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DHL weiht mechanisierte Zustellbasis in Bochum ein

Ehemaliges Nokia-Gelände

Es geht um Rationalisierung. Natürlich. Mit der ersten mechanisierten Zustellbasis in NRW will der Paketdienst DHL effizienter arbeiten. Dennoch sind dadurch ein paar neue Jobs entstanden.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 20.03.2013
DHL weiht mechanisierte Zustellbasis in Bochum ein

Das Kernstück der automatischen Sortierung. Hier werden die Pakete gescannt, dann ist klar, auf welcher Rampe sie herunter müssen.

Elf Mitarbeiter wurden in diesem Jahr eingestellt, im April kommen noch zwei dazu. Der Paketdienst boomt. Allein die neue Anlage auf dem ehemaligen Nokia-Gelände in Riemke sortiert täglich weit mehr als 10 000 Pakete und Päckchen für weite Teile Bochums und das Herner Stadtgebiet. Wie viel Geld das Unternehmen in die 5000 Quadratmeter große Halle investiert hat, will man nicht sagen. Wettbewerbsgründe, heißt es. „Würden wir nichts an den Strukturen ändern, müssten deutlich mehr Menschen eingestellt werden“, so DHL-Sprecher Rainer Ernzer. „Aber das würde Kosten steigern.“ Will man nicht und setzt stattdessen auf Technik.

„Die Technik erlaubt es uns schneller zu werden. Und es ist eine ergonomische Entlastung für die Mitarbeiter“, betont Gert-Manfred Hornig. Er ist der zweite Mann der Niederlassungsleitung. Szenenwechsel. Vom Konferenztisch in die Halle. Sie ist erstaunlich übersichtlich. Förderbänder und Rampen. Kein Mensch zu sehen. „Jetzt sind alle draußen“, sagt Uwe Lüttich, Chef der mechanisierten Zustellbasis. „Hochbetrieb ist hier von halb drei bis 8.30 Uhr, dann verlassen die gelben Autos das Gelände. Dennoch schmeißt er die Maschinen an. Pakete werden über die Bänder nach oben befördert, gescannt und automatisiert auf eine der 62 Rampen hinabgestoßen. Eine für jeden Zustellbezirk. Die Rampen sind ausziehbar, die Pakete können so direkt ans Auto gebracht werden. 100 Menschen sind hier beschäftigt – zwei Drittel als Fahrer.

„In den alten Paketzentren musste zwei Fahrer sich eine Rampe teilen und die Pakete erst noch sortieren“, sagt Lüttich. Das fällt nun weg. Handarbeit bleibt es aber dennoch. Bevor jeder Fahrer auf Tour geht, muss er seinen Wagen beladen. 120 Haushalte wird er anfahren, 170 Pakete pro Tour zustellen. Die richtige Knochenarbeit leisten aber die Kollegen am Anfang der Kette, dort wo alle Pakete für Bochum und Herne ankommen. 10 500 am Tag.

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Der Weg der Pakete in der Zustellbasis Bochum

