Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Das Ziel war der Tod

MITTE "Ausschwitz, Treblinka. Für uns waren das Ziele, weiter nichts", hören die Besucher Walter Stier, im "Zug der Erinnerung", der seit gestern Halt im Bochumer Hauptbahnhof macht, lapidar sagen.

von von Katrin Herbstreit

, 14.02.2008
Das Ziel war der Tod

Blick zurück in eine schreckliche Vergangenheit: Der „Zug der Erinnerung“, der im Bochumer Hauptbahnhof Station machte, zog 6000 Besucher an, darunter allein 75 Schulklassen.

Sein Glück, dass er nur auf Video zu sehen ist, denn er ist einer der vielen Täter, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Er leitete während des Krieges die Gruppe "Sonderzüge". Dabei handelte es sich um die Züge, die die Menschen in die KZs deportierten. Nach 1945 blieb er seinem Arbeitgeber treu, der von der Reichsbahn zur Deutschen Bundesbahn umfirmierte. Die Verantwortung für seine Taten musste er nie übernehmen.

Die Ausstellung ist in mehrere Teile gegliedert. Der erste befasst sich auf den schmalen Gängen der Zugabteile mit vielen bewegenden Einzelschicksalen der hunderttausenden von Kindern, die mit den Zügen in den Tod fuhren. So lernt man die kleine Ruti Hauben kennen.

Janusz in KZ-Kleidung

Fröhlich und keck guckt sie von ihrem Portrait auf die Besucher hinab. Man fragt sich, was aus dem aufgeweckten Mädchen wohl geworden wäre, wenn sie 1944 nicht mit acht Jahren in Auschwitz ermordet worden wäre. Im Abteil daneben hängt ein Familienportrait von Janusz, liebevoll umringt von Vater und Bruder.

 Darunter sieht man einen abgemagerten Janusz in gestreifter KZ-Kleidung. Zwischen diesen Fotos liegen Welten. Mit 17 Jahren wird er öffentlich gehängt, er hatte versucht Kassiber an seine Familie aus dem Lager zu schmuggeln. "Das ist so grausam, was den Menschen angetan wurde", äußert Alexander beim Betrachten der Bilder verstört.

Es war so offensichtlich

Der Dreizehnjährige besucht mit seiner Klasse vom Albert-Einstein-Gymnasium den Zug. Im Unterricht hatten sie sich mit der Nazi-Zeit beschäftigt, doch die Theorie blieb irgendwie grau und bekommt erst jetzt viele Gesichter. "Man kann nicht glauben, dass niemand etwas gemerkt haben will", äußert sein Freund Bastian misstrauisch.

Damit spricht er etwas an, was so viele bewegt, die Deportationen scheinen im Rückblick so offensichtlich. Wieso schritt niemand ein? Wieso half auch in Bochum kein Mensch, den 31 Kindern und 560 Erwachsenen, die aus ihrer Mitte in den Tod gerissen wurden?

Positive Veränderungen

Der letzte Teil der Ausstellung, der teilweise von Schulklassen gestaltet wurde, erinnert an diese Bochumer Opfer. Doch OB Dr. Ottilie Scholz wies bei der Eröffnung auch auf die positiven Veänderungen und das große Engagement von Stadt und Bürgern gegen rechtsextremes Gedankengut hin. Und sie mahnte an diesem trüben und windigen Vormittag: "Wie würde sich das wohl anfühlen, hier zu stehen und mit diesem Zug fahren zu müssen?"

www.zug-der-erinnerung.eu