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Das "Showboat" legte im Saalbau an

INNENSTADT Mit dem Musical "Showboat" brachte das Landestheater Detmold ein Stück Historie auf die Saalbaubühne und konnte die Theatergemeinde Volksbühne damit restlos überzeugen, wie der mehr als fünfminütige Schlussapplaus bewies.

von Von Dietmar Bock

, 23.10.2007

"Showboat" von Jerome David Kern (Musik) und Oscar Hammerstein II. (Buch und Liedertexte) nach dem gleichnamigen Roman von Edna Ferber ist das erste echte Musical, in dem bereits vor 80 Jahren Musik, Text und eine durchgehende Handlung eine Einheit bildeten. Es ist kritisch politisch, indem es die Rassendiskriminierung des 19. Jahrhunderts in Amerika herausarbeitet und es ist zugleich romantisch, ohne kitschig zu wirken.

Gelungene Inszenierung

In der gelungenen Inszenierung von Wolfang Dosch wird die Geschichte eines typisch amerikanischen Showboats, mit deren Hilfe im vorletzten Jahrhundert Theater und später auch Revue-Shows auf dem Mississippi in die entlegensten Regionen transportiert wurden, sowie die zwischenmenschlichen Probleme seiner Hauptdarsteller mit "Happy end" für die um ihre Liebe kämpfenden Magnolia (Kirsten Höner zu Siederdissen) und Ravenal (Andreas Jören) erzählt.

Der "Ol' Man River", wie das "große Wasser" (so die Originalübersetzung aus dem Indianischen), auch genannt wird, bildet den "blauen Faden". Auf und entlang des sich über 2552 Meilen erstreckenden Mississippis spielt - buchstäblich - die Musik, die Boris Anifantakis in der Detmolder Aufführung sehr gut zu Gehör bringt.

Klassiker: Ol' Man River

Und so passt die den Saalbau restlos füllende, gewaltige Bassstimme von Zelotes Edmund Toliver alias Joe bestens zum bekanntesten Song dieses Musicals: "Ol' Man River". Qualitativ kommt an diesen außergewöhnlichen Bass gesanglich nur noch Angela Hercules-Joseph alias Queenie heran. Sie sorgt mit "After the Ball" anlässlich des Todes von Julie La Verne (Brigitte Bauma) mit ihrer eingehenden Stimme für lang anhaltendes Gänsehaut-Feeling.

Komische Seiten

Für die komischen Auftritte sorgen der gesanglich hinter den anderen zurückstehende Frank (Thorsten Krafft), der indes seine athletischen Fähigkeiten ebenso voll ausspielt wie der "Cotton Blossom"-Kapitän (Wolfgang von der Burg) seine mimisch perfekten Einlagen.

Unübertrefflich ist sein Solo bei der Zusammenfassung des Theaterstücks "Die Frau des Pastors", bei der er einen Boxkampf mit all seinen Folgen darstellt. Schauspielerisch gleichfalls herausragend: Parthy (Silke Dubilier), die die besorgte Mutter und böse Schwiegermutter vorbildlich gibt.

Das Musical ist ein vorbildlicher Beweis dafür, dass Geschichte ebenso kritisch wie unterhaltsam, mit einigen komischen Enlagen dargeboten werden und begeistern kann.