autowaschanlage oder bringen einen Kollegen auf einer Trage mit einem Löschwasserstrahl ins Rotieren. Anschließend wird der befreundete Nachbarverein "nominiert", die "Cold Water Challenge" ebenfalls durchzuführen.  Im Internet finden sich Hunderte Videos davon, es gibt kaum einen Verein, der bisher nicht nominiert wurde. Ein Kegelklub aus Isselburg im Kreis Borken wollte laut Polizei am Dienstagabend seine ganz eigene Version der "Cold Water Challenge" durchführen - mit tragischem Ende.

Die Klubmitglieder haben sich demnach für den Dienstagabend etwas Besonderes ausgedacht, 15 Kegelfreunde im mittleren Alter haben eine Bierzeltgarnitur auf einem abgeernteten Feld aufgestellt, dort soll wenig später ein Bagger mit Teleskoparm anrollen, dessen Schaufel vorher mit 2000 Litern Wasser gefüllt wurde. Das Ziel: Das Wasser soll aus sechs Metern Höhe auf die Party-Gesellschaft regnen. Gegen 20.14 Uhr ist es soweit: Der Bagger steht bereit, rollt - von einem 36-Jährigen gesteuert - an die Bierzeltgarnitur heran, hebt die Schaufel in die Höhe - und kippt plötzlich nach vorne. Die Baumaschine verliert die Balance, die Schaufel schlägt auf dem Bierzelttisch auf, nur acht der vierzehn Klubmitglieder können sich retten, die anderen werden von der schweren Schaufel erwischt.

Fünf Klubmitglieder im Alter zwischen 32 und 36 Jahren kommen schwer verletzt ins Krankenhaus, ein 34-Jähriger Familienvater aus Isselburg wird tödlich verletzt. Die Rettungskräfte konnten ihm nicht mehr helfen. Das Video vom Unglücksabend in Isselburg wurde von der Polizei beschlagnahmt und wird nun ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Leichnam sollte im Laufe des Mittwochs in der Gerichtsmedizin obduziert werden.

Nach tödlichem Unfall in Isselburg

Cold Water Challenge: Wulfener Trecker war sicher

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Der verhängnisvolle Videodreh mit Baggern ist beliebt, auch Feuerwehrmänner aus dem hessischen Hochheim ließen bei ihrer „Challenge“ Wasser aus einer Schaufel über sich ausschütten. Im nordhessischen Spangenberg spritzten sich die Feuerwehrmänner mit Schläuchen nass, in Darmstadt hüpften Brandlöscher in ein Wasserbecken - in voller Montur. In Gudensberg holte die Feuerwehr ein Faltbecken aus dem Lager, sie füllte es mit Wasser und Badeschaum und feierte einen „Badetag in der großen Badewanne“. Die Dusche hatte die Truppe auf einer Drehleiter mit einem Hohlstrahlrohr installiert. 

Das Problem: In den vergangenen Wochen wurden die Jux-Videos immer verrückter, teilweise wurde auch die Dienstausrüstung benutzt. Deshalb wuchs die Kritik. In Dorsten zum Beispiel ließen Feuerwehrchef und Stadtverwaltung die Videos ihrer Freiwilligen Feuerwehr löschen. Im saarländischen St. Wendel warfen Feuerwehrchef und Vorstand nach einem Video der Löschtruppe das Handtuch. Der Bürgermeister hatte kritisiert, dass die Männer unerlaubt mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs gewesen waren.  Eine „Challenge“ könnte für die Herausgeforderten auch zu einem teueren Spaß werden: Die Feuerwehr stuft die Aktionen als „unzulässige Gefährdungen“ mit hohem Risiko ein. Für Sabine Longerich von der Unfallkasse Hessen hängt die Art des Versicherungsschutzes deshalb davon ab, ob eine Aktion der Feuerwehr ein Privatvergnügen ist oder ein Einsatz. Letzteres wäre zum Beispiel der Fall, würde eine „Challenge“ von der Leitung angeordnet.

Daher kommt die Cold Water Challenge:






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Feuerwehrleute versuchen einen Radlader zu bergen, der am Dienstagabend auf einem Feld in Isselburg liegt. Ein Mann ist bei der Feier eines Kegelclubs im Münsterland von einer mit 2000 Liter Wasser gefüllten Baggerschaufel erschlagen worden. Fünf Menschen wurden teils schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Ein Radlader liegt auf einem Feld in Isselburg.

Auf dieser Bank saßen die Männer, dann kippte der Bagger.

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