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Craig David: „Dieses Leben wuchs mir über den Kopf“

Der UK-Sänger im Interview

Mit fast 14 Millionen verkauften Tonträgern gehört Craig David zu den erfolgreichsten Musikern des britischen Königreichs. Freitag ist sein siebtes Album erschienen. Im Interview mit Christian Stein spricht der 36-Jährige über seine neue Platte und seine Weltkarriere in den 2000er-Jahren.

Dortmund

, 26.01.2018
Craig David: „Dieses Leben wuchs mir über den Kopf“

„The Time Is Now“ heißt das neue Album von Craig David (r.), das seit Freitag im Handel ist. Einen Song hat auch „Bastille“-Sänger Dan Smith (l.) beigesteuert. Foto: Ben Etridge

Craig, dein neues Album heißt „The Time Is Now“. Wofür ist jetzt die Zeit? Wieder richtig durchzustarten?

Nein, es ist eher der richtige Moment, um auszudrücken, dass ich genau im Hier und Jetzt lebe – mit meinen Freunden, mit meiner Familie. Der Albumtitel ist eine Metapher dafür, dass es das Jetzt ist, das zählt. Du musst diesen aktuellen Moment genießen.

Das Album ist ein Mix aus deiner typischen R’n‘B-Musik und neuen elektronischen Einflüssen. Warum war es dir wichtig, diese Mischung zu kreieren?

Ich wollte ein R’n’B-Album produzieren, das dieselbe Erzählweise, das dieselben einfachen Melodien hat wie mein erstes Album „Born To Do It“. Ich wollte mit jungen, aufstrebenden Produzenten und Künstlern zusammenarbeiten – denn man ist nur relevant für ein Teenager-Publikum, wenn man fähig ist, sich selbst neu zu entdecken, anstatt ihnen Geschichten aus vergangenen Tagen zu erzählen. Was unglaublich ist: Ich habe 14-, 15-Jährige getroffen, die ihre Geschwister oder Eltern gefragt haben: Hast du schon von diesem neuen Star Craig David gehört? Das hat sich für mich angefühlt wie: Mission erfüllt. Meine alten Fans wollen mit meinen alten Liedern in Erinnerungen schwelgen, meine neuen Fans entdecken mich durch mein neues Album. Darüber bin ich glücklich.

„Born To Do It“ aus dem Jahr 2000 war dein erstes und bislang erfolgreichstes Album. Es wurde über sieben Millionen Mal verkauft. Dein persönlicher Rekord für die Ewigkeit? Oder kannst du dieses Album noch mal überbieten?

Der Unterschied ist: Ich habe begriffen, dass es mich am glücklichsten macht, wenn ich im Studio bin und Musik mache, mit der ich dann live auf der Bühne stehe. So gesehen erschaffe ich Zeitstempel im Leben meiner Fans – Momente, an die sie sich immer erinnern werden. Wenn sie zum Beispiel einen meiner Songs im Radio hören, vielleicht hat sich auch ein Paar gefunden, als sie ein Lied von mir gehört haben. Das ist wichtiger für mich als jede Chartplatzierung oder verkaufte Platte. Als die Verkaufszahlen bei meinem zweiten Album nicht so gut waren wie beim ersten, dachte ich zuerst, ich wäre gescheitert – aber: Hey, 3,5 Millionen Alben! Wenn ein Künstler heute so viele Platten verkaufen würde, würde er vor Freude herumspringen. Das wäre wie Weihnachten! Deshalb war es für mich wichtig, niemals wieder in diese Gedankenfalle zu tappen.

Du warst nicht mal 20 Jahre alt, als du schon weltweiten Erfolg mit Hits wie „Walking Away“ und „Seven Days“ hattest. Wie hat dich dieser Ruhm verändert?

Ich war damals jung, ich liebte die Herausforderungen, ich liebte die neuen Möglichkeiten, die sich mir eröffneten. Ich wachse in einer Arbeiterfamilie auf, die in einer kleinen Wohnung in Southampton lebt, und plötzlich bereise ich die ganze Welt, besuche Länder, in denen ich nie zuvor war, trete in riesigen Arenen auf und habe Fans, die meine Musik lieben. Ich habe meinen Traum gelebt. Aber das ging alles sehr, sehr schnell. Und das wird mir heute erst bewusst.

Deine Mutter soll dich damals dazu animiert haben, an einem Songwriter-Wettbewerb teilzunehmen. Rückblickend die beste Entscheidung, oder?

Oh ja! (Lacht) Das Verrückte ist: Ich gewann damals den Wettbewerb, und der Preis war, dass Damage, eine britischen Boyband, meinen Gewinner-Songtext für ein Lied genutzt hat. Am Ende landete das Lied sogar auf ihrer Platte „Wonderful Tonight“, einer Cover-Version von Eric Clapton, die es in den Charts bis auf Platz drei geschafft hat. Für mich war das eine große Möglichkeit. Ich dachte, meine eigene Karriere startet nun – tat sie aber nicht. Mir wurde allerdings klar, dass ich das Talent habe, Songs zu schreiben. Diese Erkenntnis war für einen jungen Nachwuchskünstler wie mich extrem wichtig, diese Erkenntnis hat mir geholfen, an meinem ersten Album zu arbeiten.

Zwischen 2010 und 2016 war es sehr ruhig um dich. Hast du nach dem steilen Anstieg deiner Karriere eine Pause gebraucht?

Es war nicht wirklich eine Pause. Zu der Zeit war ich in Miami, dort hatte ich ein eigenes Studio in meinem Haus, wo ich angefangen habe, Partys zu schmeißen. Ich habe meine volle Energie in dieses Leben in Miami gesteckt. Das bedeutete allerdings auch, dass ich wenig Musik herausgebracht habe. Aber dieses Leben wuchs mir über den Kopf – aus einer Party mit zehn Leuten wurden 100 Leute, die auf einmal in meinem Haus getanzt haben.

Craig David: „The Time Is Now“, 15 Lieder, u.a. mit Bastille, JP Cooper, Goldlink, AJ Tracey, Preis: 12,99 Euro