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Fall Peggy und der NSU

DNA-Spur von Böhnhardt doch nur Verunreinigung?

BAYREUTH Eine DNA-Spur, die am Fundort der getöteten Peggy gefunden worden ist, führt zum verstrobenen Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt. Das hat Spekulationen ausgelöst: Die DNA-Spur soll verunreinigt sein. Jetzt haben Staatsanwalt und Polizei sich dazu geäußert.

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Fundort der Skelettteile von Peggy in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis bei Rodacherbrunn. Foto: Daniel Karmann

Gedenkstein des Mädchens Peggy. Foto: David Ebener/Archiv

Die Fälle des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und der getöteten Schülerin Peggy sind möglichen Hinweisen der Ermittler zufolge über eine Verunreinigung verknüpft. Es hätten sich „mögliche Anhaltspunkte dafür ergeben, dass durch die mit der Spurensicherung in beiden Fällen befasste Tatortgruppe der Polizei in Thüringen teilweise identisches Spurensicherungsgerät verwendet wurde“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Bayreuth mit.

Eine Aussage zur Qualität der Spurensicherung und einer möglichen Kontamination können die Ermittler demnach aber erst nach weiteren umfassenden und zeitaufwendigen Ermittlungen treffen.

Medien berichteten von unechter Spur

Zuvor hatte der SWR auf Twitter gemeldet, dass die DNA-Spur von Böhnhardt im Fall Peggy „nach SWR-Informationen wahrscheinlich doch eine Verunreinigung“ sei.

DNA-Spur von Uwe Böhnhardt im Mordfall #Peggy ist nach SWR-Informationen wahrscheinlich doch eine Verunreinigung und keine echte Spur.

— SWRinfo (@SWRinfo) 

Auch „Spiegel Online“ berichtete unter Berufung auf eigene Informationen von dieser Möglichkeit. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Knochen und Obduktionsbericht miteinander abgeglichen

Das Bundeskriminalamt und die Soko Peggy, die zuletzt von 3 auf 40 Ermittler aufgestockt worden war, hätten den Befundbericht vom Fundort der Knochen des Mädchens und den Obduktionsbericht zu Böhnhardt abgeglichen. So hätten sich diese Erkenntnisse ergeben.

MÜNCHEN/LICHTENBERG Mehr als 15 Jahre haben die Ermittler nach Spuren im Fall der getöteten Peggy gesucht. Nun machen sie einen spektakulären Fund: DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt wurden am Fundort von Peggys Skelett festgestellt. Doch viele Fragen sind ungeklärt. Wir blicken mit einer Chronologie auf beide Fälle zurück.mehr...

Nun soll das eingesetzte Spurensicherungsgerät untersucht werden. Wobei es sich darum genau handelt, teilten die Ermittler nicht mit. Für die Untersuchung seien Experten verantwortlich, die mit den kriminaltechnischen Untersuchungen in den Verfahren bisher nicht befasst waren - also auch nicht mit den Untersuchungen der DNA-Spuren. Zudem würden Zeugen vernommen, um den genauen Weg der Spur, deren Sicherung und Bearbeitung in Thüringen und Bayern lückenlos zu überprüfen. „Wir überprüfen alles akribisch im Rahmen der Qualitätssicherung“, bekräftigte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel auch am Donnerstag.

Weitere Angaben machten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Damit bleibt vorerst auch die Frage offen, wie es zu einer möglichen Panne hätte kommen können.

Skeptische Worte von NSU-Untersuchungsausschuss-Vorsitzender

Die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx, ist skeptisch, dass die DNA-Spur von Uwe Böhnhardt im Fall Peggy auf verunreinigtes Gerät der Thüringer Polizei zurückzuführen ist. Es sei absurd anzunehmen, dass die DNA Böhnhardts über diesen Weg zum Fall Peggy gelangt sei, sagte Marx am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.

Dann hätte diese Spur auch in allen anderen Fällen auftauchen müssen, in denen das Spurensicherungsgerät verwendet wurde. Marx nannte die Argumentation „hyperspekulativ“. Die SPD-Abgeordnete leitet bereits den zweiten NSU-Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag. 

Zum Hintergrund

Peggy war 2001 im oberfränkischen Lichtenberg verschwunden. 15 Jahre später, im vergangenen Juli, entdeckte ein Pilzsammler Skelettteile von ihr in einem Wald im benachbarten Bundesland Thüringen. Am 13. Oktober hatten dann Polizei und Staatsanwaltschaft in Oberfranken überraschend mitgeteilt, dass am Fundort genetisches Material von Böhnhardt nachgewiesen worden war. Die Rechtsmedizin der Uni Jena, wo im November 2011 Böhnhardts Leichnam obduziert und im Juli Peggys Knochen untersucht worden waren, schloss eine versehentliche Übertragung von DNA am eigenen Institut aus.

München (dpa) Hängen die NSU-Terrorserie und der Tod der kleinen Peggy zusammen? Eine DNA-Spur stellt spektakulär eine Verbindung zwischen den beiden Komplexen her. Nun soll Beate Zschäpe im NSU-Prozess Auskunft geben.mehr...

In mehreren Bundesländern werden seither ungeklärte Fälle von Kindstötungen oder -entführungen neu untersucht, so in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen. Die Ermittler prüfen mögliche Verbindungen zum rechtsextremistischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU).

Böhnhardt wird als Täter bei der Mordserie des selbst ernannten NSU verdächtigt und nahm sich den Behörden zufolge 2011 das Leben. Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist soll mit seinem mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos der Terrorgruppe angehört und jahrelang unerkannt gemordet haben. Als einzige Überlebende des NSU-Trios muss sich Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht München verantworten.

Mit Material von dpa

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