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Kohle-Förderung

Der Bergbau an der Saar geht zu Ende

Saarbrücken/Herne Am 30. Juni endet die lange Geschichte des Bergbaus im Saarland. Nach einem Grubenbeben wurde der Temin um sechs Jahre nach vorne Verlegt. Dann ist NRW das letzte Kohleland in Deutschland.

Der Bergbau an der Saar geht zu Ende

Nach vielen Jahren kommt der Bergbau im Saarland zu einem Ende.

Ein ganzes Industriezeitalter lässt sich nicht so schnell aus der Landschaft tilgen. Die riesigen Halden und mächtigen Fördertürme werden den Saarländern erst einmal erhalten bleiben - ein Trost in Stein, Stahl und Beton: Am 30. Juni endet die 250-jährige Geschichte des Steinkohle-Bergbaus an der Saar. Steinkohle wird danach in Deutschland bis zum kompletten Ausstieg Ende 2018 nur noch in Nordrhein-Westfalen abgebaut. „Ich sehe das mit schmerzlichen Gefühlen“, sagt der Chef des Herner Zechenkonzerns RAG, Bernd Tönjes.

 Eigentlich wollte das Saarland erst 2018 Abschied von der Steinkohle nehmen. Doch dann bebte am 23. Februar 2008 die Erde. 4,5 maßen die Geologen auf der Richterskala - das stärkste Grubenbeben aller Zeiten an der Saar. Zigtausende Gebäude wurden beschädigt, wie durch ein Wunder gab es keine Verletzten. Aber die Bevölkerung, die Generationen lang mit Bergschäden gelebt hatte, reagierte mit Mahnwachen und wütendem Protest. Bundesweit hoben Zeitungen die Fotos der stark beschädigten St. Blasius-Kirche in Saarwellingen auf ihre Titel.Der damalige Ministerpräsident Peter Müller (CDU) verkündete sofort einen Abbaustopp, später wurde beschlossen, das Ende des Saar-Bergbaus auf Mitte 2012 vorzuziehen. Wie erstarrt waren die Kohle-Befürworter angesichts der Fast-Katastrophe. Für den Saar-Bergbau hob sich keine Hand mehr.  Dabei hatten zu Hochzeiten in den Saargruben rund 70.000 Menschen gearbeitet, eine riesige Anzahl für das vergleichsweise kleine Saarland. Im Jahr 1957 wurde mit 17 Millionen Tonnen der Förderrekord aufgestellt. Doch schon in den 1970er Jahren begann der langsame, aber unaufhaltsame Niedergang. Importkohle war deutlich billiger als die heimische Kohle. Die Politik - vor allem FDP und Grüne - forderte immer lauter den Ausstieg aus den milliardenschweren Subventionen.

 Zuletzt arbeiteten nur noch knapp 1200 Menschen im Saar-Bergwerk der RAG Deutsche Steinkohle AG. Sie werden in diesem Jahr gerade mal 400.000 Tonnen „Kohle machen“, wie es im Jargon heißt. Wenn die Grube zu ist, ziehen Hunderte Bergmanns-Familien in Richtung Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen, um in der dortigen Zeche noch ein paar Jahre für die RAG weiterzuarbeiten.  Aus den Schächten im Saarland wird noch wertvolles Gerät herausgeholt, später werden sie mit Beton gefüllt. Der Betriebsratsvorsitzende im Bergwerk Saar, Hans-Jürgen Becker, klagt: „Es bleibt die Wehmut, die Heimat zu verlassen.“ „Es geht nur noch um die Abwicklung“, sagt auch der Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE, Dietmar Geuskens. Eine gewisse „Verbitterung“ der Bergleute sei deshalb verständlich.  Die jetzige Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will nach vorne schauen. Es gehe darum, „die Zeit nach der Kohle zu gestalten“, sagt sie. Dennoch hat auch Kramp-Karrenbauer Verständnis für ein „gewisses Gefühl der Traurigkeit“ bei den Betroffenen.

 Von den Bergleuten könnten die Saarländer für die Zukunft etwas mitnehmen, meint sie: „Ein hohes Maß an Kameradschaft und Solidarität, ein hohes Maß, wirklich hart zu arbeiten unter schwierigen Bedingungen, und ein hohes Maß an Beharrungsvermögen.“ Von dieser Haltung hat die Politikerin auch persönlich profitiert: Ihr Partner ist Bergmann. Während Kramp-Karrenbauer Karriere machte, wechselte er in die Nachtschicht, um tagsüber die drei gemeinsamen Kinder zu erziehen. 

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