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„Die Branche war äußerst autoritär“

Sky du Mont im Interview

Der Titel verrät es: In Sky du Monts neustem Werk „Jung sterben ist auch keine Lösung“ geht es um das Altwerden – und das gewohnt humorvoll. Im Interview spricht der gebürtige Argentinier über das Schreiben von Büchern, Macht, den Fall Dieter Wedel und das Leben in Hotels.

DORTMUND

, 04.03.2018
„Die Branche war äußerst autoritär“

Sky du Monts neues Buch „Jung sterben ist auch keine Lösung“ ist im Februar erschienen. © dpa

Herr du Mont, warum ist jung sterben auch keine Lösung?

Wenn man stirbt, hat man keine Probleme gelöst, man ist ihnen nur aus dem Weg gegangen.

Für welches Leben im Alter haben Sie sich entschieden?

Ich bin ja schon ein älterer Herr. Ich stelle mir das Leben im Alter so vor, wie es ist. Ich bin nicht jemand, der träumt. Ich kann mich bewegen, ich kann mit meinem Sohn Fußball spielen, ich laufe im Treppenhaus vier Stockwerke hoch, ich bin fit, ich ernähre mich gesund.

Wie unterscheidet sich der Buchautor Sky du Mont vom Schauspieler Sky du Mont?

Wenn ich eine Rolle spiele, habe ich eine Vorgabe – ich bin dann beispielsweise ein Mörder, ein Playboy oder ein Gammler. Das, was ich spiele, ist von einem anderen Autor vorgeschrieben. Wenn ich selbst schreibe, dann ist das mein ganz eigenes Drehbuch. Das ist der Unterschied.

Haben Sie sich eine Grenze gesetzt, wann für Sie mit der Schauspielerei und dem Schreiben Schluss ist?

Wenn ich die Kraft nicht mehr habe. Wenn ich feststelle, dass ich mir die Texte nicht mehr merken kann. Wenn ich spüre, dass es zu anstrengend ist. Wenn ich mit dem Stress und Druck nicht fertig werde. Dann ist der Moment gekommen! Aber das ist noch nicht der Fall. Gott sei Dank.

Es ist 42 Jahre her, da feierten Sie Ihr Kinodebüt…

Echt? 42 Jahre schon? Das überrascht mich. Aber da vertraue ich Ihnen.

Dürfen Sie. 1976 mit „Das Schweigen im Walde“. Seitdem haben Sie in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Inwieweit hat sich die Branche verändert?

Sehr! Als ich anfing, war die Branche äußerst autoritär. Der Ton war ein ganz anderer. Das merkt man auch heute noch – zum Beispiel am Fall Wedel. Das könnte er sich heutzutage nicht mehr leisten.

Sie sprechen den Fall Dieter Wedel an. Nicht nur in Deutschland, auch in Hollywood sorgen mutmaßliche sexuelle Übergriffe in der Film- und Fernsehbranche für Schlagzeilen. Lange wurde geschwiegen, jetzt wird endlich darüber gesprochen.

Ich finde das dringend nötig! Auch wenn Herr Wedel strafrechtlich nicht verfolgt wird, weil es verjährt und nur schwer beweisbar ist, so ist das Bewusstsein in der Gesellschaft sehr viel klarer geworden. Was man manchmal für einen Unsinn von sich gibt, der gar nicht boshaft, aber beispielsweise frauenverachtend ist. Ich bin mit einer Kollegin unterwegs (Christine Schütze, Anm. d. Red.), die erstklassiges Kabarett abliefert. Sie hörte, wie sich zwei Männer nach einer Vorstellung unterhalten haben. Der eine fragte: „Wie fandest du sie denn?“ Der andere antwortete: „Mir ist sie zu dünn.“ Das würde man bei einem Mann nie sagen, bei Frauen geht man leider immer auf das Äußere ein. Das ist natürlich Quatsch! Insofern ist die aktuelle Diskussion eine sehr wichtige. Aber wir dürfen keine amerikanischen Verhältnisse bekommen. Dort ist es ja tatsächlich so, dass Frauen wieder aus dem Auszug steigen, wenn sie sehen, dass sie mit einem Mann alleine wären.