Maximal 90 Sekunden verbringt ein Paket auf der neuen Sortieranlage von DHL in Bochum Riemke. Die Post will damit schneller und effizienter werden, dann es werden immer mehr Päckchen und Pakete, die täglich zugestellt werden wollen. Allein in Riemke werden täglich mehr als 10.000 Stück auf die Touren der Fahrer sortiert.
20.03.2013
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Rampen so weit das Auge reicht. Zustellbasenleiter Uwe Lüttich erklärt die Abläufe in der mechanischen Zustellbasis in Bochum. Hier kommen die Pakete sortiert nach Bezirken an.© Foto: Benedikt Reichel
Die Rampen sind ausziehbar, sodass die Pakete bis zur Ladefläche des Autos nicht getragen werden müssen.© Foto: Benedikt Reichel
Der Anfang des Sortiervorgangs: Thomas Ehrcke packt die Pakete auf das Förderband. 1200 Stück pro Stunde. Die Adresse muss nach oben zeigen.© Foto: Benedikt Reichel
In der Zustellbasis kommen alle Pakete für Herne und große Teile Bochums an. Im Schnitt sind es 10.500 pro Tag.© Foto: Benedikt Reichel
Die Wege sind für die Mitarbeiter durch die automatische Sortierung deutlich kürzer geworden. Aber jedes Paket muss dennoch angepackt werden.© Foto: Benedikt Reichel
Bis zu 31 Kilo kann so ein Paket schwer sein.© Foto: Benedikt Reichel
Es gibt mehrere Förderbänder die nach oben führen, denn um alle Pakete zu sortieren bleiben nur wenige Stunden. Oben geht die Reise weiter in Richtung Scanner.© Foto: Benedikt Reichel
Das Kernstück der automatischen Sortierung. Hier werden die Pakete gescannt, dann ist klar, auf welcher Rampe sie herunter müssen.© Foto: Benedikt Reichel
Der Scanner erfasst die Daten der Sendung, sowohl von großen Paketen oder kleinen, viele Katalog-Sendungen werden hier auch sortiert.© Foto: Benedikt Reichel
Nach dem Scannen geht es weiter über die Förderbänder bis zur Rampe und zum richtigen Auto.© Foto: Benedikt Reichel
Länger als 90 Sekunden ist hier kein Paket unterwegs. Dann hat es selbst die hinterste Ecke der Halle erreicht.© Foto: Benedikt Reichel
Wieder unten angekommen. Hier warten die Pakete bis die Fahrer sie in ihr Auto laden.© Foto: Benedikt Reichel
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Vor den Feiertagen sind es viel mehr. Jedes wird angefasst, gehoben, mit der Adresse nach oben gedreht, aufs Förderband gestellt. 1200 Stück pro Stunde. Für jedes Paket bleiben im Schnitt drei Sekunden. „Die körperliche Belastung ist geringer geworden.“ Der Niederlassungsvize Hornig sagt es nochmals, ergänzt dann: „Aber es bleibt ein Knochenjob.“ Der Vorteil am mechanisierten Zentrum in Bochum: Die Wege, die Angestellte mit den Paketen zurücklegen müssen sind minimal. Da DHL Sendungen bis 31 Kilogramm annimmt, können ein paar Meter weniger entscheidend sein.

Bis 2015 werden in NRW und in ganz Deutschland weitere mechanisierte Zentren entstehen. Insgesamt werden 750 Millionen Euro in Technik investiert. Den Standort auf dem ehemaligen Nokia-Gelände in Bochum bezeichnen die Firmenchefs wie auch Bochums erster Wirtschaftsförderer Paul Aschenbrenner als „ideal“. Die A 43 ist direkt vor der Tür. Für Logistikunternehmen beste Voraussetzungen. Nicht nur DHL weiß das. Zwei Medizin-Lieferanten haben sich hier ebenfalls niedergelassen. Die Politik in Bochum sorgt sich jedoch, ob diese Branche die richtige ist, um die vielen verlorenen Jobs bei Nokia zu kompensieren.

Das Nokia-Gelände im Norden der Stadt ist inzwischen wieder zu 95 Prozent ausgelastet. 103 Hektar Fläche stehen dort für die Industrie zur Verfügung. Das Gelände gehört der Thelen-Gruppe mit Sitz in Essen. Zu Spitzenzeiten arbeiteten bei Nokia dort 4000 Menschen inklusive der Nokia-nahen Dienstleistung wie das Paketzentrum oder der Sicherheits- und Pförtnerdienst. Inzwischen gibt es auf dem Gelände wieder 1400 Beschäftigte in unterschiedlichen Unternehmen. 100 bei der DHL. Zusammen mit dem angrenzenden Gelände der Stadt Herne kommt das Industriegebiet auf 210 Hektar Fläche. Das Gelände trägt nun den Namen HerBo 43.