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Mehr Freiheiten für Reiter nach Gesetzänderung

Das müssen Reiter in Nordkirchen und Umgebung jetzt beachten

Nordkirchen Seit dem 1. Januar regelt ein neues NRW-Gesetz das Reiten in der Natur. Dennoch sind die Regelungen in den Kreisen unterschiedlich. Eine Sache müssen aber alle Reiter beachten.

Das müssen Reiter in Nordkirchen und Umgebung jetzt beachten

So sehen die Plaketten aus.Wolters (A)

Zum 1. Januar dieses Jahres ist das neue Landesnaturschutzgesetz in Kraft getreten. Damit ändern sich die Regeln für Reiter in Nordrhein-Westfalen. Zuvor hatten sich Pferdeverbände jahrelang für eine liberalere Regelung eingesetzt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Gesetz.

Was sind die wichtigsten Änderungen?

„Das Gesetz hat die Rechtslage umgekehrt“, erklärt Hermann Grömping von der Abteilung Umwelt des Kreises Coesfeld. Zuvor war das Reiten im Wald, abgesehen von speziell ausgeschilderten Reitwegen, verboten. Nun ist das Reiten im Wald laut Gesetz auch „auf privaten Straßen und Fahrwegen“ gestattet.

Reiter können also jetzt prinzipiell auch alle befestigten Wege, Waldwirtschaftswege miteinbeschlossen, auf ihren Ausritten benutzen. Zudem gibt es kein pauschales Wanderwegsverbot mehr: Diese dürfen nun ebenfalls beritten werden.

Außerdem gilt ein geführtes Pferd seit diesem Jahr vor dem Gesetz wie ein gerittenes. Es darf folglich auch nur auf den erlaubten Wegen geführt werden.

Im Gesetz ist festgehalten, dass Kreise und kreisfreie Städte diese Regelungen noch weiter liberalisieren oder aber beschränken können. In Gebieten mit „geringem Reitaufkommen“ können auch alle Wege freigegeben werden. In „Waldflächen, die in besonderem Maße für Erholungszwecke genutzt werden“ hingegen können die Kreise das Reiten auch weiterhin nur auf speziellen Reitwegen erlauben. Das geschehe vor allem in Gegenden mit „konzentrierter Freizeitnutzung“ um dort Konflikte zu vermeiden, erklärt Grömping.

Wie ist die Regelung im Kreis Unna?

Im Kreis Unna ändert sich nicht viel. Vor dem neuen Gesetz gab es bereits eine Freistellungsregelung, die das Reiten im Wald auf privaten Straßen, befestigten Fahrwegen und Wirtschaftswegen erlaubte. Das Gebiet „Alstedder Mark“ in Lünen/Selm war bisher davon ausgenommen. Jetzt darf auch dort auf allen befestigten Wegen geritten werden. Außerdem fallen die pauschalen Wanderwegsverbote weg. In den Waldgebieten „Schwerter Wald“, „Ebberg“ und „Bürenbruch“ ist das Reiten hingegen weiterhin nur auf speziellen Reiterwegen erlaubt – das Wegenetz wurde aber im Bereich „Ebberg“ und „Bürenbruch“ erweitert. In Naturschutzgebieten darf weiterhin nicht geritten werden. Ausnahme sind hierbei die „Wälder bei Cappenberg“, in denen die Reitwege benutzt werden dürfen.

Wie ist die Regelung im Kreis Coesfeld?

Im Kreis Coesfeld ist es anders: „Es hat sich sehr viel verändert“, bekräftigt Hermann Grömping. Vor der Gesetzesänderung gab es auch hier eine Freistellungsregelung, durch die Wälder für den Reitsport freigestellt wurden. Dadurch durfte auch hier, mit Ausnahme von 22 schutzbedürftigen Waldgebieten, im Wald auf allen öffentlichen und privaten Wegen geritten werden. Seit der Änderung dürfen nun zusätzlich Waldwirtschaftswege benutzt werden – diese waren bisher von der Freistellungsregelung ausgenommen. Neu ist außerdem auch hier, dass nun Wanderwege benutzt werden dürfen. In Naturschutzgebieten dürfe laut Grömpling weiterhin nur auf ausgeschilderten Wegen geritten werden. Der Kreis plane hier aber eine Änderung, sodass in Zukunft auch dort generell auf allen befestigten Wegen geritten werden dürfte. Im Gegenzug solle die Reiterei dann in manchen Naturschutzgebieten komplett verboten werden. Zum Beispiel im Venner Moor, wo Pferdehufe bleibende Schäden auf dem weichen Boden hinterlassen.

Wo ist Reiten tabu?

Auf Wegen, auf denen das Reiten anhand von Schildern verboten ist und auf Privatwegen, die zu Haus- und Hofeinfahrten gehören. Zudem darf in den meisten Naturschutzgebieten nur auf speziellen Reiterwegen geritten werden. Querfeldein zu Pferd unterwegs zu sein ist in den Kreisen ebenfalls größtenteils verboten.

Benötige ich im Kreis Unna/Coesfeld eine Plakette zum Ausreiten?

Ja, wer in der Natur unterwegs ist, benötigt eine Plakette für sein Pferd. Diese ist haltergebunden: Dementsprechend kann eine Plakette auch für mehrere Pferde verwendet werden. Sie muss gut sichtbar beidseitig am Zaumzeug angebracht werden. Der Halter muss dafür sorgen, dass sein Pferd, auch wenn es von anderen geritten wird, mit Plakette unterwegs ist.

Das müssen Reiter in Nordkirchen und Umgebung jetzt beachten

Wie viel kostet die Plakette und woher bekomme ich sie?

Die jährlich zu erneuernde Plakette kann gegen eine Gebühr inklusive einer Reiterabgabe beantragt werden (siehe Grafik).

Antragsformulare befinden sich auf den Internetseiten der jeweiligen Kreise. Diese können entweder ausgedruckt und per Fax an die zuständige Behörde verschickt werden oder direkt online ausgefüllt werden.

Wofür wird die Gebühr verwendet?

Bei der Plakette handelt sich um eine zweckgebundene Gebühr. Das heißt, dass die Einnahmen zu 100 Prozent in die Pflege und Erweiterung des Reitwegenetzes in ganz NRW fließen.

Wie gut halten sich Reiter an die Kennzeichnungspflicht?

Auf Nachfrage berichtet Constanze Rauert, Pressesprecherin des Kreises Unna, dass immer wieder Verstöße gemeldet würden. Eine Plakette hätten „bei Weitem nicht alle, die draußen unterwegs sind“, bestätigt auch Hermann Grömping vom Kreis Coesfeld. Man habe jedoch in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung in der Verbreitung des Kennzeichens feststellen können.

Wie werden Verstöße gegen die Plakettenpflicht bestraft?

Im Kreis Unna würden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, „zum Beispiel durch ehrenamtliche Landschaftswächter“, berichtet Constanze Rauert. Wer ohne Plakette unterwegs ist, müsse mit einem Bußgeld von bis zu 100 Euro rechnen.

„Es gibt Regeln, die einzuhalten sind und wir kontrollieren auch, dass das eingehalten wird“, bekräftigt Hermann Grömping vom Kreis Coesfeld. Es gebe zwar keine systematischen Kontrollen, aber immer mal wieder Aktionen in Gebieten, aus denen häufig Beschwerden eingehen. Wer im Kreis Coesfeld ohne Plakette erwischt wird, muss mit einem Bußgeld zwischen 100 und 750 Euro rechnen.

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