Ist in der Branche – sowohl in Deutschland als auch in Hollywood – das Gefühl von Macht zu groß?

Macht gibt es in allen Bereichen. Ich glaube nicht, dass die Macht in Betrieben wie Volkswagen und Audi eine andere ist. Dort wäre es niemals zu diesen Skandalen gekommen, wenn die Unternehmensspitzen nicht eine solche Macht hätten. Diese Machtverhältnisse, diese alten Strukturen gibt es leider immer noch. Früher war ein Regisseur der absolute Chef, das ist nicht mehr so. Heute ist der Regisseur abhängig von den Redakteuren, von den Produzenten, von den Fernsehsendern. Das waren früher richtig mächtige Leute. Wenn die gesagt haben, sie wollen, dass die Frau einen grünen Hut trägt, dann hat sie den getragen. Das hat sich heute geändert. Gut ist die Situation aber trotzdem nicht.

Für Ihre Rolle in zwei Filmen von Michael „Bully“ Herbig erhielten Sie zweimal den Deutschen Comedypreis und Bambi. Welchen Anteil hat „Bully“ an Ihrer preisgekrönten Karriere?

Einen sehr großen Anteil. Ich bin sehr gut befreundet mit ihm. Die Rolle des Santa Maria wollte ich anfangs nicht spielen, weil sie mir nicht lustig genug war. Zur gleichen Zeit hatte ich einen Stanley Kubrick-Film („Eyes Wide Shut“, Anm. d. Red.) gemacht, der künstlerisch sehr viel Anklang fand. Und dann kam „Bully“ mit einer Komödie um die Ecke. Das war wie eine Bombe für mich, ein riesiger Karriereschub. Ich war zwar schon bekannt, aber meinen heutigen Bekanntheitsgrad habe ich diesen beiden Produktionen zu verdanken.

„Bully“ bringt noch in diesem Jahr einen neuen Film namens „Ballon“ heraus. Diesmal keine Komödie. Ein Streifen über die spektakuläre Flucht einer Familie aus der DDR mit einem selbst gebauten Heißluftballon. Kann „Bully“ auch Thriller?

Schwer zu sagen. Wir wissen in unserer Branche nicht, was gerade der Geschmack der Zeit ist. Spielt man am Theater, probt man sechs Wochen – und dann ist die Gefahr, dass man zu nah an seinem eigenen Produkt ist, dass man das Maß verliert. Das ist die große Schwierigkeit in unserem Beruf. Für einen Regisseur wie „Bully“ stelle ich mir das noch schwieriger vor. Er schreibt, hat Bilder in seinem Kopf und stellt sich vor: So muss das sein. Kritische Leute, die von außen hineingucken und sagen, das ist zu viel, das ist zu viel, hat man nicht. Der Film ist erst fertig, wenn er geschnitten ist. Deshalb kann ich diese Frage nicht beantworten. Ich weiß nur, dass „Bully“ ein unfassbar fleißiger Mensch ist, der seine Filme fertig im Kopf hat. Das ist die halbe Miete.

Die zweite Antwort, aus der ich raushöre, dass Sie dem Beruf als Regisseur nichts abgewinnen können.

Richtig.

Regisseur kam für Sie also nie infrage?

Das interessiert mich gar nicht. Das wurde mir zwar angeboten, aber ich wollte nicht.

Lieber vor als hinter der Kamera?

Auch nicht. Schauspieler ist mein Beruf. Aber ich schreibe mittlerweile wesentlich lieber.

Wie dürfen sich die Leser Ihrer Bücher Sie beim Schreiben vorstellen?

Ich schreibe meistens nachts, weil die Kinder ja da sind. Ich verbringe viel Zeit in Wohnwagen und Hotels. Die vergangenen Monate habe ich mehr Zeit in Hotels verbracht als zu Hause. So habe ich endlos Zeit zu schreiben.

Ist das ein angenehmes Leben?

Nein, ich wäre lieber zu Hause.