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Jubel für Opern-Weltstars

Csárdásfürstin Netrebko begeisterte in Münster

MÜNSTER Die Königin beherrscht die Bühne: Anna Netrebko war der umjubelte Mittelpunkt beim Gipfeltreffen der Opernstars auf Münsters Schlossplatz. Die russische Sopranistin sang in Spitzenform und riss mit ihren Begleitern Ramón Vargas und Erwin Schrott rund 10.000 Fans auf und vor dem Gelände zu stehenden Ovationen hin.

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Handkuss für die Liebste: Erwin Schrott und Anna Netrebko feiern nach dem gelungenen Konzert auf der Bühne.

Ramón Vargas war für den erkrankten Jonas Kaufmann ein würdiger Ersatz.

Ein grandioser Abendhimmel über dem Schlossplatz mit die Kälte wieder wett.

Die Netrebko erhält schon Applaus für ihre Kleider: hellgrün glänzend in der ersten, cremefarben und sommerlich gemustert in der zweiten Hälfte. Und die Roben sind mehr als nur schicke Accessoires. Wenn die Diva als Csárdásfürstin ihr "Heia, in den Bergen" schmettert, fliegen vor schneeweißer Glitzerkulisse die Röcke, dass es eine Pracht ist. Das Schöne bei der Netrebko ist aber, dass ihre Konzerte zwar Events, aber keine gefälligen Sekt-und-Häppchen-Paraden sind. Die Sängerin hält immer die Fahne der Kunst hoch, wagt auch vor Gala-Publikum schwerste und unbekanntere Stücke.

Bestes Beispiel: der Bolero "Mercè, dilette amiche" aus Giuseppe Verdis Oper "Die sizilianische Vesper". Die Fürstin Elena singt ein funkensprühendes Hochzeitslied, während hinter ihrem Rücken die sizilianischen Revolutionäre ein Blutbad gegen die französische Besatzung planen. Die doppelbödige Arie ist gespickt mit lang ausgehaltenen Trillern und heiklen Koloraturen, die den Sopran am Ende in Grabestiefen hinabführen. Anna Netrebko singt das fantastisch sicher und tonschön, man würde alles darum geben, sie in dieser Partie komplett in der Oper zu erleben. Die Stimme ist noch voller und dunkler geworden, ohne in der Höhe an Leichtigkeit einzubüßen. Das muss auch Tenor Ramón Vargas erfahren, der im Spitzenton-Duell mit der Diva am Ende des Liebesduetts aus Puccinis "La Bohème" ein paar Sekunden eher aufgibt.

Im Glanz einer Primadonna haben es die Männer eben nicht immer leicht, erstklassig sind sie aber ebenfalls. Vargas, der als Einspringer für den erkrankten Jonas Kaufmann mit viel Sympathie bedacht wird, hat ebenso wie Netrebko eine schöne unbekannte Verdi-Arie aufs Programm gesetzt: "Quando le sere" aus dem wenig gespielten Frühwerk "Luisa Miller". Eine schlichte, aber ganz große Melodie, von Vargas mit Herzblut und feuriger Höhe intoniert. Man muss zuhause schon zur CD mit Placido Domingo greifen, um das Stück ähnlich gut zu hören. In Gaetano Donizettis Tenor-Hit "Una furtiva lagrima" riskiert Vargas ein hauchzartes Pianissimo, in der Zugabe "Granada" darf er lustvoll schmettern. Netrebkos Ehemann Erwin Schrott gab beim Tour-Auftakt vor einem Jahr in Köln noch den aufgedrehten Animateur, diesmal ist er eher der melancholische Latin Lover. Schrott singt zwei Tangos von Piazzolla und Pablo Ziegler, emphatisch begleitet von Bandoneonist Mario Stefano Pietrodarchi: Die mächtige Bassstimme nimmt dabei ein intimes, entspanntes Format an. Eine Frau in der ersten Reihe kreischt schon vor dem ersten Ton, was der Sänger mit erfreutem Grinsen quittiert.

Welche unbändige Kraft in Schrotts Kehle steckt, wird in den beiden großen Terzetten aus Charles Gounods "Faust" und Verdis "Lombarden auf dem ersten Kreuzzug" deutlich. Hier legt das Trio dermaßen los, dass die Druckwelle der Mikrofonverstärkung die Hörer in den ersten Reihen schier aus den Sitzen hebt. Die Elektronik klingt bei hohen Tönen (auch der Geigen) manchmal etwas schrill, insgesamt sind die Techniker für die gelungene Lichtshow und die abwechslungsreiche Kameraführung auf den beiden Großbildschirmen aber zu loben.

Wie auch die Neue Philharmonie Westfalen (das Gelsenkirchener Opernorchester), die unter Dirigent Marco Armiliato schon in der einleitenden Ouvertüre zu Rossinis "Italienerin in Algier" mit hochvirtuosen Bläser-Soli entzückt. Der Norddeutsche Figuralchor verkörpert in den Arien mit Chor souverän "das Volk". Das Volk auf den Sitzen trotzt souverän der immer klirrenderen Kälte und lässt sich vom Feuer der Oper wärmen. Am Schluss sind Glück und Zufriedenheit mit Händen zu greifen. Endlich ein Gipfeltreffen mit gutem Ausgang.

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