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Continental testet auf der Autobahn autonomes Fahren

Hannover. Noch ist es Zukunftsmusik, die Serienreife weit weg. Aber irgendwann wird es wahr - dann plaudern wir, lesen oder schauen Videos während der Fahrt im Roboterauto.

Continental testet auf der Autobahn autonomes Fahren

Ingenieur Dennis Scholl testet auf der A2 ein Auto mit dem von Continental entwickelten System „Cruising Chauffeur“. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Hände weg vom Steuer: Der Autozulieferer Continental weitet seine Tests zum automatisierten Fahren aus. Seit wenigen Wochen testen die Ingenieure ihre Versuchsfahrzeuge auf Autobahnen in Niedersachsen.

Nach Hessen und Bayern ist Niedersachsen das dritte Bundesland, in dem die Systeme im echten Autobahnverkehr erprobt werden, wie Continental mitteilte. Ziel sei, die Akzeptanz des automatisierten Fahrens zu stärken, betonte Ralph Lauxmann, der bei Conti für das Thema zuständig ist. Mitte März hatte der erste tödliche Unfall eines autonomen Autos die Branche aufgeschreckt.

Sensorik, Vernetzung, Umfelderfassung, das Verhalten im Fehlerfall und der Dialog zwischen Mensch und Maschine müssten aufeinander abgestimmt werden, erklärte Testingenieur Dennis Scholl, der die Testfahrten auf dem Fahrersitz überwacht: „Die ersten Male war es sehr ungewohnt, aber es wird alltäglicher - inzwischen fühle ich mich wohl im Fahrzeug.“ Bis 2020 will Conti das hochautomatisierte Fahren zur Serienreife bringen, bei dem die Autofahrer sich zeitweise anderweitig beschäftigen können. 2025 sollen Autos vollautomatisch, also auf Teilstrecken ganz ohne Fahrer, unterwegs sein.

Doch der Unfall mit einem Auto des Fahrdienst-Vermittlers Uber, nach dem eine 49-Jährige im Krankenhaus starb, kam für die Tech- und Autokonzerne zur Unzeit. Eigentlich geht die Branche davon aus, dass Robotertaxis Unfälle und auch den drohenden Verkehrsinfarkt in Mega-Städten verhindern können.

Die Voraussetzung dafür: Auf dem Weg zur Serienreife müssten die Systeme ständig auf Herz und Nieren getestet werden, erklärte Lauxmann. Er betonte: „Das automatisierte Fahren wird den Autofahrern nicht nur einen Zeitgewinn bringen. Es führt zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr und wird Emissionen reduzieren.“ Schon heute werden Systeme wie Einparkhilfen und intelligente Stauassistenten dem assistierten oder teilautomatisierten Fahren zugeordnet.

Vor gut sieben Jahren hatte Google mit der Vorstellung seiner Roboterwagen-Flotte die Autobranche nervös gemacht. Inzwischen arbeiten Dutzende Unternehmen an Technologie für autonomes Fahren: Autohersteller, Zulieferer, Start-ups, Tech-Unternehmen wie Apple, Samsung, Alibaba oder Uber. Als besonders weit gilt die Google-Schwesterfirma Waymo.

Continental wiederum bringt den „Cruising Chauffeur“, ein in Serienfahrzeuge eingebautes System, auf Niedersachsens Autobahnen - und mittelfristig auf die Landstraßen. Derzeit entsteht zwischen den Städten Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter ein Testfeld für das automatisierte Fahren. Schrittweise würden dafür Autobahnteilstrecken mit Bundes- und Landstraßen zu einem Netz von etwa 280 Kilometern Länge ausgebaut. „Die Möglichkeiten auf einem Testgelände gehen einem relativ schnell aus“, erklärte Scholl. Ziel sei, mit den bislang zwei Testfahrzeugen unauffällig auf öffentlichen Straßen „mitzuschwimmen“.

Auf der Autobahn angelangt meldet das System, dass es bereit sei - dann übernimmt es das Steuer. Ausgerüstet mit fünf Kameras und mehreren Radarsensoren habe das Auto bis zu 250 Meter Strecke nach vorn und nach hinten im Blick, erklärte der 26 Jahre alte Mechatroniker. Den Auftrag zum Spurwechsel - etwa beim Überholen - muss bislang noch der Fahrer geben, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 Stundenkilometern. Schert ein anderer Wagen kurz vor dem Testfahrzeug ein, stellt dieses den Sicherheitsabstand wieder her - auch wenn es dafür teils abrupt bremsen muss. Und: Der „Cruising Chauffeur“ meldet auch, wann der Fahrer wieder übernehmen soll.

Wohl ein gutes Zeichen: Passagiere selbstfahrender Testwagen beschreiben das Erlebnis meist als langweilig, weil die Fahrt so ereignislos verlaufe. Tatsächlich ist es eher unspektakulär. Scholl macht aber klar: „Es gibt immer wieder neue Szenarien, die man noch nie erlebt hat.“ Seien es aggressive Raser oder knappes Einscheren - vermutlich wäre es wesentlich einfacher, wenn nur automatisierte Fahrzeuge unterwegs wären. Aber das dürfte noch dauern.

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