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Deutsche Wirtschaft dämpft Sorgen vor Griechenland-Krise

Frankfurt/Main (dpa) Die Eskalation der Griechenland-Krise hat die Finanzmärkte einmal mehr in Unruhe versetzt.

Deutsche Wirtschaft dämpft Sorgen vor Griechenland-Krise

Bankentürme in Frankfurt am Main: Die Institute in Deutschland betrachten das Griechenland-Risiko als begrenzt. Foto: Frank Rumpenhorst

In der Wirtschaft wird die Eskalation ebenfalls mit Sorge beobachtet. Allerdings zeichnen viele Verbände für sich ein weniger angespanntes Bild der Lage - die Auswirkungen eines möglichen Austritts Griechenlands aus dem Euro seien zu schultern. Die wichtigsten Branchen im Überblick:

- BANKEN: Die direkten Gefahren einer griechischen Staatspleite für deutsche Banken sind vergleichsweise gering. Ende 2014 hatten die Institute Berechnungen der Bundesbank zufolge in dem Euro-Land noch 2,4 Milliarden Euro verliehen. Staatsanleihen halten sie seit dem Schuldenschnitt vom Frühjahr 2012 kaum noch. Das Geld der Banken steckt vor allem in griechischen Unternehmen, so dass diese Forderungen erst bei der nach einer möglichen Staatsinsolvenz erwarteten privaten Pleitewelle ausfallen dürften.

- REISEBRANCHE: Die Reisebranche fürchtet kaum Nachteile für die Urlauber - und auch nicht für ihr Geschäft. Bislang gebe es keine vermehrten Stornierungen oder Umbuchungen, sagten Sprecher mehrerer Reiseveranstalter. Bislang lassen sich die Deutschen das Land als Urlaubsziel nicht verleiden. Laut Deutschem Reiseverband DRV reisten 2014 rund 2,5 Millionen Menschen von hier nach Griechenland in den Urlaub - so viele wie nie zuvor. Ein Austritt des Landes aus dem Euro könnte den Griechenland-Tourismus nach Einschätzung in der Branche sogar beleben. «Die Drachme könnte dafür sorgen, dass die Nebenkosten für die Urlauber sinken würden», , sagte ein Sprecher des Reiseveranstalters Thomas Cook.

- CHEMIE & PHARMA: Die Eskalation wird auch die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie nicht aus der Bahn werfen. Griechenland spiele als Auslandsmarkt für die deutsche Chemie wirtschaftlich «eine untergeordnete Rolle», sagte ein Sprecher des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Für die meisten Unternehmen gehört das in einer tiefen Krise steckende Land nicht zu den wichtigen Exportmärkten. Von den deutschen Pharmaherstellern ist nur Boehringer Ingelheim auch mit einem eigenen Werk in Griechenland vertreten.

- AUTOINDUSTRIE: Die deutsche Autoindustrie sieht in einem möglichen «Grexit» nicht nur negative Effekte. «Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone kann kein Tabu mehr sein», sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. «Er könnte - bei einer klugen Zukunftsstrategie der Euro-Staaten - sogar zu einer Stabilisierung der Eurozone beitragen.» Den möglichen Wegfall von Verkäufen nach einem Austritt des Landes aus der Gemeinschaftswährung fürchtet die Branche offenbar weniger. Mutige Reformen hätten sich in anderen angeschlagenen EU-Ländern gelohnt. «Das zeigen auch die Automobilmärkte: In Spanien stieg der Neuwagenmarkt in den ersten fünf Monaten um 22 Prozent, in Portugal um 33 Prozent, in Irland um 26 Prozent», sagte Wissmann.

- MASCHINENBAU: Für die deutschen Maschinenbauer wäre ein griechischer Austritt aus dem Euro verkraftbar. Aus reiner Marktsicht seien die Effekte überschaubar, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann. Laut VDMA lag Griechenland 2014 mit einem Exportvolumen von 360 Millionen Euro lediglich auf Rang 54 der wichtigsten Exportmärkte der Branche. Kritisch sieht der Verband die Lage der Schiffsbauindustrie und ihrer Zulieferer, da griechische Reedereien trotz der jahrelangen Krise noch immer zu den weltweit größten Auftraggebern zählten.

- TELEKOM: Die Deutsche Telekom sieht ihre griechische Tochter OTE finanziell gut aufgestellt. Zu möglichen Auswirkungen einer Staatspleite oder eines Austritts des Landes aus der Währungsunion auf die Geschäfte des Dax-Konzerns wollte sich ein Sprecher am Montag nicht äußern. «OTE ist in hervorragender Verfassung», sagte er. Die finanzielle Lage des Unternehmens sei nicht mit dem griechischen Staat vergleichbar. Die Telekom hält derzeit 40 Prozent am griechischen Telekom-Konzern OTE.

- VERSICHERER: Die großen deutschen Versicherungskonzerne sehen sich von einer Staatspleite Griechenlands kaum direkt bedroht - ihre Kapitalanlagen in dem Land sind überschaubar. «Wir haben keine griechischen Staatsanleihen mehr, andere Anlagen sind zu vernachlässigen», sagte am Montag eine Sprecherin des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Europas größter Versicherer Allianz hat rund 10 Millionen Euro in griechische Anleihen und Aktien investiert, wie eine Sprecherin sagte. Dem standen bei der Allianz Ende März Kapitalanlagen von insgesamt 662 Milliarden Euro gegenüber. Hohe Abschreibungen hatte das Unternehmen bereits früher vorgenommen.

- BAU: Die deutsche Bauindustrie macht sich kaum Sorgen. Schon vor der Krise in Griechenland waren deutsche Unternehmen nur selten in dem Land engagiert. «Die Firmen haben sich schon früh darauf eingestellt, dass es in Griechenland schwierig ist und schwierig bleibt», sagte ein Sprecher des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. 2014 habe der Auftragseingang aus Griechenland gerade einmal vier Millionen Euro betragen, insgesamt lag er in der Branche bei 23,6 Milliarden Euro.

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