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„Der Watzmann ruft“: Kultstück feiert Premiere ohne Ambros

München. Der Watzmann ruft, das Publikum kommt - wie seit 40 Jahren. Im tiefen Alpental ist der Fortschritt in Form von Handy und Laptop eingezogen, ansonsten dominiert wie eh und je die Lederhose. Das „Rustical“ aus den 1970er Jahren bleibt am Ende unverwüstlich.

„Der Watzmann ruft“: Kultstück feiert Premiere ohne Ambros

Bunt und knallig: Das Musical "Der Watzmann ruft" ist im Deutschen Theater zu sehen. Foto: Tobias Hase

Der Berg leuchtet blutig rot, Felsen türmen sich, der Wind pfeift und Gewitterblitze zucken. Das Alpenrock-Musical „Der Watzmann ruft“ ist auf die Bühne zurückgekehrt.

Das Kultstück, das der Liedermacher Wolfgang Ambros und seine Band in vier Jahrzehnten unzählige Male auf die Bühne brachten, hat am Mittwochabend in München in einer Neuinszenierung seine Premiere gefeiert.

Regisseurin Gitti Guggenbichler inszenierte die Alpenland-Parodie im Deutschen Theater farbig und mit Tanzeinlagen, wie man sie von dem Haus kennt. Knechte wirbeln fesche Mägde herum, zu fortgeschrittener Stunde in knallbunten BHs vom oberen Teil des Dirndl befreit.

Darüber hinaus ist alles beim Alten: Lederhosen, Rauschebärte in den Gesichtern und Gamsbärte auf den Sepplhüten. Im Publikum: Fans von früher, manche ebenfalls in Lederhosen und mit Filzhut. Hohe Erwartungen, natürlich.

Ambros, der die Ur-Version in den 1970er Jahren mit Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz schrieb, war nicht mehr dabei. Er hatte 2016 von dem Musical Abschied genommen.

„Rustical“ hatten die Autoren das Stück anfangs genannt, ein rustikales Musical, das hintersinnig das eher spaßfreie Bauerndrama aufs Korn nimmt. Die Bergbauern-Saga erzählt vom Leben am Fuß des düsteren Berges, den Männern und der Gailtalerin, die diese lockt und zugleich ins Verderben scheucht. Denn der böse Watzmann sucht Opfer - und um an den Bauernbuben heranzukommen, setzt der Berggeist die „ausgschamte Dirn“ ein. „Du muast aufi, Bua! Du kannst as schaffn!“, lockt die Gailtalerin. „Und wanns'd eam untakriagst, dann bin i dein!“ Natürlich rennt der Bua „aufi“ auf den Berg - und fällt dann runter.

„Der liebe Gott sieht alles, und der liebe Gott hört alles.... und der liebe Gott riecht alles!“: Die bedepperten und doch wieder sinnigen Sentenzen der Knechte am Rande des Misthaufens sind Klassiker. Der Aktualität halber kommt nun der Laptop vor, der abstürzt, also herunterfällt, und das Iphone, das selbst der bucklige Großknecht längst hat. Markus Söder wird irgendwie eingebaut, ein bisschen die Heimat und das ihr zugeordnete Ministerium, und auch die Flucht- und Flüchtlingsproblematik. Die keifenden Bauersfrauen haben ihre Kopftücher wie Musliminnen um den Kopf geschlungen, bleiben aber beim „Ave Maria“.

Die kuriose Persiflage auf das Leben am Alpenfuß mit seinen sturen Naturen, den Verlockungen von Berg und Weib und den gegenseitigen Gemeinheiten bleibt am Ende unverwüstlich. Das Publikum spielte, wenngleich manchmal etwas verhalten, mit und mimte das majestätische Echo der Felswände.

Prokopetz als letzter der ursprünglichen Stammbesetzung begeisterte als Bauer und legendärer Großknecht. Christoph Fälbl wechselte mustergültig die Rollen zwischen „Bua“ und Knecht. Klaus Eberhartinger, Frontmann der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, gab im rotem Dirndl und mit blonden Zöpfen eine stramme Gailtalerin, die jede Moralvorstellung genüsslich konterkariert. Fälbl und Eberhartinger waren seit Jahren bei Tourneen mit Ambros dabei.

Den Ambros-Part übernahm Mathias Kellner als Sänger und Bandleader der österreichischen Gruppe No. 1 vom Wienerwald, die Ambros gegründet hatte. Er versuchte kein Ambros-Imitat. Die Bandmitglieder Erich Buchebner, Günter Dzikowski, Peter Koller und Harry Stampfer sorgten für den bewährt satten Sound. Neue und sehr bereichernde Töne brachte mit ihrer Violine die Geigerin Anna Katharina Kränzlein ein, die bis 2017 bei der Band Schandmaul und früher auch schon mit Ambros musikalisch aktiv war. Und Ambros selbst: Ein bisschen fehlt er dann doch.

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