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Das deutsche Kind

Hannover. Die kleine Pia muss den Unfalltod ihrer Mutter verarbeiten. Das sechsjährige Mädchen möchte nicht zu ihren Großeltern, sondern in eine islamische Familie. Das sorgt sofort für Streit und Aufregung.

Das deutsche Kind

Sehra (Neshe Demir) und Cem (Murathan Muslu) bringen Pia (Malina Harbort) zu ihren Großeltern. Foto: NDR/Banana Tree Film/ARD/Daniela Incoronato

Ein Lkw überrollt eine alleinerziehende Mutter - und löst damit einen aberwitzigen Streit ums Sorgerecht und die Erziehung einer Sechsjährigen aus. Mit dieser Szene beginnt der in Hannover spielende Film „Das deutsche Kind“, der am Mittwoch (4. April) um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

Nach dem Tod von Natalie Unger (Petra Schmidt-Schaller) wird die kleine Pia zum Spielball der Angehörigen - und zum Spielball der Kulturen. Denn statt bei ihren Großeltern soll die Tochter (Malina Harbort) nach Natalies Wunsch in ihrem Testament bei der besten Freundin der Mutter aufwachsen. Und damit in einer islamischen Familie.

Die Pflege-Eltern Sehra Balta (Neshe Demir) und Cem Balta (Murathan Muslu), ein angehender Imam, machen sich die Entscheidung nicht einfach. Sie haben eine eigene Tochter Hanna (Sue Moosbauer) und nehmen Pia zusätzlich auf. Aber dadurch handeln sie sich heftige Kritik in der Familie und auch den Unmut von Hanna ein. Die Herausforderungen, mit denen sich die Eltern konfrontiert sehen, als sie das junge Mädchen zu sich nehmen, erweisen sich als deutlich größer als erwartet.

Pias Großeltern gehen von Anfang an auf Distanz zu der islamischen Familie. Jedes zweite Wochenende dürfen Christine Unger (Katrin Sass) und ihr Mann Theodor (Lutz Blochberger) auf ihr Enkelkind aufpassen. Oma und Opa, die voller Argwohn sind und keinen Konflikt scheuen, machen dem Mädchen großzügige Geschenke und lassen sie taufen - auch um sie vor der anderen Religion abzugrenzen. Früh gibt es Konflikte im Verhältnis der Großeltern zur erziehungsberechtigten Familie. Oft scheint es den Streitenden mehr um Glaube, Heimat und Religion zu gehen als um das Kind.

„Ich weiß nur eines, dass Sie uns das Enkelkind wegnehmen“, zürnt Großmutter Christine gegen Sehra und Cem. Mehr noch als um das Sorgerecht geht es in dem Drama unter der Regie von Umut Dag aber um die akutelle Frage, ob und wie der Islam zu Deutschland gehört. Der Film handelt von Integration und darum, ob hierzulande dafür bereits genug gesorgt wird. Auch deshalb werde „Das deutsche Kind“ vielleicht polarisieren, so die zuständige NDR-Redakteurin Daniela Mussgiller.

Die Geschichte aus der Perspektive der Großeltern zu erzählen, hat der Drehbuchautor Paul Salisbury verworfen. „Das ist nicht mein Ansatz gewesen. Ich wollte von der Mehrheit der Muslime erzählen, jenseits des dauerpräsenten Themas Extremismus“, sagt er. Stattdessen rücken Religion und muslimischer Alltagsglaube in dem 90-minütigen Film stärker in den Vordergrund.

Die Idee dazu kam Salisbury bei der Geburt seiner eigenen Tochter: „Ich habe mich gefragt: Würde ich unser Kind einem befreundeten Nachbarn zum Babysitten anvertrauen, der Moslem ist? Spielt dessen Glauben für meine Entscheidung überhaupt eine Rolle?“ Vor allem für die Großeltern spielt die Religion in diesem Fall eine große Rolle. Und sie lassen nichts unversucht, ihre Pia nach dem tragischen Tod der Mutter wieder an sich zu reißen.

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