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Der «Rosenkavalier» eher konventionell in Hamburg

Hamburg (dpa) Dass die Opern von Richard Strauss ihre Leidenschaft sind, hat Hamburgs Opernintendantin Simone Young stets freudig verkündet.

So hatte sie denn auch ihre erste Hamburger Strauss-Premiere der «Frau ohne Schatten» Anfang dieses Jahres am Pult zur Chefsache erklärt - mit dem für sie allerdings wenig schmeichelhaften Resultat, dass ihr dabei heftige Buh-Rufe entgegengeschlagen waren. Bei der Vorstellung eines neuen «Rosenkavalier» für die Hansestadt fand sie bei den Premierengästen entschieden mehr Zustimmung, wenn es im kräftigen Schlussapplaus auch deutliche Missfallensäußerungen für den Zürcher Regisseur Marco Arturo Marelli gab.

Wer Strauss-Hofmannsthals glorios untergehendes Rokoko-Wien auf dr Bühne nach eher konventioneller Manier aufgestellt liebt, kam voll auf seine Kosten in Marellis Strauss-Schau. Welten schienen jedenfalls zwischen seiner und Peter Konwitschnys vor fünf Jahren am selben Ort ausgetragener pessimistisch schwarzer «Rosenkavalier»- Analyse zu liegen, die die Liebenden in tödlicher Vereisung enden ließ. Zwar durfte auch bei Marelli gleich zu Beginn ein Sensenmann mit weißer Fiedel und grellem Karnevalsvölkchen im Gefolge über den vielfach funkelnden Bühnengrund tanzen. Nach dem Motto: Der Tod ist eben auch ein Meister aus Wien.

Aber aus solchen Signalen ergab sich bei Marelli absolut nichts Neues, Originelles oder Spannungtreibendes, wenn auch sein Bühnenbild ­ mit prachtvoll reflektierenden Hängespiegeln und einer Putten- beflügelten Himmelslandschaft à la Tiepolo ­ sicher ansehenswert war. Nur gut, dass er sich als Regisseur immerhin für die wirklich bedeutungsvollen Augenblicke des «Rosenkavalier» alle überflüssige Action versagte und so den Protagonisten Ruhe und Raum gab zur Darstellung ihrer inneren Emotionen. Allem voran der Marschallin bei ihrem ergreifenden Monolog über die Zeit und die Vergänglichkeit sowie beim großen Verzichtsdialog mit ihrem jungen Geliebten Octavian und dessen Liebesduett mit Sophie.

«Die Zeit, die ist ein sonderbar' Ding»: In diesen alles Possenhafte gefühlsstark von sich weisenden Augenblicken des «Rosenkavalier» fand denn auch Simone Young am Pult der Philharmoniker zu wirklich sensiblem und bewegendem Musizieren. Während ansonsten manches etwas zu knallig, klanglich nicht fein genug ausbalanciert erschien. Der wunderbar verklärte und verfremdete Wiener Tonfall des «Rosenkavalier» verlangt nach eben so viel natürlicher wie artifizieller Raffinesse. Hier gilt es nachzubessern. An Temperament und drastischem Schwung für die tumultartigen Szenen dieser «Wiener Maskerad» mangelte es ja nicht.

Melanie Diener war Hamburgs neue, gefeierte Marschallin: Mit schöner, ebenmässig geführter Stimme und eleganter Darstellung gab sie vor allem den resignativen Zügen dieser einzigartigen Figur blendendes Format. Durchaus eindrucksvoll war auch Lucy Schaufer als jungenhaft gewitzter, gegen die gängigen Vorstellungen ankämpfender Octavian. Die Sophie der Ha Young Lee würzte ihren Gesang mit Süße und Rebellion. Peter Rose als aufgeblasener Schwerenöter Baron Ochs gewann im Laufe des Abends immer mehr an Statur. Ein Volltreffer als Sänger: Wookyung Kim.

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