Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Der Armut auf der Spur

BOCHUM Armut hat viele Gesichter - auch in Bochum. Rund 160 davon können die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Suppenküche e.V. täglich sehen.

von von Joachim Stöwer

, 30.10.2007

Die barmherzige Essenausgabe war nur eine von sechs Stationen, die der DGB gestern bei seinem Stadtrundgang aufsuchte, begleitet von Superintendent Fred Sobiech und Stadtdechant Hermann-Josef Bittern. Den Anlass, die "Spuren der Armut" zu suchen, hatte die Schultüten-Aktion geliefert, schildert Michael Hermund, Vorsitzender der DGB-Region Ruhr Mark - "da haben wir gesehen, dass es gerade den ALG II-Empfängern am Nötigsten fehlt".

Spendengeld reicht

Dass das Leben aber auch schon vor Hartz IV hart war, kann Lore Lehnert von der Suppenküche in der Arndtstraße bestätigen. Rund 35000 Essen geben sie und ihre Ehrenamtlichen schon lange jährlich aus - für 50 Cent. Im Einkauf beim AKAFÖ sind die Portionen natürlich erheblich teurer, "aber wir können das mit Spendengeldern auffangen."

"Wir wollen auf dem Rundgang genau hinsehen", hatte Sobiech zum Auftakt der Rundgangs an der Pauluskirche bekräftigt. Er meinte "auf die Armut", aber auch auf die "Armut der Gesellschaft, die vielen Menschen ihre Lebensmöglichkeiten nimmt."

Forderungskatalog

Auch den rund 150 Armen, die von der Wattenscheider Tafel jeden Dienstag in der Pauluskirche mit Lebensmitteln versorgt werden. Mitarbeiter Uwe Staecker registriert allerdings rückläufige Zahlen - "das liegt daran, dass es inzwischen viel mehr Ausgabestellen auch in den Ortsteilen gibt." Wie er kann auch Lehnert bestätigen, dass der Zulauf gegen Monatsende anschwillt. Bei Hartz IV reciht das Geld eben selten bis Ultimo. Und verdeckte Armut offenbart sich oft bei Kindern - nicht in der Suppenküche, sondern in der Schule.

Hermund fordert deshalb, Schulverpflegung für Kinder aus armen Familien kostenlos anzubieten, die Regelsätze zu erhöhen und die Einmalzahlungen wieder einzuführen (siehe Schultüten). Weitere Anregungen zu einem Bochumer Forderungskatalog sollen noch zusammengestellt werden. Nicht nur mit Blick auf die Anlaufstationen der Not leidenden Bevölkerung, sondern auch auf die nicht erkennbare Not - Armut hat oft auch kein Gesicht.