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Der Zug nach Nirgendwo

BOCHUM Der Bochumer Hauptbahnhof Freitag Morgen um 8 Uhr. Wo sich sonst um diese Zeit Massen von Pendlern ihren Weg bahnen, scheint es an diesem Morgen recht verwaist. Die immer wieder gleiche Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste aufgrund des Streiks…“, ratlose Gesichter vor der rotierenden Anzeigentafel und mittlerweile Augenrollen und Kopfschütteln.

von von Katrin Herbstreit

, 12.10.2007
Der Zug nach Nirgendwo

Suchen im Dunkeln hilft auch nicht weiter - die Züge kommen nicht.

Von dem Verständnis, das den Streikenden bei den letzten Ausfällen entgegengebracht wurde ist nicht mehr viel zu spüren. „Wir müssen schließlich auch zur Arbeit“ und „Ich verdiene auch nicht mehr“, hört man da auf Nachfrage. Währenddessen ist die junge Frau am Gleis 5 froh endlich in Bochum zu sein: „Eine Stunde musste ich allein in Wetter warten. Ich hab schon Horror vor der Rückfahrt. Vielleicht muss mich mein Freund mit dem Auto abholen“, droht sie lachend an. Doch das ist heute leichter gesagt, als getan.

Keine Informationen

Nachdem die Bahn, die sonst mit vollmundigen Slogans ihr Kommen prophezeit, am Donnerstag bereits empfohlen hat auf das Auto umzusteigen, liegt an diesem Morgen der Verkehr größtenteils lahm. „Die A43 war dicht. Ich komme aus Marl und habe heute Morgen doppelt so lange gebraucht wie sonst“, bestätigt ein Passant sichtlich entnervt, der den Bahnhof nur als Abkürzung benutzt und täglich mit dem Auto zur Arbeit nach Bochum kommt.

Vielleicht auch eine Abkürzung nutzend oder ebenfalls streikend schien sich das rot-bemützte DB-Personal zu zeigen. Denn weit und breit waren kaum informationswillige Bahnangestellte zu finden. Selbst auf die Anfrage der Ruhr Nachrichten nach den Streikauswirkungen, verzogen sich einige Mitarbeiter lieber grummelnd in ihr Häuschen.

Kunde nicht mehr König

„Der Kunde ist doch schon lange nicht mehr König bei der Bahn“, ärgerte sich ein eben dieser über mangelnde Informationsfreudigkeit. Auch zwei Schüler aus Dortmund zeigten sich unzufrieden: „Drei Züge fielen aus. Selbst der ICE hatte Verspätung und war dann erst nicht freigegeben für unser Schoko-Ticket“. Die umgekehrte Richtung von Bochum nach Dortmund strebt zur gleichen Zeit Marina Velicko  an und muss beim Blick auf die Anzeigentafel feststellen: „Meine Probleme fangen, glaube ich, gerade erst an“.

An Sympathie verloren

Frohen Mutes ist an diesem Freitag scheinbar allein eine Rentnergruppe, die den Fernverkehr nutzen will. „Das soll ja reibungslos gehen“, hofft man noch. Verstehen können sie sowohl den Ärger der Kunden, als auch die Lokführer, allerdings schränkt ein Herr ein: „Ich habe Verständnis, aber 30% sind einfach zu viel. Außerdem verlieren sie bei dem Chaos so langsam die Sympathien der Bevölkerung“.

Das machte sich auch an diesem Morgen in Bochum bemerkbar. Und das Image der Bahn hat in punkto Krisenbewältigung und Service wieder einmal deutlich gelitten.