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Der die Glocken läutet

BRECHTEN "Georg, kannst du mal? " Diese Frage hört Georg Geisler in seinem Arbeitsalltag öfter. Denn der gebürtige Rumäne aus Siebenbürgen ist als Küster seit 17 Jahren die gute Seele in der evangelischen Kirchengemeinde.

von Von Petra Frommeyer

, 24.12.2007

Wenn's brennt, ist der 47-jährige Familienvater zur Stelle. Und das im wahren Sinne des Wortes. Als ein Feuer im Turm der alten, denkmalgeschützten Kirche ausgebrochen war, hat er durch seine Umsichtigkeit Panik bei den Gottesdienstbesuchern und die schlimmsten Schäden am unersetzlichen Gebäudebestand verhindert. Routiniert hat er erst einmal das "Vater unser" zu Ende beten lassen, bevor er die gesamte Elektrizität abgeschaltet hat. Und er hielt die ganze Nacht Brandwache. Das Lob der Feuerwehr war ihm sicher und das der Gemeinde sowieso. Doch Geisler ist bescheiden: "Ich habe eben bei der Berufsgenossenschaft Kurse in Sicherheitsfragen gemacht."

So aufregend wie an diesem Tag ist es glücklicherweise nicht immer. Der gelernte Schweißer, der viel von seinem Schwiegervater, der Schreiner war, gelernt hat, ist ein "Allrounder": zuständig für die Sauberkeit im und ums Gemeindehaus, fürs Rasenmähen am Kindergarten. Er berät Brautpaare in Sachen Blumenschmuck ("Ich mag es gerne bunt.") und kocht hervorragend Kaffee. "Außerdem ist er der erste Ansprechpartner für die Gottesdienstbesucher, denen er die Gesangbücher aushändigt", ergänzt Pfarrer Hanno Gerke, der um die vielen Talente des Küsters weiß.

Dienst an Heiligabend

Georg Geisler sorgt natürlich auch für die perfekte Raumakustik im Gotteshaus und das pünktliche Läuten der Glocken - auch am Heiligen Abend. Dann hat er Dienst: um 16, 18 und um 23 Uhr. Na ja, dazwischen bleibt ein wenig Zeit für die Familie, für Ehefrau Johanna, die Kinder Reinhard und Brigitte. Dass er wie ein Profi den großen Weihnachtsbaum in der Kirche schmückt, den er selbstverständlich vorher besorgt hat, muss man eigentlich nicht erwähnen.

"Wie wichtig unser Küster ist, erleben wir im Zyklus eines Gemeindejahres", sagt Pfarrer Gerke. Ein Gemeinde- oder Weihnachtsfest ohne ihn: kaum vorstellbar. "Dann ist er immer präsent und geht erst heim, wenn die letzte Zeltstange verstaut ist," lobt Seelsorger Gerke.

"Das größte Glück für mich"

Georg Geisler ist mit seinem Beruf rundum zufrieden. "Das war ein großes Glück für mich. Es macht Spaß, immer wieder mit Menschen zu tun zu haben. Inzwischen kennt mich auch fast jeder im Dorf."

In seiner Freizeit ist er ein begeisterter Volleyballer im TV Brechten. "Bei den Alten Herren. Wir haben auch schon zweimal im Knast gespielt, einmal haben wir gewonnen, einmal verloren. Das war eine interessante Erfahrung", erinnert er sich, schaut auf die Uhr und entschuldigt sich. "Gleich kommt die nächste Gruppe, ins Gemeindehaus, ich muss dann mal ..."

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