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Fall Peggy

DNA von NSU-Mitglied an Leichenfundort entdeckt

BAYREUTH Der Fall Peggy war an sich schon mysteriös: Vor 15 Jahren verschwand die Schülerin, der Mörder konnte nicht ermittelt werden. Vor wenigen Monaten tauchen plötzlich Skelettteile der Schülerin auf. Jetzt zeichnet sich eine spektakuläre Wende ab - mit Bezug zum NSU.

DNA von NSU-Mitglied an Leichenfundort entdeckt

Forstweg in das Waldstück nahe Rodacherbrunn, in dem im Juli Skelettteile von Peggy gefunden worden waren. Foto: Nicolas Armer

Am Fundort des Skeletts der 2001 verschwundenen und getöteten Peggy haben Ermittler Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Ob es aber einen direkten Zusammenhang zu dem damals neunjährigen Mädchen gibt, war zunächst unklar. Das teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Donnerstagabend mit. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Am Fundort der Leiche in einem Waldgebiet an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen seien zahlreiche Spurenträger sichergestellt worden, teilten die Behörden weiter mit. Bei der Untersuchung sei DNA festgestellt worden, „die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist“. Allerdings: „In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen.“ Die Anwältin von Peggys Mutter äußerte sich am Donnerstagabend nicht.

Das Mädchen verschwand vor 15 Jahren

Die damals Neunjährige war am 7. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am 2. Juli dieses Jahres hatte ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis in Thüringen gefunden - nur rund 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt. Mehrfach hatte die Polizei anschließend den Fundort abgesucht, weil das Skelett nach Angaben der Ermittler nicht vollständig gewesen war.

Der Rechtsextremist Böhnhardt gehörte dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe soll er laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Die Gruppe erschoss zwischen 2000 und 2007 nach Erkenntnissen der Ermittler neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin. Mundlos und Böhnhardt töteten sich im November 2011 nach einem Banküberfall, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit Mai 2013 muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

Das sagt der NSU-Untersuchungsausschuss

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses reagierten entsetzt auf die Nachricht des spektakulären Funds. Sie verwiesen auch darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar sei.

Die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König, forderte am Donnerstag, nun müsse es einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

Der Münchner Rechtsanwalt Yavuz Narin sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Umfeld des NSU seien „mehrere Personen mit Sexualstraftaten an Kindern in Erscheinung getreten“. So habe einer der mutmaßlichen NSU-Waffenbeschaffer Böhnhardt des Mordes an einem neun Jahre alten Jungen in Jena bezichtigt. In den Prozessakten fänden sich weitere Namen von Männern, die zum Freundeskreis Böhnhardts zählten und zu denen sich Hinweise auf Kindesmissbrauch in den Akten fänden. Narin verwies außerdem auf den früheren Anführer des „Thüringer Heimatschutzes“, Tino Brandt, der wegen Missbrauchs von Jungen im Gefängnis sitzt. Narin vertritt im NSU-Prozess die Familie eines in München ermordeten Geschäftsmannes.

Aussage von Beate Zschäpe gefordert

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen im Fall Peggy zu äußern. „Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Neben dem Generalbundesanwalt sind nach Angaben der Bayreuther Ermittler auch das Bundeskriminalamt, das bayerische Landeskriminalamt und die thüringische Polizei über die neuen Erkenntnisse unterrichtet worden und in die Ermittlungen eingebunden. „Weitere Informationen können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht erteilt werden“, hieß es weiter. 

Der Fall Peggy: Eine Chronik der Ereignisse 


Mai 2001


August 2001

April 2004


September 2010


Juli 2016


13. Oktober 2016:

von dpa

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