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Debatte um Gesamtschul-Abitur

DÜSSELDORF Die Opposition hat der nordrhein-westfälischen Schulministerin Barbara Sommer (CDU) vorgeworfen, die Gesamtschulen zu diffamieren. Die Ministerin wehrte sich.

Debatte um Gesamtschul-Abitur

NRW-Schulministerin Barbara Sommer.

 SPD und Grüne kritisierten am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde des Landtags,  dass Sommer in ihrer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn den Eindruck erweckt habe, an Gesamtschulen werde ein minderwertiges Abitur vergeben.

Sommer wies die Vorwürfe zurück. Tatsache sei aber, dass der Notenschnitt an Gesamtschulen schlechter und die Durchfallerquote höher sei als beim Abitur an Gymnasien. „Aus ideologischen Gründen haben Sie die Gesamtschule jahrelang schöngeredet“, hielt Sommer der rot-grünen Vorgängerregierung vor. „Sie haben die Ergebnisse versteckt. Wir haben sie gefunden.“ Beim Zentralabitur 2008 war die Durchschnittsnote an Gymnasien nach Zahlen des Schulministeriums mit 2,59 etwa eine Viertel Note besser ausgefallen als an den Gesamtschulen. Dort war gleichzeitig die Durchfaller-Quote mit 6,7 Prozent fast viermal so hoch wie an den Gymnasien.

„Wir wollen die Gesamtschulen unterstützen, damit sie ihre Schüler genauso erfolgreich auf das Abitur vorbereiten können“, sagte Sommer. Dagegen forderte die FDP-Fraktion, die Gesamtschul-Oberstufen abzuschaffen. Sie seien die selektivste Schulform im gesamten Bildungswesen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Ralf Witzel.   40 Prozent ihrer Schüler scheiterten auf dem Weg zum Abitur. Witzel sprach von einem „Noten-Lifting“ an Gesamtschulen. „Die Gesamtschulen müssen 'raus aus dem politischen Streichelzoo, 'rein ins Fitnessstudio.“"

Die Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer bezeichnete Witzel als „Bildungs-Taliban“. Die frühere Schulministerin Ute Schäfer (SPD) attestierte bei dem FDP-Politiker ein Trauma. „Seit frühester Kindheit müssen Sie Gesamtschulen hassen. Anders ist das nicht zu erklären“, kommentierte die SPD-Vizefraktionschefin Witzels Äußerungen. Schäfer warf der Koalition vor, die soziale Herkunft der Gesamtschüler auszublenden. Dabei seien unterschiedliche Startchancen auf dem Weg zum Abitur an beiden Schulformen nicht zu leugnen.

Mit ihren Äußerungen über ein Abitur „in Light-Version und Normalmaßstab“ habe die Ministerin 220.000 Gesamtschüler und deren Eltern sowie 18.000 Lehrer vor den Kopf gestoßen und ihre Leistungen entwertet, kritisierten SPD und Grüne. „Kinder müssen motiviert, nicht beschämt und ungerecht behandelt werden“, mahnte Beer.   Sommer spiele minimale Notenunterschiede nach oben, während besonders erfolgreiche Arbeiten der Gesamtschüler - etwa bei den Deutschklausuren im Zentralabitur - gezielt verschwiegen würden.

Sommer führte dagegen die frühere Schulministerin Gabriele Behler (SPD) für ihre Argumentation ins Feld. Die SPD-Politikerin habe ebenfalls öffentlich konstatiert, dass es sowohl bei der Leistung als auch bei der Chancengerechtigkeit unbefriedigende Ergebnisse an den Gesamtschulen gebe. Doch dagegen habe die Vorgängerregierung nichts unternommen. „Wann immer Sie alle meinen Rücktritt fordern - das adelt mich“, hielt Sommer der Opposition entgegen.

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