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Dani Levy dreht Filme über Jerusalem

Berlin. Eine Stadt zwischen Fiktion und Realität: Regisseur Dani Levy hat vier Kurzfilme über Jerusalem gedreht. Entstanden ist ein filmisches und politisches Abenteuer.

Dani Levy dreht Filme über Jerusalem

Dani Levy: Traum und Trauma auf 360 Grad. Foto: Alexander Heinl/Archiv

Ein israelischer Soldat befiehlt einer jungen Palästinenserin, aus dem Bus zu steigen. Ausweiskontrolle. Dann lädt er sie zu seiner Geburtstagsparty ein.

Ein Comedian zieht auf offener Straße über Israel her, Passanten bleiben stehen, widersprechen, die Lage droht zu eskalieren - und dann schwebt Jesus über die Dächer von Jerusalem. In Dani Levys Kurzfilm-Serie, die der Regisseur („Alles auf Zucker!“) für das Jüdische Museum Berlin und den Kulturkanal Arte gedreht hat, liegen Witz und Tragödie eng zusammen.

In den vier Filmen, die von diesem Donnerstag an online (arte.tv./arte360) und über die Arte-App abrufbar sind, ist der Schweizer mit Hilfe der Virtual-Reality-Technik (VR) in Jerusalems Alltag eingetaucht. Die jeweils sechs bis acht Minuten langen Streifen, die auch die Jerusalem-Ausstellung des Jüdischen Museums begleiten, kommen ganz ohne Schnitt aus. Wer sich auf den Medienstationen des Museums die VR-Brille aufsetzt, kann die Stadt in 360 Grad und in 3D auf Augenhöhe mit den Darstellern erleben - eine Doku-Fiktion „zwischen Traum und Trauma“, wie Levy sagt.

Glaube, Liebe, Hoffnung, Angst - so hat der in Berlin lebende Schweizer, Autor von Filmkomödien wie „Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, seine vier Storys genannt. Mal schräg, mal ernst, erzählen sie vom Leben in der Stadt jeweils aus israelischer und palästinensischer Perspektive. Es sei unmöglich, in Israel die Politik zu ignorieren. „Wir haben in einem umkämpften Gebiet gedreht.“ Levy meint damit nicht nur die herrschende Sicherheitslage.

Viele Palästinenser seien wegen ihrer „Anti-Normalisierung-Haltung“ nicht bereit gewesen, überhaupt an dem Projekt mitzuarbeiten. Eine Normalität gegenüber Israelis zu simulieren, wo es keine gibt - das sei für viele nicht denkbar.

Unter diesem Eindruck entstand das Kapitel „Liebe“. Hier wird spürbar, wie kompliziert das Leben im Schatten des Konflikts ist. Ein Soldat befiehlt einer jungen Palästinenserin, aus dem Bus zu steigen. Der junge Israeli versucht, der jungen Frau doch ein wenig Zuneigung zu entlocken - vergeblich. Fiktion und Realität geraten durcheinander. Auch nach langen Diskussionen hatte sich die palästinensische Darstellerin geweigert, in der Szene, die direkt am Sicherheitswall entstand, auch nur zu lächeln.

Zu einem bürokratischen Alptraum entwickelte sich das Angst-Kapitel. Die Autonomiebehörde versagte eine Dreherlaubnis in der Bauruine des für eine Zeit nach der Unabhängigkeit gedachte palästinensische Parlament in Abu Dis. In der Story führen zwei Sicherheitsleute durch das Gebäude. Dann erscheint PLO-Gründer Jassir Arafat als Geist und drängt darauf, die Verhandlungen mit Israel fortzusetzen. Arafat als Geist - das sei für die Palästinenserbehörde tabu, sagt Levy. Das Team musste auf ein anderes Gebäude ausweichen.

Die virtuelle Realität, mit der sich Zuschauer durch eigene Bewegungen das Blickfeld erobern kann, eröffne Filmemachern völlig neue Perspektiven, schilderte Levy. Die Hürden seien aber noch groß. So habe er sechs Fassungen für unterschiedliche Ausspielplattformen abliefern müssen.

Dass er seine ersten Erfahrungen mit der neuen Technik ausgerechnet in Jerusalem sammelte, sieht der Regisseur im Nachgang als grandioses Abenteuer. Allerdings gab es im Rundum-Bild für ihn keinen Platz hinter der Kamera. Bei den Dreharbeiten musste sich der Regisseur im Bild verstecken. Hinter einer Säule oder als Fahrgast im Bus.

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