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Commerzbank wegen Finanzkrise mit Gewinneinbruch

Frankfurt/Main (dpa) Weitere Millionen-Belastungen aus der Finanzkrise haben der Commerzbank erneut einen Dämpfer verpasst - doch angesichts eines Rekordquartals bei Privat- und Geschäftskunden sieht sich Deutschlands zweitgrößte Bank für 2008 auf Wachstumskurs.

Commerzbank wegen Finanzkrise mit Gewinneinbruch

Blick auf das Firmenschild der Zentrale der Commerzbank. (Archivfoto)

«Wir kommen operativ sensationell gut voran», sagte Finanzvorstand Eric Strutz am Mittwoch während einer Telefonkonferenz. Der Juli sei extrem gut gelaufen: «Über das dritte Quartal können wir uns bisher eher freuen», sagte Strutz. Allerdings hält das Commerzbank- Management die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten noch nicht für völlig ausgestanden und weitere Belastungen für möglich.

Im zweiten Quartal musste die Commerzbank auf die verschiedenen von der Finanzkrise belasteten Wertpapiere noch einmal Abschreibungen in Höhe von 170 Millionen Euro vornehmen - nach 244 Millionen Euro im ersten Quartal. Insgesamt brachte die Krise dem DAX-Konzern damit seit ihrem Ausbruch vor gut einem Jahr Belastungen bei sogenannten strukturierten Wertpapieren von knapp einer Milliarde Euro. Zudem kletterten die Rücklagen für faule Kredite kräftig: Die Bank konnte einen Kredit in der gewerblichen Immobilienfinanzierung nicht an andere Investoren weiterreichen und musste ihn abschreiben. Daraus resultierte eine Belastung der Risikovorsorge von 250 Millionen Euro.

In der Folge brach der operative Gewinn im Zeitraum April bis Ende Juni wie schon im ersten Quartal ein: Das Vorsteuerergebnis hat sich auf 484 Millionen (Vorjahreszeitraum: 1,08 Mrd) Euro mehr als halbiert. Eine Steuergutschrift in Höhe von 386 Millionen Euro rettete unter dem Strich aber die Quartalsbilanz: Der Überschuss lag mit 817 Millionen Euro um 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Im gesamten ersten Halbjahr verbuchte der Konzern 1,097 (1,377) Milliarden Euro Überschuss.

Der Mitte Mai angetretene Vorstandschef Martin Blessing versicherte in einem Brief an die Aktionäre: «Wir sind sowohl für weiteres organisches als auch für externes Wachstum gut aufgestellt.» Zukaufen werde die Commerzbank aber nur, wenn es sinnvoll sei: «Und Sinn macht es nur, wenn wir Mehrwert für Sie, unsere Aktionäre, für unsere Kunden und Mitarbeiter schaffen», erklärte Blessing. Kreisen zufolge verhandelt die Commerzbank seit Wochen mit dem Versicherer Allianz über einen Kauf von dessen Tochter Dresdner Bank. Finanzvorstand Strutz sagte, eine Akquisition müsse in jedem Fall binnen drei Jahren positiv zum Ergebnis je Aktie beitragen. Aktuell gebe es zum Thema Zukäufe jedoch «nichts Neues zu vermelden».

Insgesamt sieht sich das Commerzbank-Management «auf Spur». Doch das ursprüngliche Ziel, 2008 den Rekordüberschuss des Vorjahres von 1,92 Milliarden Euro wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen, rückte noch weiter in die Ferne. Strutz erklärte, angesichts «weiter volatiler Märkte» dürfte es «sehr schwer werden», im Gesamtjahr den Vorjahreswert zu erreichen. Im Quartalsbericht der Commerzbank heißt es: «Alles in allem ist die Finanzkrise noch nicht zum Stillstand gekommen und wird auch das zweite Halbjahr 2008 beeinträchtigen.» Strutz zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Belastungen für die Commerzbank 2008 insgesamt geringer ausfallen werden als im vergangenen Jahr. Zudem hat die Branche seiner Ansicht nach die Hauptlasten bereits gesehen.

Bei den Erträgen der Commerzbank stach im zweiten Quartal der Zinsüberschuss positiv hervor: Er verbesserte sich auf rund 1,18 (1,0) Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss sank auf 717 (758) Millionen Euro, das Handelsergebnis blieb mit 375 (381) Millionen Euro fast gleich und überraschte damit positiv. Stütze der positiven operativen Entwicklung blieb vor allem das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie die Mittelstandsbank. Auch in Osteuropa konnte die Commerzbank zulegen.

Im ersten Halbjahr gewann die Bank knapp eine Million zusätzliche Privatkunden, davon mehr als 260 000 in Deutschland. Daher zeigte sich das Management optimistisch, das Ziel von sechs Millionen Privatkunden in Deutschland bis Ende 2009 bereits in diesem Jahr erreichen zu können - derzeit sind es 5,8 Millionen. «Bei der Kundenzahl geben wir noch mal richtig Gas», sagte Strutz. Dagegen verlor die Aktie der Commerzbank am Mittwoch an Schwung: Nach Vorlage der Quartalszahlen rutschte sie ans Ende des Deutschen Aktienindex.

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