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Der "Tag des Friedens" erinnert an Befreiung

Aplerbecker Gedenken

12. April 1945: US-Streitkräfte warten vor den Toren Aplerbecks darauf, den Stadtteil von den Nazis zu befreien. Mit dem Hissen weißer Fahnen verhindern mutige Aplerbecker ein mögliches gewaltsames Aufeinandertreffen. Ihnen wird nun der „Tag des Friedens“ gewidmet.

APLERBECK

von Von Christian Stein

, 13.04.2012

Friedrich Möllenhoff war einst Leiter der Verwaltungsstelle. Als am Morgen des 12. April 1945 die Streitkräfte der US-Armee bis nach Sölde und Brackel vorgerückt waren, um auch Aplerbeck einzunehmen, hisste Möllenhoff eine weiße Flagge am Amtshaus – um die Einwohner zu warnen.  Für rund 30 Aplerbecker kam diese Warnung allerdings zu spät: Sie verloren bei einem vorangegangenen Granateneinschlag ihr Leben. "Ohne den Mut von Herrn Möllenhoff wären es weitaus mehr Opfer gewesen", würdigt Bezirksbürgermeister Sascha Mader das nicht ungefährliche Handeln des früheren Verwaltungsstellenleiters.

Denn Friedrich Möllenhoff ist von einem NS-Offizier mit der Waffe bedroht worden, nachdem er die weiße Fahne aufgezogen hatte. "Da eine kleine Einheit der Nationalsozialisten nicht die Flucht ergriffen hat und Widerstand leisten wollte, hat er sich einem enormen Risiko ausgesetzt", betont Dr. Georg Eggenstein.Der Vorsitzende des Aplerbecker Geschichtsvereins lobt aber nicht nur das mutige Einschreiten von Friedrich Möllenhoff. "Auch den Männern, die eine weiße Flagge an der Großen Kirche an der Märtmannstraße gehisst haben, gebührt großer Dank", sagt Eggenstein. Weitaus friedlich nahmen die amerikanischen Streitkräfte Aplerbeck an diesem Tag ein. Um den Aplerbeckern, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um andere Leben zu retten, die Ehre zu erweisen, gilt in Aplerbeck ab sofort der 12. April als der "Tag des Friedens".

Dieser Ehrentag soll ebenso an die NS-Diktatur erinnern, wie eine Broschüre, die der Aplerbecker Geschichtsverein nun herausgegeben hat. Auf 71 Seiten widmen sich die Autoren Dr. Georg Eggenstein, Birgit Mader, Niklas Colditz, Werner Blanke und Andreas Roshol den 37 im Stadtbezirk verlegten Stolpersteinen. Jeder einzelne dieser Gedenktafeln steht für einen jüdischen Mitbürger, der von den Nationalisten ermordet wurde. "Das Erinnern wird immer wichtiger, weil die Zeitzeugen weniger werden", sagt Bezirksbürgermeister Sascha Mader. Um nicht nur zu erinnern, sondern auch zu mahnen, finanziert das Stadtbezirksmarketing die 1000 Stück starke Auflage der Broschüre mit 5000 Euro. "Weil es enorm wichtig ist, dass wir uns die damaligen Verbrechen, die zu verblassen drohen, vor Augen führen", betont Eggenstein. 

  • Die Broschüre (Preis: 2 Euro) wird am 24. April um 17 Uhr beim Aplerbecker Geschichtsverein (Schüruferstraße 301) vorgestellt.