Das Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen: Juli bis September

Jahresrückblick

Auch im Jahr 2017 war in Nordrhein-Westfalen wieder ordentlich was los. So auch von Juli bis September. Unter anderem ist Wuppertal wochenlang vom Bahnnetz abgekoppelt und der große Wohnkomplex Hannibal II muss wegen Brandschutzmängeln komplett geräumt werden. Wir blicken zurück auf ein Jahr voller Ereignisse.

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NRW

, 28.12.2017, 05:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Mehr als 70 Fahrgäste steckten im Juli in der Kölner Seilbahn fest.

Mehr als 70 Fahrgäste steckten im Juli in der Kölner Seilbahn fest. © picture alliance / Rainer Jensen

JULI

1. Juli: Düsseldorf ganz in Gelb - die Tour de France startet in der Landeshauptstadt. Das Wetter spielt aber nicht mit und den erhofften deutschen Sieg beim Einzelzeitfahren durch Tony Martin gibt es auch nicht. Für die Stadt wird das Spektakel teurer als kalkuliert. Mit 7,8 Millionen Euro muss sie knapp drei Millionen mehr aufbringen als geplant. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) streitet sich noch Monate später über die Begleichung der Mehrkosten.

5. Juli: Der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner stirbt im Alter von 83 Jahren bei einem Urlaub in Bayern. Er stand von 1989 bis 2014 an der Spitze des größten deutschen Bistums. Während seiner Kölner Zeit galt der gebürtige Breslauer als einflussreichster Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen.

12. Juli: Heimlich gemachte Videoaufnahmen aus dem Schweinestall des Betriebs ihrer Familie setzen die neue NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) unter Druck. Die Bilder zeigen zum Teil stark verletzte Tiere mit entzündeten Schwänzen oder geschwollenen Gelenken. Die Staatsanwaltschaft Münster stellt aber ihre Ermittlungen gegen den Ehemann der Ministerin und andere Mitarbeiter des Hofes ein. Es sei nicht ansatzweise erkennbar, dass sie die Verletzungen vorsätzlich herbeigeführt oder nicht sachgerecht reagiert hätten. Gegen die Ministerin war nicht ermittelt worden.

16. Juli: Für sechs Wochen wird Wuppertal komplett vom Bahnnetz abgekoppelt. Während der gesamten Sommerferien hält kein ICE, kein Regionalzug und auch keine S-Bahn am Hauptbahnhof der siebtgrößten Stadt in NRW. Der Grund: Ein elektronisches Stellwerk wird eingerichtet. Zehntausende Menschen müssen zur Arbeit einen zeitraubenden Weg mit Ersatzbussen in Kauf nehmen. Der Ersatzverkehr läuft aber besser als bei einer ersten Sperrung in den Osterferien.

26. Juli: Islamistenführer Sven Lau wird als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht spricht ihn der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Lau gehört gemeinsam mit Pierre Vogel zu den bekanntesten Gesichtern des radikalen Islams in Deutschland. Er gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“, die 2014 durch Wuppertal zog und bundesweit für Empörung sorgte. Das Urteil wird noch vom Bundesgerichtshof überprüft.

30. Juli: Schock für mehr als 70 Fahrgäste bei einer Seilbahnfahrt in luftiger Höhe über dem Rhein in Köln. Bei bestem Ausflugswetter verkeilt sich eine der 32 Kabinen. Dadurch bleibt ein Großteil der Gondeln über dem Fluss hängen. Zahlreiche Fahrgäste müssen aus großer Höhe auf ein Feuerwehrschiff abgeseilt werden. Andere werden über Drehleitern vom Ufer oder der Zoobrücke aus der beängstigenden Lage gerettet. Unter den in den Gondeln gefangenen Fahrgästen befindet sich auch ein Dortmunder Ehepaar, welches an diesem Tag ihren 41. Hochzeitstag feiert.

AUGUST

2. August: Zwei Monate nach ihrer Abschiebung nach Nepal kehrt die Duisburger Schülerin Bivsi in ihre deutsche Heimat zurück. Die damals 14-Jährige war Ende Mai abgeschoben worden, nachdem der Asylantrag der Familie in allen Instanzen gescheitert war. Für Empörung sorgte, dass die Stadt Duisburg das Mädchen während des Unterrichts aus ihrer Schule holen ließ. Ihre Mitschüler sammeln Unterschriften und Geld und organisieren politische Unterstützung für die Rückkehr. Die Eltern dürfen Bivsi aus humanitären Gründen für die Dauer der Ausbildung begleiten.

Das Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen: Juli bis September

© picture alliance / Marius Becker

31. August: Der nordrhein-westfälische Medien- und Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner (CDU) gibt die Zuständigkeit für die Medienpolitik in der Landesregierung ab. Holthoff-Pförtner, der Gesellschafter der Funke-Mediengruppe ist, wolle damit jeden Anschein vermeiden, „er könne nicht mit der notwendigen Unvoreingenommenheit Entscheidungen als Medienminister fällen“, begründete Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Entscheidung. Er bleibt Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales.

31. August: Mehr als acht Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten rückt die juristische Aufarbeitung näher: Das Kölner Landgericht lässt die Anklage gegen sechs Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung in vollem Umfang zu. Die Angeklagten - Beschäftigte der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und von Baufirmen - waren an Bauarbeiten für eine neue U-Bahn beteiligt. Der Prozess soll nach dem Jahreswechsel beginnen. Die Fertigstellung der U-Bahn verzögert sich unterdessen voraussichtlich bis 2026. Der Grund: Die Beweissicherung an der Unglücksstelle zieht sich weiter hin.

Das Jahr 2017 in Nordrhein-Westfalen: Juli bis September

© picture alliance / Oliver Berg/d

SEPTEMBER

1. September: Die neue Direktorin der Kunstsammlung NRW, Susanne Gaensheimer, verordnet der renommierten Landesgalerie einen Modernisierungsschub. Mit internationaler Frauenpower, Performance und multidisziplinärer Kunst setzt sie gleich zu ihrem Amtsantritt neue Akzente. Die vom Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt gewechselte Gaensheimer will das Haupthaus K20 am Grabbeplatz künftig für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts reservieren und im Ständehaus K21 ausschließlich aktuelle zeitgenössische Kunst zeigen.

15. September: In Düsseldorf, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen jubeln die Fußballfans, in Mönchengladbach ist die Enttäuschung groß. Als einziger der fünf Bewerber aus Nordrhein-Westfalen wird der Borussia-Park vom DFB nicht als einer der zehn möglichen Spielorte für die EURO 2024 benannt.

20. September: Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata einen neuen europäischen Stahlgiganten schaffen. In beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden. Die Beschäftigten laufen Sturm gegen die Pläne, sie befürchten einen höheren Arbeitsplatzabbau.

21. September: Nach der Aufdeckung von Brandschutzmängeln lässt die Stadt Dortmund den Wohnkomplex Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld räumen. Die Anlage ist mit mehr als 750 Mietern Dortmunds größtes Wohnhaus. Die Bewohner kommen in anderen Unterkünften oder bei Freunden und Verwandten unter. Der Eigentümer muss die Mängel beseitigen. Wann die Mieter zurück in ihre Wohnungen können, ist unklar.

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26. September: Der Landes- und Fraktionschef der AfD in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, kündigt seinen Austritt aus Partei und Fraktion an. Pretzell folgt damit seiner Ehefrau Frauke Petry, die im Streit über den Kurs die Partei verlässt. Sein Mandat im Düsseldorfer Landtag behält Pretzell als fraktionsloser Abgeordneter.

dpa